Bausparkassen im Vergleich

Frankfurt 04.04.2014 –– Die Abschlussgebühr für Bausparverträge erhitzt so manches Gemüt. Dabei werden auch für andere Finanzprodukte Gebühren fällig, häufig sogar versteckt. Die Abschlussgebühr dagegen ist transparent – mit unserer Hilfe sogar verständlich.

„Die Abschlussgebühr bei Bausparverträgen ist rechtens!“, entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Jahr 2010. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale NRW, die die Abschlussgebühr als ungerechtfertigt ansah und mit diesem Musterprozess kippen wollte. Doch weshalb? Sicher: Mit 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme stellt die Abschlussgebühr ein hübsches Sümmchen dar, das der Bausparer lieber in seiner Immobilie investiert sähe. Doch ist der Abschluss anderer Finanzprodukte etwa kostenfrei?

Bei Fonds wird ein Ausgabeaufschlag fällig, bei Versicherungen eine hohe Provision, die in den Beiträgen versteckt wird, auch für die Vermittlung von Ratenkrediten und Baufinanzierungen werden Provisionen gezahlt, die im Zinssatz eingearbeitet werden. Und genau so wird auch bei Bausparkassen eine Abschlussgebühr fällig – und das nicht versteckt in Zinsen und anderen Entgelten, sondern offen und transparent.

Was ist denn überhaupt die Abschlussgebühr – und wofür wird die verwendet?

Die Abschlussgebühr beträgt 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und deckt alle Einrichtungskosten für den Bausparvertrag ab, aber auch die Provision für den Vermittler oder den Bausparkassenangestellten.

Für den Bausparer mag das ärgerlich sein, denn mit den ersten Einzahlungen in den Bausparvertrag wird noch nichts angespart, sondern erst einmal die Abschlussgebühr getilgt. Genau genommen beginnt der Bausparvertrag mit einem Minus, das erst einmal abgebaut werden muss. Doch hier stellt sich die Frage: Welche Gebühr zahlt man lieber – diejenige, die offen genannt wird oder diejenige, die in Beiträgen, Zinsen und Entgelten versteckt ist?

Bausparkassen im Vergleich – weshalb fällt die Abschlussgebühr unterschiedlich hoch aus?

Weshalb nehmen einige Bausparkassen nur 1 Prozent Abschlussgebühr und andere 1,6 Prozent? Bekommt etwa der Vermittler so viel mehr Provision? Nein. Nach unserem Informationsstand erhalten die Vertreter nur einen geringen Mehranteil der höheren Abschlussgebühr. Stattdessen ist die erhöhte Abschlussgebühr bei vielen Bausparkassen an Flexibilitätsoptionen geknüpft – und bei einigen sogar eine Wahlmöglichkeit.

Die Abschlussgebühr bei der Alte Leipziger Bauspar AG: 1,0 oder 1,6 Prozent nach Wahl

So kann der Bausparer bei der Alten Leipziger Bauspar AG zwischen 1,0 und 1,6 Prozent Abschlussgebühr wählen: Wer sich für die 1,6 Prozent entscheidet, kann frühestens nach zwei Jahren, wenn das Mindestguthaben angespart ist, kostenfrei die Bausparsumme verdoppeln. Dadurch hat der Bausparer einen Vorteil von 0,4 Prozent, denn sonst ist es bei den Bausparkassen üblich, dass eine Vertragserhöhung auch eine Nachforderung bei der Abschlussgebühr zur Folge hat. Wer noch nicht sicher ist, welche Bausparsumme er am Ende braucht, für den könnte die 1,6 Prozent-Variante eine Option sein.

Die Abschlussgebühr bei der Signal Iduna Bauspar AG: 1,0 oder 1,6 Prozent nach Wahl

Auch die Signal Iduna Bauspar AG offeriert die Option, zwischen 1,0 und 1,6 Prozent zu wählen. Ähnlich wie die Alte Leipziger Bausparkasse bietet Signal Iduna bei höherer Abschlussgebühr die Möglichkeit, die Bausparsumme zwischen dem 2. und 7. Jahr seit Vertragsbeginn zu verdoppeln. Mit dieser Wahlmöglichkeit sind alle Tarifangebote der Signal Iduna ausgestattet.

Die Abschlussgebühr bei der Deutsche Ring Bausparkasse: 1,6 Prozent inklusive Flexibilität

Bei der Deutsche Ring Bausparkasse kann der Bausparvertrag sogar um 200 Prozent erhöht werden. Dafür besteht allerdings nicht die Option einer reduzierten Abschlussgebühr: Alle drei Tarifvarianten werden ausschließlich mit 1,6 Prozent angeboten.

Die Abschlussgebühr bei der BHW Bausparkasse: 1,6 Prozent bei neuen Tarifen

Auch die BHW Bausparkasse hat mit den neuen Tarifen eine Abschlussgebühr von 1,6 Prozent eingeführt, lediglich der Tarif Wohn Bausparen Plus bleibt bei 1,0 Prozent. Dafür verzichtet die BHW Bausparkasse auf alle weiteren Entgelte wie Kontogebühr, Darlehensgebühr und Co. Ob das tatsächlich einen rechnerischen Vorteil für den Bausparer bedeutet, kommt auf den Einzelfall an – doch das wird wohl selten der Fall sein. Ausnahme könnten lang laufende Verträge sein, bei denen sich die Kontogebühr von rund 10 Euro im Jahr zu größeren Summen addieren würde.

Die Abschlussgebühr bei der Deutsche Bausparkasse Badenia AG: 1,6 Prozent

Die Deutsche Bausparkasse Badenia AG tanzt etwas aus der Reihe: Auch sie hat nur Tarife mit 1,6 Prozent Abschlussgebühr im Angebot – bietet allerdings keinen „Gegenwert“, weder flexible Aufstockungsmöglichkeiten noch reduzierte Kontogebühren oder ähnliches. Hier könnte der ausschließliche Vertrieb über die DVAG ein Hauptargument für die höhere Abschlussgebühr sein.

Weitere Bausparkassen: 1,0 Prozent

Alle weiteren Tarife der anderen Bausparkassen begnügen sich mit einem Prozent Abschlussgebühr. Die früher sehr häufige Rückerstattung der Abschlussgebühr bei Darlehensverzicht ist bei den neuen Tarifangeboten allerdings überhaupt nicht mehr zu finden.