Kündigung von Bausparkunden

Frankfurt 01.12.2014 –– Die gut verzinsten Altverträge vergangener Tage sind vielen Bausparkassen zu teuer. Sie wollen die treuen Kunden von damals loswerden – angeblich zum Schutz des Sparerkollektivs. Doch was steckt wirklich hinter den Kündigungswellen?

Jahrzehntelang gingen angehende Eigenheimbesitzer wie selbstverständlich davon aus, dass man zum Hausbauen einen Bausparvertrag braucht. Die meisten bedienten daher brav ihre Verträge bei LBS und Co. – freuten sich später über ein zinsgünstiges Darlehen.

Die schon sehr lange anhaltende Niedrigzinsphase macht die heile Welt des Bausparsystems nun kaputt. Schuld an der Zerstörung sind aber keineswegs die Bausparer sondern die Bausparkassen selbst.

Die Geister die ich rief …

In den Hochzinsphasen der vergangenen Jahrzehnte fieberten Bausparer der Zuteilung ihres Darlehens regelrecht entgegen. Während Bankkunden für Baukredite stolze sechs bis neun Prozent ausgeben mussten, konnten sie sich über Zinsen von etwa 3,5 bis fünf Prozent freuen. Zugegeben, die Tilgungsraten waren oft etwas üppiger als manchen Kunden gut tat – doch wer schnell schuldenfrei sein will, muss eben auch zu Opfern bereit sein.

So hoch war die Nachfrage nach den günstigen Krediten, dass man als Bausparkasse gar nicht genügend Gelder parat halten konnte, um alle Darlehensabrufe zu bewältigen. Damit die Kunden trotzdem bei der Stange blieben, machten die Verantwortlichen den Sparern daher ein unmoralisches Angebot: Wer fleißig in den Vertrag einzahlte, später aber auf das Darlehen verzichtete, wurde von seiner Bausparkasse mit Extraprämien belohnt: Durch diesen Kunstgriff konnten die Kassen auf der einen Seite marktgerechte Anlagezinsen bieten und auf der anderen Seite die bauwilligen Sparer bei Laune halten, weil sich die Wartezeiten bis zur Darlehensauszahlung nicht verlängerten.

Auch dieses System funktionierte viele Jahre hervorragend. Zwischenzeitlich zahlten die Bausparkassen für den Verzicht auf das Darlehen sogar die Abschlussgebühr von einem Prozent der Bausparsumme zurück . Hauptsache man hatte genügend Kundengelder, die man zu höheren Zinsen an die Bausparer mit unaufschiebbarem Darlehenswunsch ausleihen konnte.

Dann kam die Finanzkrise. Die Hypothekenzinsen begannen ihren Sinkflug – und rissen das fein austarierte System der Bausparkassen gleich mit in den Abgrund.

Niedergang eines Systems

Aktuell liegen die Zinsen für Baukredite bei sagenhaften 1,75 Prozent effektiv für zehn Jahre fest. Wer will da noch ein Bauspardarlehen mit Zinsen von 3,5 bis fünf Prozent? Selbst eingefleischteste Bausparfreunde winken dankend ab – und finanzieren lieber über ihre Hausbank. Die hoch verzinsten und mit Extraprämien geförderten Sparverträge werden zum Problem für die Bausparkassen.

Um das Ärgernis zu beseitigen, gehen etliche Anbieter rigoros gegen ihre treusten Kunden vor – und kündigen deren Verträge. Als Grund für die Trennung verweisen sie stereotyp darauf, das Kollektiv der Sparer vor Selbstoptimierern schützen zu wollen, die gar nicht zweckgerichtet Bausparen sondern lediglich hohe Renditen abstauben wollten. Dass sie eben jene Kunden selbst zu diesem Verhalten angespornt haben, interessiert niemanden mehr.

Bigotte Argumente

Dass Bausparverträge gekündigt werden, deren Guthaben die Bausparsumme überschritten haben, ist ja noch zu verstehen. Doch dass die LBS Bayern und LBS West sich auch von Verträgen lossagen, die schon seit zehn Jahren zuteilungsreif sind und bei denen die Beantragung eines Darlehens nie das Ziel war, hat einen schalen Beigeschmack.

Eigentlich müsste man in den Verbraucherzentralen angesichts dieses Geschäftsgebarens schäumen. Doch die Resonanz ist verhalten. Die Bausparkassen bewegten sich in einer rechtlichen Grauzone, heißt es lapidar.
Wahrscheinlich sind die rund 36.000 Fälle in denen die Verträge gekündigt wurden, einfach nicht wichtig genug – schließlich machen sie gerade einmal 0,12 Prozent der 30,2 Mio. Bausparverträgen aus, die 2013 im Bestand (LBS und private Bausparkassen) waren. Wer will sich da schon aufregen?
Bausparer, die sich wehren wollen, dürfen daher nicht auf Schützenhilfe der Verbraucherzentralen hoffen, sondern müssen allein gegen die Übermacht der Bausparkassen klagen.

Tipp: Wer trotzdem für sein späteres Immobilienvorhaben bausparen will und auf der Suche nach dem idealen Bauspartarif für sich ist, kann zumindest auf den unabhängigen Vergleich der FMH-Finanzberatung zurückgreifen und muss sich nicht auf die Verkaufskünste eines einzelnen Vertreters verlassen.