Gebühren beim Bausparvertrag

Frankfurt 11.10.2017 –– Im Mai erst hatte der Bundesgerichtshof Bausparkassen verboten, während der Darlehensphase Kontoführungsgebühren zu erheben – schon findet der erste Anbieter einen Weg, das Urteil zu umgehen.

Eine gewisse Kreativität kann man der Signal Iduna nicht absprechen. Die Tinte unter dem Urteil des BGH ist kaum trocken, da haben die Rechtsexperten der Bausparkasse schon eine Möglichkeit erarbeitet, dennoch Gebühren von ihren Kunden zu erheben – und das auch noch als Service zu verkaufen. Tenor: Während andere Bausparkassen neben der Kontoführungspauschale noch diverse Extras in Rechnung stellen, sei die Signal Iduna die erste und bisher einzige, die nunmehr eine einheitliche „Servicegebühr“ erhebe. Mit ihr seien alle Kosten abgedeckt.

Das neue All-Inklusive-Paket kostet 15 Euro pro Jahr. Und natürlich fallen die Kosten auch in der Darlehensphase an. Das hat BGH zwar untersagt – aber eben nur für Kontoführungs- nicht für Service-Gebühren.

Gebühren beim Bausparvertrag: Die Aufsicht schaut einfach zu

Weiteres Manko: Wer wissen will, welche Kosten die neue Gebühr tatsächlich abdeckt, hat viel zu tun. Denn die Auflistung steht nicht in den Allgemeinen Bausparbedingungen (ABB), sondern in einer Tabelle, die der Kunde aktiv bei der Bausparkasse anfordern muss.

Dass eine solche Praxis von der Kontrollbehörde einfach durchgewunken wird, ist der eigentliche Skandal. Es scheint, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht tut inzwischen fast alles, um zu verhindern, dass die Bausparkassen pleitegehen. Denn es ist ruhig geworden um die Bausparkassen. Und wenn ein Anbieter doch einmal von sich reden macht, dann meist durch fragwürdige Geschäftspraktiken, die sein Überleben sichern sollen. Das geht, wie jetzt bei der Signal Iduna, fast immer zu Lasten der Bausparer.

Auch Kombidarlehen sind Schönrechnerei zulasten der Kunden

Diese Entwicklung ist traurig. Denn Bausparen hat durchaus seine Berechtigung. Ideal ist es etwa zum Ansparen von Rücklagen für Hausbesitzer für später einmal anstehende Reparaturen.

Leider kommt das Instrument aktuell auch immer wieder zum Einsatz, um die Anschlussfinanzierung des Bankdarlehens abzusichern. Das aber rechnet sich nur selten.

Strebt der Kunde eine Tilgungszeit von 25 Jahren und mehr an, gewinnt das reine Bankdarlehen – es sei denn, man unterstellt, dass der Zinssatz am Ende der Zinsbindungszeit weiterhin bei 1,25 Prozent liegt. Ein eher unwahrscheinliches Szenario. Dennoch tun viele Bausparvermittler und Banker genau das, wenn der Bausparvertrag innerhalb der ersten Zinsbindungszeit noch nicht zugeteilt ist. Rechnet man hingegen mit realistischen Zahlen (etwa mit vier oder fünf Prozent Bauzinsen), verliert das Bausparmodell.

Interessanterweise verabschieden sich die meisten Bausparkassen bei Neutarifen wieder von Darlehenszinsen von weniger als zwei Prozent – erneut zum eigenen Vorteil. Und zu dem der Vertreter.

Von 83 aktuellen Bauspartarifen haben 56 einen Effektivzins von mehr zwei Prozent – in der Spitze werden bis zu 4,81 Prozent erreicht. Der niedrigste Effektivzins laut Bausparkassenangaben liegt bei 1,23 Prozent. Wenn man sich diese Angaben ansieht, könnte man fast meinen, Bausparverträge würden nur wegen der Provision für die Banker und Vertreter abgeschlossen.

 


 

Selbstversuch einer potenziellen Kundin

Die Nicht-Informationspolitik der Signal Iduna Bausparkasse

Frankfurt 11.10.2017 –– Was genau hat es mit der neuen Service-Gebühr der Signal-Iduna- auf sich? Wir wollten es genau wissen und fragten bei der Bausparkasse nach. Die Ergebnisse waren verstörend.

Im oberen Beitrag berichtete die FMH-Finanzberatung kritisch über die neue Service-Gebühr der Signal Iduna, die als „All-Inclusive“-Paket verkauft wird und angeblich alle anfallen Kosten der Kunden abdeckt. Wir wollten wissen, ob das stimmt und ließen eine unserer Mitarbeiterinnen die Probe aus Exempel machen. Die Frau fragte als Bausparinteressentin bei der Gesellschaft an, ob sie die Entgelt-Tabelle vorab einsehen dürfe. Laut Paragraf 15 der ABB können Kunden die Übersicht von der Bausparkasse anfordern.

Das war offenbar zu viel verlangt. Der Mitarbeiter am Telefon versicherte unserer Kollegin erstens, dass sie die Tabelle gar nicht einsehen müsse – mit der Service-Pauschale seien ja alle Kosten abgegolten. Zweitens habe sie gar kein Recht, die Tabelle anzufordern, da sie ja nur eine Interessentin und eben noch keine Kundin sei.

Wir haben die Entgelt-Tabelle dann auf anderen Wegen doch noch erhalten – und trauten unseren Augen nicht: Selbst in der Tilgungszeit sind fünf mögliche Entgelte aufgeführt, die zwischen 25 und 300 Euro betragen. Von wegen die Servicepauschale ersetze die üblichen Kosten in der Tilgungszeit. In der Ansparzeit finden sich sieben Entgeltsätze zwischen 20 und 50 Euro.