Bausparzinsen sinken unaufhaltsam

Frankfurt 04.10.2013 –– Seit der Zinstalfahrt waren Bausparverträge teils besser verzinst als andere Geldanlagen und die Darlehen teurer als Bankdarlehen. Jetzt reagieren die Bausparkassen – mit absoluten Minizinsen.

Bausparkassen bieten zwar niedrige Guthabenszinsen, aber dafür auch die günstigsten Darlehenskonditionen – so das Prinzip. Jahrelang galten 2,5 Prozent Guthabenszinsen und 4,5 Prozent Darlehenszinsen als echtes Niedrigzinsangebot. Klar, wenn man die damaligen Tagesgeldzinsen von fünf und Hypothekenzinsen von acht bis zehn Prozent dagegen stellt.

Doch seit 2008 hat sich die Zinswelt geändert. Die EZB drückte die Leitzinsen auf ein Minimum und überschwemmte den Markt mit Geld. In der Folge sanken im Durchschnitt die Tagesgeldzinsen auf 0,5 Prozent und die Baugeldzinsen auf 2,75 Prozent.

Bei diesen Marktumständen müssen die Bausparkassen reagieren – mit noch niedrigeren Zinsen. Denn sonst kippt das Bauspargleichgewicht: Da alle alten Bauspartarife ihre Gültigkeit behalten, können Bausparer die höheren Guthabenszinsen der alten Tarife nutzen und auf die zu hohen Darlehenszinsen verzichten. Im Einzelfall ist das für eine Bausparkasse kein Problem – doch wenn jeder Bausparer so reagiert, will die BaFin Zahlen und Fakten sehen.

Bausparkassen können nicht mit Zinsen jonglieren wie Banken.

Hätten die Bausparkassen nicht viel früher reagieren können? Nein: Bausparkassen können Zinsen nicht einfach senken oder erhöhen wie Banken. Sie müssen jede Tarifänderung durchrechnen, den Wettbewerb beobachten und die neuen Tarife schlussendlich der BaFin zur Genehmigung vorlegen – und das dauert.

Es ist soweit: Die neuen Tarife der Bausparkassen kommen.

Die Bausparkasse Schwäbisch Hall hat ihre Guthabens- und Darlehenszinsen bereits gesenkt, die Wüstenrot geht ab dem 07. Oktober mit neuen Tarifen an den Start und die BKM Mainzer Bausparkasse hat ein komplett neues Tarifwerk. Die Debeka Bausparkasse hatte schon im April dieses Jahres zuerst die Besparung ihres Dinosaurier Tarifs mit drei Prozent Guthaben- und fünf Prozent Darlehenszinsen auf 1,25 Prozent Guthabenszinsen plus einem Bonus umgestellt, der von der Umlaufrendite abhängig ist. Aber auch die LBS Bausparkassen haben sich dem Markt angepasst und die meisten Tarife auf Guthabenszinsen von 0,25 bis ein Prozent abgesenkt.

Das Argument der großen Bausparkassen lautet: Ihr Kundenklientel bekommt auch von den Banken nicht viel höhere Zinsen für ihre Sparverträge. Da ist der Zinsverlust überschaubar und die garantiert niedrigen Darlehenszinsen ein Lockmittel. Man kann nur hoffen, dass bei später steigenden Anlagezinsen die Bausparer weiterhin ihre Niedrigtarife besparen. Bei steigenden Hypothekenzinsen ist in jedem Fall sicher, dass die Bausparkunden ihre Darlehen wieder in Anspruch nehmen und somit Geld in die Kassen fließt.