Frankfurt 11.11.2008 –– Geldmarkt-Fonds als Alternative zu Tagesgeldkonten – dieses Bild haben viele Sparer im Kopf. Doch die Realität sieht leider anders aus: Einige Geldmarktfonds haben in den vergangenen Wochen zum Teil massiv an Wert verloren. Einer der Gründe ist die Staatsgarantie für Sparkonten, ein anderer die Beimischung risikoreicher Papiere.

104 Milliarden Euro hatten deutsche Anleger nach Angaben des Branchenverbands BVI Ende August in Geldmarktfonds investiert. Einen Monat später waren es nur noch gut 100 Milliarden – die Anleger hatten in vier Wochen rund 3,5 Milliarden Euro abgezogen. Das blieb nicht ohne Auswirkungen: Etliche Geldmarktfonds verbuchen ein saftiges Minus.

Dazu gehört etwa der Cominvest-Geldmarkt 1, der im laufenden Jahr bis Ende Oktober 4,84 Prozent an Wert verlor. Mit 7,70 Prozent liegt der SEB Invest Money Market seit Jahresbeginn zurück. Drastischer noch erwischte es den Pioneer-Fonds Euro Geldmarkt Plus, der 17,9 Prozent abgab; der Nordgeldmarkt-Fonds verlor sogar 22,64 Prozent. Kaum wahrscheinlich, dass die Anleger damit rechneten: Schließlich investiert der letztgenannte Fonds nach eigenen Angaben in Festgeld und kurzlaufende festverzinsliche Wertpapiere.

Wie kommt es dann zu den Verlusten bei diesen Fonds? Etliche Fonds, die unter der Rubrik Geldmarkt Plus liefen, hatten risikoreiche Anleihen gekauft, etwa von Lehman Brothers, und erlitten Verluste wegen des Ausfalls. Zudem gab es erhebliche Unsicherheit über die Bonität anderer Emittenten. Das drückte die Kurse dieser Anleihen im Fonds-Portfolio.

Den Nackenschlag bekamen die Geldmarkt-Fonds von Angela Merkel. Als die Kanzlerin die Staatsgarantie für Konto-Einlagen aussprach, waren die Fonds in den Augen vieler Sparer von einem Moment auf den nächsten im Nachteil, da es für sie keine Garantie gibt. Die Folge: Im Oktober zogen Anleger massiv Geld ab und überwiesen es auf sichere Bankkonten. Das brachte die Fondsmanager unter Druck: Sie mussten Anleihen verkaufen, um auszahlen zu können. Die Papiere brachten sie aber nur mit hohen Abschlägen los – und das drückte die Kurse der Fonds.
Frankfurt: November 2008