Weshalb erheben Banken jetzt immer noch Negativzinsen?
Weshalb erheben Banken jetzt immer noch Negativzinsen? © Jeanette Dietl / Adobe Stock

Frankfurt 17.04.2020 –– Die Corona-Krise wird immer mehr auch zu einer wirtschaftlichen Herausforderung. Um die geforderten Kredite zu vergeben, sind Banken wieder mehr auf das Geld ihrer Kunden angewiesen. Trotzdem gibt es immer mehr Institute, die Privatkunden mit Negativzinsen belasten. Wie passt das zusammen?

Die Welt – und damit auch die Banken – stehen vor der beispiellosen Aufgabe, die Folgen der Covid-19- Pandemie so gering wie möglich zu halten. Doch während die eine oder andere Bank die Zeichen der Zeit erkannt hat, gibt es andere, die weiterhin an überkommenen Mustern festhalten.
Nicht anders lässt sich der Umstand interpretieren, dass es auf der einen Seite (wenn auch bislang nur vereinzelt) Institute gibt, die angesichts der Krise ihre Zinsen aufs Festgeld erhöhen, während auf der anderen Seite immer mehr Banken dazu übergehen, bereits bei geringen Guthaben oder sogar schon ab dem ersten Euro Negativzinsen von ihren Sparern zu verlangen. Und zwar sowohl auf dem Girokonto als auch beim Tagesgeldkonto.

Negative Zinsen ab dem ersten Euro – und das nicht nur beim Tagesgeld

Um ein möglichst aussagekräftiges Bild der aktuellen Konditionen bei Tagesgeld- und Girokonten zu erhalten, hat die FMH-Finanzberatung eine aufwändige Internetrecherche durchgeführt. Das Ergebnis: Inzwischen gibt es 123 Banken die ihren Kunden schon bei vergleichsweise überschaubaren Guthaben einen Strafzins abknöpfen, 15 Anbieter erheben sogar einen Negativzins von 0,5 Prozent oder verlangen ab dem ersten Euro eine Kontogebühr zwischen einem und fünf Euro pro Monat – was im Ergebnis einem Negativzins gleich kommt.

Zehn Banken verlangen bereits von ihren Kunden einen Minuszins für Beträge unter 10.000 Euro: Die Hälfte von ihnen beim Tagesgeldkonto, die andere Hälfte für das Guthaben auf dem Girokonto. Man könnte fast das Gefühl gewinnen, dass vor allem die regionalen Banken und Sparkassen Minuszinsen verlangen, und sei es nur deshalb, weil die Banken im Nachbarort es auch machen.

Dennoch ist das ein gewagtes Unterfangen. In der Krise achten die Menschen sicher wieder mehr darauf, dass ihre Gelder mehr und nicht weniger werden und wagen womöglich häufiger den Wechsel zu einem anderen Anbieter. Das kann sich als Nachteil erweisen, wenn auch Sparkassen und andere Hausbanken wieder auf das Tagesgeld ihrer Kunden angewiesen sind.

Negativer Zinsertrag trotz Corona-Krise

Eigentlich könnte man denken, dass Banken jetzt einen Corona-Bonus an ihre Stammkundschaft verteilen. Sie müssen ja nicht gleich die besten Zinsen bieten – könnten aber zumindest für Beträge unter 100.000 Euro auf einen Minuszins verzichten. Damit würden sie nicht nur eine negative Aufmerksamkeit vermeiden, sondern könnte bestimmt auch einen Beitrag zur Kundenbindung leisten.

In Zeiten wie diesen ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Denn wenn andere Banken wirklich anfangen, ihre Zinsen leicht anzuheben, dann überlegt womöglich selbst der brave Stammkunde, der 0,5 Prozent Strafzinsen für sein Erspartes von 25.000 Euro bezahlen soll, ob ein Wechsel des Geldhauses nun angezeigt ist und ob er nicht das Angebot von 0,2 Prozent Zinsen aufs Guthaben wählen soll – bei identischer Einlagensicherung. Der zusätzliche Zinsertrag innerhalb von 12 Monaten läge immerhin 175 Euro.

Wir sehen es als riskantes Spiel, jetzt noch Negativzinsen zu verlangen. Schon heute ist absehbar, dass in den nächsten Monaten ein erhöhter Kreditbedarf entstehen wird. Vor diesem Hintergrund werden viele Banken noch auf die billigen Kundengelder angewiesen sein, für die sie derzeit so wenig Wertschätzung zeigen – und deren Abwanderung sie ohne Not riskieren. Denn in finanziellen angespannten Zeiten, die mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit nicht geringer werden, schaut manch ein Verbraucher schon genauer hin, wie gut oder schlecht das Angebot seiner Bank ist.

Besonders begüterte Sparer, die Einlagen von 250.000 Euro bis zu einigen Millionen vorweisen können, werden einen Negativzins vielleicht noch akzeptieren, weil sie weniger am Zinsertrag interessiert sind, sondern vor allem von der extrem guten Einlagensicherung in Deutschland profitieren wollen.
Sicherlich können Kleinsparer und erst recht Anleger mit großen Vermögen es verkraften, wenn sie kurzfristig einen Strafzins zahlen müssen. Das wird zum Beispiel der Fall sein, wenn sie ihr Geld nur für ein paar Wochen auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto parken, bevor sie eine größere Anschaffung tätigen.
Wer aber sein Geld in den nächsten Monaten und Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit nicht angreifen muss, der sollte hingegen nach einem Tagesgeldkonto Ausschau halten, dass besser verzinst ist.

Zinsen aufs Festgeld werden weiter steigen

Warum wir dazu raten, das Ersparte bei einem guten, idealerweise beim besten Anbieter für Tagesgeld zu parken und nicht schon jetzt schon bei den leicht steigende Zinsen aufs Festgeld einsteigen? Angesichts der oben beschriebenen Entwicklung scheint das zwar etwas widersprüchlich. Doch wer heute schon in Festgeld investiert, ist womöglich zu früh dran. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden in den kommenden Monaten einen besseren Zins aufs Festgeld bekommen könnten, ist relativ hoch.

Unser Tipp lautet daher, Guthaben auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto zu parken, um später umschichten zu können und von besser verzinsten Festgeld-Angeboten zu profitieren.


Negativzinsen / Verwahrentgelte für Neukunden (Privatkunden)
Stand: 17.04.2020Negativzins /VerwahrentgeltFreibetrag TagesgeldFreibetrag Girokonto
Kreissparkasse Stendalkeine Angabe1 €keine Angabe
Raiffeisenbank Oberpfalz Süd 1)-0,50%1 €keine Angabe
Volksbank Hameln-Stadthagen 2)-0,50%1 €keine Angabe
VR-Bank Fürstenfeldbruck-0,50%1 €20.000 €
VR-Bank Westmünsterland-0,50%1 €individuell
Raiffeisenbank Eifeltor-0,50%1 €10.000 €
Bremische Volksbank-0,50%100.000 €5.000 €
Kreissparkasse Euskirchen-0,50%50.000 €10.000 €
Raiffeisenbank Unteres Vilstal-0,50%50.000 €10.000 €
Erfurter Bank-0,50%Freibetrag pro Kunde 20.000 €

Alle Zahlen basieren auf den Angaben der jeweiligen Institute in deren Preisaushängen und Entgeltinfos auf deren Internetseite
1) Gilt für VR-FlexKonto; 2) Für Kunden ohne Hausbankverbindung;


Dies sind 10 von 134 Banken. Die komplette Liste können Sie unter info@fmh.de käuflich erwerben

Für Testzwecke können hier alle Rechner aufgerufen werden. Wird auf der richtigen Seite dann nicht mehr angezeigt.
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