Die neuen Bausparprodukte unter der FMH-Lupe

Frankfurt 01.08.2013 –– TV-Spots und Werbeanzeigen zum Thema Bausparen haben in letzter Zeit hauptsächlich ein Thema: So niedrige Darlehenszinsen wie nie. Doch lohnen sich die Niedrigstzinsdarlehen wirklich, oder ist dieses neue Bausparprodukt nur ein Marketing-Trick?

Wenn in der FMH-Zentrale das Expertentelefon zur Baufinanzierung klingelt , geht es in letzter Zeit immer häufiger darum, dass Bausparer mit den Darlehenszinsen von unter zwei Prozent liebäugeln und wissen wollen, ob es bei diesen Angeboten einen Haken gibt.

Sehen wir uns die Niedrigzinstarife für Bauspardarlehen deshalb genauer an:

Die Deutsche Bank Bauspar AG zum Beispiel bietet einen Tarif mit 1% Darlehenszinsen, die Deutsche Bausparkasse Badenia AG mit 1,4%, die Wüstenrot Bausparkasse AG mit 1,6%. Das klingt verlockend.

Viele Gesprächspartner wissen jedoch intuitiv, dass es einen Pferdefuß geben muss, wenn die Bausparkasse dem Sparer ein Prozent Guthabenszins zahlt und im späteren Bauspardarlehen auch nur ein Prozent Zinsen verlangt.

Denn an den Gebühren verdient die Bank nicht: Die Abschlussgebühr finanziert den Vertrieb und die Installation des Vertrags, die eventuelle spätere Darlehensgebühr die Begutachtung des Objekts und die Prüfung, ob alle Voraussetzungen für die Darlehensvergabe erfüllt sind.

Der Pferdefuß versteckt sich in der Finanzierungszeit: Wer mit solch einem „Einprozentvertrag“ finanzieren will, muss sein Guthaben der Bausparkasse relativ lang zur Verfügung stellen, das Darlehen später jedoch extrem schnell tilgen.

Als Beispiel: Ein Bausparer möchte 100.000 Euro finanzieren. Er bespart den Niedrigzinsvertrag
117 Monate lang mit 450 Euro – das Guthaben ist auf 52.000 Euro angewachsen.

Das anschließende Bauspardarlehen über 48.000 Euro muss nun mit monatlich 700 Euro innerhalb von 5,5 Jahren getilgt werden, was einem Tilgungssatz von 16,5 Prozent entspricht.

Wer weitere Bankdarlehen mit höheren Zinsen in seine Finanzierung eingebaut hat, würde natürlich lieber die Darlehen mit hoher Zinsbelastung schnell tilgen und das günstige Bauspardarlehen möglichst langsam. Das ist bei dieser Tarifwahl und Konstellation jedoch nicht möglich.

FMH-Fazit: Niedrigzinsdarlehen nur für wenige Bausparer geeignet.

Wer nur dieses eine Bauspardarlehen bedienen muss – beispielsweise für eine Modernisierungsmaßnahme – kann sich die hohe Tilgungsrate leisten und das Darlehen schnell abbezahlen. Für die meisten Bauherren dagegen ist die Rückzahlungsvorgabe unpassend.

Die große Masse ist mit diesem Angebot demnach falsch bedient. Deshalb könnte man fast meinen, die Niedrigzinstarife seien ein Marketing-Trick, mit dem Kunden gelockt werden – denn wer möchte nicht auch ein Darlehen für ein Prozent Zinsen – damit Ihnen der Bankberater dann ein anderes, passenderes, aber eben auch höher verzinste Produkt anbieten kann.