Bausparen in der Niedrigzinsphase

Frankfurt 28.02.2014 –– Im Bausparvertrag ist das Guthaben schlecht verzinst, aber sicher, denkt der eine. Ich lege mein Geld lieber in Fonds an und nehme später höhere Hypothekenzinsen in Kauf, der andere. Weshalb beide Spartypen falsch liegen könnten.

In der Niedrigzinsphase sollten Sparer ihre Standpunkte prüfen

Ob ein Bausparvertrag in der Niedrigzinsphase sinnvoll ist, hängt davon ab, ob der Sparer später überhaupt bauen bzw. kaufen will oder ob das noch gar nicht sicher ist. Wenn Großeltern beispielsweise einen Bausparvertrag fürs Enkelchen abschließen, wissen sie nicht, ob ihr Enkel von dem Ersparten später lieber studieren oder eine Wohnung finanzieren will. Der feste Vorsatz, in Immobilien zu investieren, ist aber entscheidend dafür, ob sich der Bausparvertrag aktuell lohnt.

Bausparen für jene, die noch nicht wissen, ob sie später bauen oder kaufen wollen

Ob Bausparvertrag, Tagesgeld, oder Festgeld, das ist doch momentan ohnehin gleich, wenn man sich die Guthabenszinsen anschaut. Oder etwa nicht? Nicht ganz: Beim Bausparen startet man als Sparer nämlich eigentlich im Minus – immerhin müssen noch eins bis 1,6 Prozent Abschlussgebühren gezahlt werden!

Selbst wenn man einen Bausparvertrag mit dem aktuellen Spitzenguthabenszins von 1,25 Prozent abschließt, dauert es rund sechs Jahre, um die Abschlussgebühr von einem Prozent mit Zinsgutschriften auszugleichen. Bei einem Guthabenszins von 0,25 Prozent sind sogar nach 10 Jahren erst etwa 60 Prozent der Abschlussgebühr durch Guthabenszinsen ausgeglichen – vorausgesetzt, der Vertrag wird mit etwa vier Promille der Bausparsumme monatlich bespart. Bei einem Vertrag von 50.000 Euro wäre das eine monatliche Sparrate von 200 Euro!

Genau betrachtet ist das Bausparen also Unsinn für diejenigen, die einfach nur sparen wollen. Insbesondere Eltern und Großeltern, die für den Nachwuchs sparen, sollten abwägen, ob Immobilieneigentum in der Familie selbstverständlich ist oder eher Wunschtraum. Ist letzteres der Fall, sollte zumindest auf eine hohe Guthabensverzinsung geachtet werden und weniger auf niedrige Darlehenszinsen. Die Alternative: Eine andere Anlageformen wählen. Ein Fondssparplan beispielsweise bietet locker fünf Prozent Zinsertrag nach Steuern – wenn alles normal verläuft. Sicher, das Risiko, dass es auch wesentlich weniger sein kann, ist vorhanden. Dennoch sollte diese Art des Sparens deshalb nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Wer auch nach gründlichem Nachdenken noch auf 100% sichere Sparanlagen setzen will, sollte für den Nachwuchs monatlich vielleicht sogar in einen Ansparplan oder gar auf ein gut verzinstes Kinderkonto einzahlen.

Bausparen für jene, die später in jedem Fall bauen oder kaufen wollen

Unter jenen, die auf eine eigene Immobilie sparen, sind viele, die den niedrigen Guthabenszins des Bausparvertrags schmähen und stattdessen auf Fondssparpläne setzen. Ihre Rechnung: Da der Zinsertrag im Fondssparplan so hoch ist, kann man auch höhere Hypothekenzinsen in einigen Jahren ausgleichen. Prinzipiell vollkommen richtig und clever gedacht, denn bei einem Fondssparplan mit einer Rendite von fünf Prozent nach Steuern, dürfte der Hypothekenzins in zehn Jahren schon auf rund sechs Prozent steigen, damit diese Anlageentscheidung mit einem Bausparmodell mit 2,5 Prozent Darlehenszinsen vergleichbar ist. Aber:

Das ist eine Gleichung mit zwei Unbekannten – und entsprechendem Risiko. Zum Einen sind die Anlagezinsen beim Investmentsparen nicht garantiert. Sie können höher oder niedriger ausfallen, weder Ertrag noch Guthaben sind sicher, selbst ein Minus ist möglich. Zum anderen kann niemand voraussagen, wie sich die Hypothekenzinsen entwickeln. Auch wenn fünf Prozent Anlagerendite bei Fonds kein Hexenwerk sind und ein Hypothekenzins von sechs Prozent in derzeitigen Zinslandschaften einen extremen Anstieg bedeuten würde, man sollte niemals nie sagen. Zur Erinnerung: Nach der Wende, Anfang der neunziger Jahre, hatten wir Hypothekenzinsen von rund zehn Prozent – und das über mehrere Jahre hinweg. Völlig abwegig ist der Gedanke also nicht.

Deshalb sollten Sparer mit Immobilienwunsch das Risiko in jedem Fall abwägen und sich im Zweifel vielleicht doch für den Bausparvertrag mit niedrigen Guthabenszinsen, dafür aber garantiert niedrigem Darlehenszins entscheiden.

Ausnahme: Bei Jugendlichen lohnt sich der Bausparvertrag, auch wenn sie nicht bauen wollen

Wer weniger als 26.200 Euro im Jahr verdient, bekommt auf eine jährliche Sparrate von 512 Euro jährlich 45 Euro vom Staat. Bei einem maximalen Einkommen von 17.900 Euro würde der Staat 43 Euro zusteuern, wenn der Sparer oder Arbeitgeber jährlich 470 Euro auf den Bausparvertrag einbezahlt. Das bedeutet: Für Geringverdiener ergeben sich im Idealfall noch Renditesätze von über drei Prozent in sieben Jahren. Die besten Banksparpläne für den gleichen Anlagezeitraum schaffen nur 2,5 Prozent – die meisten nur eins bis 1,5 Prozent.

Das gilt aber nur, wenn das Bausparguthaben für wohnwirtschaftliche Zwecke genutzt wird, sonst muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden. Es sei denn – und jetzt kommt’s – der Bausparer ist jünger als 25 Jahre. Dann darf er das Guthaben inklusive staatlicher Förderung auch für nichtwohnwirtschaftliche Zwecke einsetzen. Einen Bausparvertrag abschließen darf man aber erst ab 16 Jahren. Damit sich der Bausparvertrag mehr rentiert als andere sichere Geldanlagen, muss er in den nächsten Jahren konsequent bespart werden und eine Mindestsparzeit von 7 Jahren erfüllen.

Eine weitere Entscheidungshilfe zum Thema Bausparvertrag bietet der Online-Bausparberater.