Mieten oder kaufen?

Frankfurt 01.06.2015 –– Lange wird es nicht mehr dauern, bis die Zinsen wieder steigen. Wer noch kaufen will, muss also schnell sein. Oder verzichten. Bleibt die Frage: Welche Alternative – Mieten oder Kaufen – lohnt sich eigentlich für wen?

Emotional ist die Sache klar. Die eigenen vier Wände sind für die meisten Deutschen ein Lebenstraum. Eine aktuelle Erhebung des Marktforschungs- und Beratungsinstitut YouGov im Auftrag der Hannoverschen Lebensversicherung belegt: Fast die Hälfte der Befragten möchte irgendwann zum Hausbesitzer avancieren.
Auch rationale Argumente sprechen vielfach für den Kauf eines Hauses oder einer Wohnung. Bei jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren sehen der Erhebung zufolge 64 Prozent das Eigenheim als attraktive Altersvorsorge an. Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts GfK ist das Eigenheim sogar für 75 Prozent aller Deutschen die sicherste und damit attraktivste Form der Geldanlage.

Jetzt oder nie

Die historisch niedrigen Zinsen sorgen dafür, dass mehr Menschen denn je die Chance haben, sich ihren Lebenstraum zu erfüllen, gleichzeitig Vermögen aufbauen und fürs Alter vorsorgen können. Eine entsprechende Bonität unterstellt lässt sich bereits für 1.300 Euro pro Monat ein Darlehen von 250.000 Euro finanzieren – ohne jedes Eigenkapital. Weiterer Aspekt: Wer eine eigene Immobilie besitzt, hat damit einen bleibenden Wert geschaffen, von dem selbst die nachfolgende Generation noch profitiert. Anders ausgedrückt: Das Familienheim sichert im Idealfall nicht nur das eigene Alter, sondern auch das Erbe der Kinder ab. Dies gilt umso mehr, als Hausbesitzer in der Regel eine deutlich höhere Sparquote aufweisen als Menschen, die zur Miete wohnen.

Die Hoffnung auf hohe Renditen erfüllt sich allerdings nicht mit jedem Kauf. Je nachdem, an welchem Standort das Objekt der Begierde steht, ist die Wertentwicklung bei Immobilien sehr unterschiedlich. Großstädte wie München oder Hamburg gelten in dieser Hinsicht immer noch als sichere Bank. Wer hingegen wegen der Familie oder des Arbeitsplatzes an weniger attraktive Regionen gebunden ist und zum Beispiel im Ruhrgebiet sesshaft werden muss/möchte, sollte mit niedrigeren Renditen oder gar einem Wertverlust kalkulieren. Gute wie schlechte Renditen werden allerdings erst relevant, wenn die Immobilie verkauft wird. Vorher ist und bleibt sie ein schönes Zuhause.

Kaufinteressenten tun trotzdem gut daran, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Frage „Mieten oder Kaufen?“ nicht nur aus dem Bauch heraus zu beantworten.

Erst das Hirn, dann das Herz

Harte Fakten müssen auch den Ausschlag geben, wenn es um die Finanzierung geht. Bei aller Goldgräberstimmung gilt es rational abzuwägen, ob eine Finanzierung und die damit einhergehenden langfristigen Verpflichtungen zu stemmen sind. Eine zu hohe Miete kann man beheben, in dem man in eine billigere Wohnung umzieht. Ein Haus lässt sich auf die Schnelle nur selten gewinnbringend verkaufen. Noch dazu sind die Kaufnebenkosten von rund zehn Prozent des Kaufpreises einzukalkulieren: Der Wertzuwachs der Immobilie muss schon erheblich sein, um auch sie wieder eins zu eins hereinzuholen.

Eine gewichtige Rolle spielt zudem die persönliche Lebensplanung. Wer eine Familie mit Kindern hat oder beruflich an einem bestimmten Ort gebunden ist, tendiert naturgemäß zu Haus oder Eigentumswohnung. Anders kann sich die Lage bei sehr reisefreudigen Erwerbstätigen darstellen. Wer noch Karriere machen will und/oder noch den einen oder anderen Umzug vor der Brust hat, ist möglicherweise mit einer Mietwohnung besser beraten und sollte dafür parallel in Aktien investieren.

Die Macht der Zahlen

Egal mit welchem Hintergrund das Projekt Eigenheim betrieben wird: Um diverse Zahlenspiele kommen Interessenten nicht herum. Wer sich einen ersten Überblick über seine finanziellen Möglichkeiten verschaffen will, kann dabei das Tool (Mieten oder Kaufen) der FMH-Finanzberatung zu Rate ziehen. Hier lassen sich die immer gleiche monatlichen Ausgaben gegenüber stellen. Der Interessent kann eingeben, mit welchen Miet- oder Objektsteigerungen er rechnen will. Die Auswirkung zeigen sich sofort am Ergebnis.

Tipp: Rechnen Sie auch einmal ohne Wertsteigerung durch, um zu sehen, ob Sie in auch in einem solchem Umfeld noch kaufen würden. Simulieren Sie, wie Sie sich als potenzieller Käufer beim Erwerb einer Immobilie stellen – in guten wie in schlechten Zeiten. Spielen Sie parallel dazu durch, welche Effekte es hätte, wenn Sie Ihre Mietwohnung behalten und das gesparte Geld für Zins und Tilgung anderweitig anlegen.