Frankfurt 08.04.2009 –– Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senkt, freuen sich die Bauherren. Denn sie rechnen mit fallenden Kreditzinsen. Doch leider reagieren die Hypothekenzinsen in der Regel anders als erwartet.

Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. Erstens: Wenn die Banken Baukredite vergeben, besorgen sie sich das Geld nicht bei der Zentralbank, sondern auf dem Kapitalmarkt – entweder über die Vergabe von Pfandbriefen oder in Form anderer langfristiger Geldanlagen.

Zweitens: Wenn die EZB die Zinsen senkt und in der Aussage zur Zinsentscheidung eine Perspektive eröffnet, die eine wirtschaftliche Besserung erwarten lässt, kaufen viele Anleger Aktien. Schließlich könnte der Aktienmarkt nun anspringen. Folglich wird Geld aus festverzinslichen Anlagen abgezogen und in Dividendentitel angelegt.

Doch diese „Krötenwanderung“ erhöht auf kurze Sicht die Zinsen für Baugeld, da für verzinsliche Anlagen weniger Geld zur Verfügung steht. So hat die EZB seit Oktober 2008 fünf Mal die Zinsen gesenkt – und in vier Fällen sind innerhalb der nachfolgenden zwei Wochen die Baugeldzinsen leicht gestiegen. Betrachtet man den Zeitraum seit 2001, in dem die Leitzinsen elf Mal gesenkt wurden, haben sich die Baugeldzinsen anschließend sechs Mal verteuert.

Das ernüchternde Fazit: Wer erst nach der Leitzinssenkung sein Darlehen abschließen will, weil er sich niedrigere Baugeldzinsen erhofft, fährt oft schlechter