Die besten Bauspartarife

Frankfurt 08.03.2015 –– Billiger war Baugeld selten. Dennoch sollten sich Interessenten von den Verheißungen der Bausparkassen nicht blenden lassen. Nur wer kühl kalkuliert, kann schmerzhafte Verluste vermeiden.

Bei den derzeitigen Bauspartarifen begeistern sich viele Interessierte für die extrem niedrigen Darlehenszinsen von einem bis 2,5 Prozent. Dass diese bis zur Vertragszuteilung garantiert werden, also für die nächsten zehn bis 15 Jahre, sorgt für zusätzliche Freude: Solch langlaufende Zusagen gibt es in der Branche sonst nicht. Selbst wer sich mithilfe eines Forward-Darlehens heute schon die Zinsen von morgen sichern will, kann das maximal fünf Jahre im Voraus tun – gegen Aufpreis, versteht sich, und nur, wenn man bereits dabei ist, einen bestehenden Kredit zu tilgen.

Blenden lassen sollten sich Bauherren durch die vermeintlich unwiderstehlichen Offerten allerdings nicht, sondern auch die Nachteile der Angebote im Blick behalten. Wenig erfreulich ist es zum Beispiel, dass Kunden die günstigen Darlehenszinsen der Zukunft mit einer kaum noch wahrnehmbaren Guthabenverzinsung in der Ansparphase erkaufen. Ebenfalls gilt es zu bedenken, dass unvorteilhafte Vertragskonditionen den vermeintlichen Charme der Tarife schnell zunichtemachen.

Mehr Schein als Sein

Nehmen wir zum Beispiel den Tarif der BHW, der mit gerade mal einem Prozent Darlehenszins ein echtes Schnäppchen zu sein scheint. Wir werden oft gefragt, warum das Produkt in den Zinsvergleichen der FMH-Finanzberatung so selten auftaucht. Unsere Antwort lautet: Weil er bei genauem Hinsehen längst nicht so günstig ist, wie es aussieht.

Zum einen hat das Produkt, wie alle BHW-Tarife ganz klare und relativ hohe monatliche Ansparraten. Hinzu kommt eine relativ lange Sparzeit bei 0,1 Prozent Guthabenverzinsung und 1,6 Prozent Abschlussgebühr. Lukrative Angebote sehen anders aus.

Weiterhin gilt: Je niedriger der spätere Darlehenszins ist, desto schneller muss der Kunde sein Bauspardarlehen tilgen. Doch warum sollte man sich bei einem Vertrag mit einem Prozent Darlehenszins so unter Druck setzen? Einen solchen Tarif möchte man doch möglichst langsam abzahlen und stattdessen bei den Darlehensteilen mit hohen Zinsen aufs Tempo drücken.

Bauherren der Zukunft sollten vor einem Abschluss daher genau analysieren, welche Interessen sie mit dem Bausparvertrag verfolgen – und dementsprechend ihre Wahl treffen.

Die goldene Mitte

Wer sich – wie die meisten Interessenten – vor später womöglich hohen Darlehenszinsen schützen will, braucht nicht unbedingt den aktuellen Niedrigstzins als Maßstab heranzuziehen. Es genügt vollkommen, einen garantierten Zinssatz zwischen 2,5 und 3,5 Prozent festzuschreiben. Mit einer solchen Lösung sichern sich Kunden das Beste aus beiden Welten: Sollten die Hypothekenzinsen später so hoch sein, wie befürchtet, können sie sich über die eigenen schlanken Zinsen und die niedrige Rückzahlungsrate freuen. Sollten die Zinsen hingegen so niedrig bleiben, wie im Moment, profitieren sie von einer vernünftigen Guthabenverzinsung, verzichten auf das Bauspardarlehen und unterschreiben später stattdessen das günstigere Bankdarlehen.

Kein Allheilmittel für jedermann

Um die Tarife vergleichen zu können, müssen Interessenten nicht zehn verschiedene Bausparvertreter auf die heimische Couch einladen. Es genügt, mit dem FMH-Bausparvergleich die verschiedenen Szenarien durchzukalkulieren. Auf diese Weise lässt sich anhand von Fakten und ohne Einfluss von Verkaufsschulungen bequem der Tarif herausfiltern, der den persönlichen Bedürfnissen am ehesten entspricht.

Angebote ohne Fehl und Tadel wird die Trefferliste allerdings auch hier nicht enthalten. Denn ein Manko haben alle Bauspardarlehen, auch wenn das leider oft verschwiegen oder falsch dargestellt wird: Sämtliche Bausparkassen finanzieren nur bis 80 Prozent des Beleihungswertes, also etwa 70 Prozent des Kaufpreises. Kunden brauchen daher relativ viel Eigenkapital, um das Bauspardarlehen problemlos im Grundbuch absichern zu können.

Wer 30 Prozent und mehr Eigenkapital aufbringen kann, bekommt meist keine Schwierigkeiten. Wer indes mit wenig eigenen Mitteln (unter 30 Prozent) finanzieren möchte, wird mit der Darlehenszusage der Bausparkasse Probleme bekommen, und diese oft nur in Zusammenarbeit mit Banken beheben können. Das aber kostet zusätzlich – denn meist lassen sich die Banken ihr Entgegenkommen durch Zinsaufschläge bezahlen.

Fazit: Ein Bausparvertrag ist ein ideales Instrument, um fürs Bauen zu sparen, ist aber kein Allheilmittel für die ideale Baufinanzierung.