Anzeichen für eine Zinswende?

Frankfurt 07.07.2017 –– Bis die Zinsen wieder auf Normal-Niveau sind, wird es wohl noch dauern. Doch der Markt bewegt sich – wenn auch nicht ganz einheitlich.

„Alle Zeichen deuten auf eine Festlegung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin.“ Diese Aussage des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, reichte vergangene Woche aus, um die Rendite der deutschen Bundesanleihe innerhalb von einer Woche um 0,20 Prozentpunkte in die Höhe zu treiben.
Auch die Pfandbriefe haben entsprechend reagiert, ebenso die Zinsen in der Baufinanzierung. Letzteres gilt aber nur für jene Banken, die sich klassisch über jene Pfandbriefe refinanzieren, wie etwa die Münchener Hypothekenbank oder WL-Bank. Regionale Banken hingegen haben ihre Zinssätze sogar weiter gesenkt. Die Entscheidung fiel, bevor der EZB-Chef sich zu Wort gemeldet hatte.

Spitzenangebote aus der Region

Markant sind dabei die Volltilgerangebote der Sparda-Bank Hessen und der Sparkasse Hamburg (Haspa). Bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro und 150.000 Euro und Tilgung innerhalb von zehn Jahren kosten Darlehen nur noch effektiv 0,99 Prozent (Haspa) bzw. 0,89 Prozent (Sparda-Bank Hessen).

Bei 15 Jahre fest und identischen Bedingungen liegen zur Zeit die Allianz (1,33 Prozent) ganz vorne (hat aber zum 11.07. Zinserhöhungen angekündigt), die Sparda Baden Württemberg (1,34 Prozent) bzw. die Sparda-Bank Hessen (1,37%)und die Haspa (1,38 Prozent effektiv) an der Spitze unserer Auswertung. Dies zeigt, dass die regionalen Banken extrem billige Kundengelder für Volltilgerdarlehen einsetzen und damit konkurrenzlos günstige Zinsen bieten können. Leider vergeben diese Banken ihre Kredite nur regional.

Auch bundesweit tätige Banken glänzen mit Volltilgerzinsen (0,92 Prozent für 10 Jahre fest von der Degussa Bank). Die großen Player wie Allianz Leben, Postbank, Deutsche Bank und auch Commerzbank können bei 15 Jahre fest und länger ebenfalls gut mithalten (effektiv 1,33 bis 1,60 Prozent für 15 Jahre fest). Einige haben aber bereits Zinserhöhung angekündigt.

Wenig Bewegung im Index, viel Bewegung im Markt

Wenn manche Banken die Zinsen senken und andere sie erhöhen, gleicht sich das in der Summe aus. Entsprechend gering sind die Bewegungen im FMH-Index für Hypothekenzinsen. Kunden müssen also weiterhin genau vergleichen, wo sie finanzieren wollen. Ein pauschaler Rat aber behält seine Gültigkeit: Je kürzer die Zinsfestschreibung und je höher die Tilgung, desto attraktiver sind Angebote von regionalen Banken.

Schwierig ist hingegen die Beurteilung, ob Immobilienfinanzierer lieber schnell zuschlagen oder abwarten sollten: Der Markt ist sehr sensibel und angespannt. Nicht immer ist es logisch zu begründen, wenn Zinsen sich verändern. Die Andeutung von Herrn Draghi lässt sich allerdings dahingehend deuten, dass das absolute Zinstief durchschritten sein könnte und es sich lohnt, zügig zu agieren. Auch die Inflationsrate von 1,6 Prozent für den Monat Juni stützt diese Überlegung.