Podiumsdiskussion beim 7.FMH-Award

Frankfurt 05.02.2015 –– 2015 wird für die Baufinanzierer spannend. Dafür sorgen neue Richtlinien und Trends wie die Digitalisierung der Baugeldvergabe. Auch könnten die niedrigen Zinsen den Wettbewerb anfachen, wie die Podiumsdiskussion beim FMH-Award 2015 zeigte.

Wird 2015 angesichts der niedrigen Zinsen ein langweiliges Finanzierungsjahr für die Branche? Mit dieser gezielt provokanten Frage setzten sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion beim FMH-Award, dem begehrten Preis für die besten Baufinanzierer Deutschlands, auseinander.

Langeweile sieht anders aus

Doch nach Langeweile sieht es auch 2015 nicht aus, so das fast einhellige Fazit der von Beate Hoffbauer
(n-tv) moderierten Diskussion. Zum einen müssen sich Banken, Versicherer und Vermittler auf die EU-weite Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WR) einstellen, die spätestens im März 2016 in Deutschland in Kraft treten wird. Zum anderen sucht die Branche nach dauerhaften Antworten auf längerfristige Trends wie die Digitialisierung in der Vermittlung von Baudarlehen. Darüber hinaus bescheren die extrem niedrigen Zinsen der Branche zwar einen weiter wachsenden Markt, doch könnten die geringen Unterschiede auch den Wettbewerb zwischen den Anbietern verschärfen – durchaus zur Freude der Immobilienkäufer.

Stochern im Wortnebel des Gesetzesentwurfs

Insbesondere die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WR) treibt Bankern, Versicherern und Vermittlern die Sorgenfalten auf die Stirn und bindet 2015 einiges an Ressourcen – und das aus mehreren Gründen. „Viele Details, wie die EU-weite Regelung in Deutschland umgesetzt werden soll, sind noch unbekannt, weil der Referentenentwurf erst seit Kurzem vorliegt“, sagte Nico Trautwein, bei der Commerzbank zuständig für Portfoliooptimierung. Tatsache ist jedoch, dass die Regelung ab dem 21. März 2016 in Deutschland gelten wird, wie auch immer sie konkret ausschaut: „Wir tappen also ein Stück weit im Dunkeln“, so Trautwein.

Branche befürchtet hohen Aufwand durch Richtlinie

Generell erwartet man in der Branche hohen Aufwand durch die zunehmende Regulierung bei der Vergabe und Vermittlung von Hypothekendarlehen. Die ING-DiBa geht das Problem dergestalt an, dass sie eigene Schulungs- und Zertifizierungsprogramme entwirft, um Berater und Vermittler auch für die Anforderungen der WR fit zu machen. Mit der Frankfurt School of Finance Management gestaltet sie gerade das Weiterbildungsprogramm „Qualifying“. Denn: „Hohe Qualität bei Finanzprodukten heißt auch leichte Verständlichkeit“, so Franz Lücke, Abteilungsdirektor bei der Direktbank.

Weniger optimistisch zeigte sich AXA Bank-Vorstandsmitglied Klaus Schön. Er glaubt, dass das im Entwurf durchscheinende Menschenbild des homo oeconomicus nicht der Realität entspricht: „Welcher Kunde liest gerne ein Dutzend Seiten, bevor er den Vertrag unterschreibt? Die Einzigen, die sich über die Wohnimmobilienkredit-Richtlinie freuen, sind die Juristen – wegen der neuen Klagemöglichkeiten.“

Digitalisierung – das Stichwort der nächsten Jahre

Auch in strategischer Hinsicht könnte 2015 interessant werden – wegen der (Mega-)Trends Digitalisierung oder Alterung der Gesellschaft. Allerdings erkannte Natalie Gude Losada von der Pro-Direct-Finance GmbH eine gewisse Behäbigkeit der Baufinanzierer: „In einigen Jahren werden weitere Millionen von Menschen nicht mehr erwerbstätig sein, doch es fehlen Tilgungsinnovationen, die sich an das Leben der Menschen anpassen“ – eine Aussage, der Schön mit Hinweis auf zahlreiche Varianten bei Sondertilgung und Tilgungsaussetzung widersprach.

Gleichwohl waren sich die Teilnehmer einig, dass die Digitalisierung in der Baufinanzierung zunehmend wichtiger wird. Heutzutage erwarteten immer mehr Menschen, vor allem jüngere, dass Banken mit allen Produkten und Dienstleistungen, also auch mit der Baufinanzierung, im Internet präsent sind. Die Angebote sollten nicht nur über den PC, sondern auch mobil über Smartphones und Tablets erreichbar sein. Zudem sollen Kunden übers Internet mit dem potenziellen Darlehensgeber kommunizieren können. Einmütiges Fazit: Wer diesen Trend verschläft, riskiert, vom Wettbewerb abgehängt zu werden.

Markt wächst, Zinsen bleiben unten

Die steigende Nachfrage nach Wohnimmobilien sowie die hohe Liquidität wird auch 2015 den Markt weiter wachsen lassen. Andreas Hahn, Vorstandsmitglied bei der BBBank, geht von einem Plus zwischen zwei und drei Prozent beim Volumen der Kreditvergabe aus, was den Druck der immer geringerer Margen etwas mindern dürfte. Seine Zinsprognose deckte sich im Wesentlichen mit der seiner Diskussionskollegen. Demnach werden die Zinsen in „den politisch determinierten Märkten“ auch in den kommenden Monaten sich nur wenig vom aktuellen Niveau entfernen. Sie könnten sogar noch weiter sinken.