Rentenplaner und Zinseszins-Effekt

Frankfurt 03.01.2016 –– Die Rente ist sicher: Das Bonmot des früheren Arbeitsministers Blüm lässt viele Arbeitnehmer nur müde lächeln. Sicher ist, dass wir alle sparen müssen, um den Lebensstandard im Alter zu halten. Auf was es ankommt, zeigt unser Rentenplaner.

Alle politischen Beschwichtigungen können ein wichtiges Gesetz der Finanzmathematik nicht aushebeln: den Zinseszins-Effekt, den der Nobelpreisträger Albert Einstein als stärkste Kraft im Universum bezeichnet haben soll. Dessen Kern: Je länger die Sparphase dauert und je höher der Zins bzw. die jährliche Rendite ist, desto höher wird auch das Vermögen ausfallen. Welchen Effekt die Spardauer sowie die Zinshöhe konkret für das Vermögen haben, mit dem man die gesetzliche Rente aufbessern kann, lässt sich mit unserem Rentenplaner spielerisch herausfinden – und der Jahreswechsel ist ein guter Zeitpunkt, um sich über solche strategischen Dinge Gedanken zu machen.

Die Macht des Zinseszins-Effekts

Mit der Schnellversion des Rentenplaners können Nutzer drei Größen im Handumdrehen berechnen. Erstens erfahren Sie in Sekundenschnelle, welche monatliche Zusatzrente zu erwarten ist, wenn sie eine Summe bzw. eine Sparrate für eine gewisse Zeit und bei einem bestimmten Zins anlegen. So kann, wer zu Risiken bereit ist, etwa mit einem Indexfonds auf den weltweiten Aktienmarkt im Lauf von 20 Jahren durchaus eine annualisierte Rendite von fünf Prozent erreichen, wie langfristige Untersuchungen des Kapitalmarkts zeigen. Eine Sparrate von 250 Euro führt so nach zwei Jahrzehnten zu einer monatlichen Zusatzrente von 666 Euro, sofern die Rente weitere 20 Jahre ausgezahlt werden soll. Wer lieber sicherer fährt und sich mit drei Prozent jährlich begnügt, braucht indes gut 26 Jahre, um dieselbe monatliche Rente für diesen Zeitraum zu erreichen.

Wie lange kann ich mir die Wunschrente leisten?

Zweitens können Nutzer bequem berechnen, wie lange ein Vermögen mit oder ohne weitere Einzahlungen ausreicht, um die Rente in der gewünschten Höhe zu finanzieren. Auch hier zeigt sich die Wirkung des Zinseszinses: Wer 100.000 Euro hat und sich monatlich 1.000 Euro als Rente auszahlen möchte, kommt bei einem Zins von zwei Prozent 14 Jahre und 3 Monate weit. Bei einem Zins von vier Prozent indes ist das Kapital erst nach 32 Jahren und 3 Monaten aufgezehrt. Der doppelt so hohe Zins verlängert die Dauer des Rentenbezugs demnach nicht um den Faktor 2, sondern um das 2,26-Fache. Drittens schließlich kann man „das Pferd quasi von hinten aufzäumen“ und errechnen, welches Kapital bzw. welche monatliche Sparrate man benötigt, um später eine gewünschte monatliche Rente für einen bestimmten Zeitraum zu erhalten.

Detailversion für Ausgefuchste

Nutzer, die noch mehr wissen wollen, arbeiten mit der Detailversion des Rentenplaners. Dabei können sie auch die Inflationsrate einbeziehen. So erfahren sie, wie die Zusatzrente, gemessen an der heutigen Kaufkraft, ausfallen würde, wenn sie später auch um die Inflationsrate stiege. Diese Betrachtung verdeutlicht, wie wichtig es ist, frühzeitig mit dem Sparen für die Zusatzrente zu beginnen. Auch wird klar, wie entscheidend für die Zusatzrente der Anlagezins ist, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt, die in der Vergangenheit im Mittel bei 1,75 Prozent lag. Schon ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger bei der Inflation hat erhebliche Auswirkungen auf die künftige Kaufkraft der Rente.

Ebenfalls in der Detailversion enthalten ist die Option, die Abgeltungssteuer in Höhe von 26,38 Prozent (25 Prozent plus darauf 5,5 Prozent Solidarzuschlag) von der Rente abzuziehen – sei es mit oder ohne Kirchensteuer. Unseres Erachtens wäre es fahrlässig, die Steuer bei der Berechnung der Zusatzrente zu vernachlässigen. Denn wie formulierte es Ex-Kanzler Helmut Kohl? „Entscheidend ist, was hinten rauskommt“ – eine Erkenntnis, die im Gegensatz zu Blüms Behauptung damals und auch heute stimmt.