Bei der Bargeldversorgung an Geldautomaten etablieren sich neue Trends: Immer mehr Banken verlangen von ihren Kunden unter-schiedlich hohe Entgelte – je nachdem, bei welchem Mitbewerber diese Geld abheben. Das ergab eine aktuelle Recherche der FMH-Finanzberatung bei knapp 200 Banken. „Die  Intransparenz für die Kunden nimmt zu“, sagt FMH-Inhaber Max Herbst.

Die Bargeldversorgung über Geldautomaten beschäftigt nicht nur Gerichte. Inzwischen prüft auch das Kartellamt, ob regionale Banken ihre Marktposition ausnutzen, wenn sie Kunden von Direktbanken die Bargeldversorgung per VISA-Karte untersagen oder ungerechtfertigt hohe Entgelte verlangen.

Die damit verbundene Umstellung der Geschäftsbedingungen hat ein Fünftel der fast 200 Banken genutzt, um das Entgelt für Abhebungen an verbundfremden Automaten zu erhöhen. Auffälliger war für FMH-Inhaber Herbst jedoch die Tatsache, dass immer mehr Banken unterschiedlich hohe Beträge von ihren Kunden einfordern, wenn diese sich an den Automaten anderer Banken mit Bargeld versorgen.

Beispiel eins: Die Sparkasse Landshut verlangt mindestens zehn Euro, wenn sich ihr Kunde bei Automaten von Commerzbank, Hollertauer Volksbank oder Intercard Geld zieht. An einem Automaten der ING-DiBa will die Sparkasse nur 7,50 Euro; bei der Dresdner Bank, HypoVereinsbank, Postbank, Sparda-Bank München und VR-Bank Landshut sind es sogar nur fünf. Bei den meisten anderen Häusern schließlich werden maximal vier Euro fällig, wenn der Geldautomat nicht zum Sparkassenverbund dazugehört.

Beispiel zwei: Die Sparkasse Fürth hat im vergangenen halben Jahr das Entgelt für Abhebungen an Fremdautomaten pauschal von 4,50 Euro auf sechs Euro angehoben. Zusätzlich hat sie den Preis für Abhebungen bei einer ganzen Reihe von Banken auf zehn Euro hochgeschraubt – etwa bei Commerzbank, Dresdner Bank, Postbank, ING-DiBa und VR-Bank Nürnberg.

Für Kunden lohnt es sich also, bei der Bank nachzufragen, wie hoch die Entgelte für die Nutzung fremder Automaten sind. Doch nach den Recherchen der FMH-Finanzberatung wissen die Bankmitarbeiter oft selbst nicht, wie hoch diese ausfallen. Manchen Beschäftigten war sogar nicht klar, dass sich die entsprechenden Gebühren im Preisaushang finden. Eine Möglichkeit für mehr Transparenz wäre es, den Preisaushang im Internet zu publizieren – doch das scheuen etliche Banken offenbar. „Diese Zurückhaltung könnte damit zu tun haben, dass Banken dann nur schlecht die Preise erhöhen könnten, ohne dass es auffällt“, mutmaßt Herbst.

Die wahren Kostentreiber sind nach den Recherchen der FMH die Banken, deren Geldautomaten benutzt werden. So verlangt die Commerzbank von anderen Banken fast immer knapp zehn Euro, wenn ein Kunde eines Mitbewerbers dort abhebt. Die Postbank zählt ebenfalls zu den Spitzenreitern beim Geldeinsammeln. Auch Sparkassen haben keine Probleme, anderen Banken zehn Euro und mehr zu berechnen.

Spitzenreiter sind seit längerer Zeit, die Sparkasse Laubach-Hungen, die Raiffeisenbank Biberach sowie die Volksbank Kinzigtal und Enzkreis: Sie kassieren zum Beispiel von der ING-DiBa mindestens 20 Euro, wenn DiBa-Kunden statt der Visa-Karte die EC-Karte zücken. Dagegen wirkt das Entgelt der Deutschen Bank, die meist 5,99 Euro, von einer anderen Bank haben will, vergleichsweise moderat. Immer noch geben die wenigsten Banken die unterschiedlichen Beträge direkt an ihre Kunden weiter, sondern erheben nur pauschale Beträge, die ING-DiBa zum Beispiel fünf Euro und die BBBank mit einem größeren Automatennetz 3,50 Euro.

Einzelne Banken fangen an und geben diese Fremdkosten, wie früher, einfach an den Kunden weiter, sind jetzt aber nicht mehr verpflichtet, dies auf den Automaten zu vermerken. „Angesichts der Tatsache, dass die Bereitstellung von Bargeld etwa 60 Cent pro Vorgang kostet, bereichern sich die Banken in erheblichem Ausmaß an den Kunden anderer Häuser“, sagt Max Herbst. Seiner Ansicht nach ist wegen der verwirrenden Vielfalt der Entgelte und der wucherartigen Margen das Verbraucherministerium gefordert – „möglichst nicht nur mit einem gut gemeintem Appell an die Verantwortung der Banken“, so der FMH-Inhaber.