Frankfurt 14.10.2008 –– In solch unruhigen, unsicheren Finanzzeiten möchte jeder gerne wissen, wie es weitergeht. Doch die  Probleme sind eben deshalb so groß, weil keiner weiß, welche Nachricht als nächstes auftaucht und Einfluss auf den Kapitalmarkt und das Anlegerverhalten haben wird. Doch eines ist gewiss: Selbst die größten Probleme werden nach einiger Zeit von anderen Ängsten überlagert. Ein Szenario, wie die nächsten Monate verlaufen, könnte so aussehen:

Die Finanzkrise ist noch lange nicht vorbei. Die Meldungen über steigende und fallende Aktienkurse werden uns in den  nächsten Wochen immer wieder beschäftigen. Wen es nicht direkt betrifft, der wird vermutlich etwas abstumpfen – ganz nach dem Motto: Der Staat wird es schon richten, wenn es ganz schlimm kommen sollte.

Spätestens ab Mitte November dürften uns die Aktionen von Banken, Anlageverkäufern und Beratern zur Abgeltungsteuer erwarten. Der Ausverkauf an den Aktienmärkten wird für viele Geldverkäufer ein ideales Argument sein: „Wer jetzt in  Aktien, Fonds und andere riskante Finanzprodukte einsteigt, erwischt nicht nur günstige Kurse, sondern wischt auch dem Finanzamt dauerhaft eins aus.“ Denn jeder, der dieses Jahr noch Aktien und Fonds kauft, muss nach einem Jahr Haltezeit keine Steuern zahlen. Wer kann da schon Nein sagen! Und die Medien werden dies mit teuren Anzeigen und PR-Kampagnen noch unterstützen.

In den Ansturm der willigen Aktienkäufer hinein werden die Profis ihre Aktien verkaufen – rechtzeitig bevor die düsteren Prognosen für 2009 auf den Tisch kommen. Und die Anleger, die vor wenigen Wochen ihre Aktien und Fonds erworben  haben, zögern mit dem Verkauf, weil es sonst nichts wird mit den steuerfreien Kursgewinnen. Derweil rauschen die Kurse weiter in den Keller. Und dann wird das nächste Wehklagen einsetzen, weil die Leute ihre Gelder von den angeblich unsicheren Tagesgeldkonten in noch riskantere Investments umgeschichtet haben.

Die Hypothekenzinsen werden ähnlich verlaufen wie der Deutsche Aktienindex. Zunächst fallen sie weiter leicht, dann werden sie kurz ansteigen und spätestens im Januar dürfte der Baugeldzins richtig nach unten weisen. Aber Achtung! Dies ist lediglich ein mögliches Szenario – und ändert sich nur ein Parameter leicht, kann es ganz anders ausfallen.

Frankfurt: Oktober 2008