Sparen im EM-Fieber: Schießen Sie kein Eigentor!

Frankfurt 03.06.2012 –– Alle zwei Jahre wieder: Wenn bei EM oder WM das Leder rollt und die Herzen der Fans höher schlagen, wollen Banken und Versicherer vom Fußballfieber profitieren. So auch 2012: Pünktlich zur Europameisterschaft hübschen Allianz, Postbank & Co. Ihre Produkte mit Boni oder höheren Zinsen auf. Doch lohnen sich solche Angebote – oder schießen sich Sparer damit nicht doch ein Eigentor?

Ziemlich bescheiden nimmt sich der EM-Bonus von CosmosDirekt aus. Der Direktversicherer spendiert jedem, der bis zum 8. Juni ein Produkt aus der Reihe „Flexible Vorsorge“ abschließt, 25 Euro – und das händlergebunden für einen Einkauf bei Amazon. Falls die Deutsche Elf die Europameisterschaft gewinnt, gibt‘s zudem noch eine Flasche Champagner. Man fragt sich, was die Marketing-Abteilung da geritten hat …

Ein interessantes Angebot – auf den ersten Blick

Da bietet die genossenschaftliche PSD Bank Braunschweig mit Ihrem „PSD EM-DoppelPass“ auf den ersten Blick schon deutlich mehr. Wer bis zum 7. Juni mindestens 5.000 Euro anlegt, bekommt für die Hälfte des Geldes für ein Jahr garantiert 2,5 Prozent an Zinsen. Erreicht das deutsche Team das Halbfinale, werden es drei Prozent. Steht es im Finale, fließen sogar 3,5 Prozent – und bei einem Finalsieg zahlen die Braunschweiger satte vier Prozent Zinsen für ein Jahr.

Ausgabeaufschlag für Fonds refinanziert attraktive Zinsen der PSD Bank

Ein Top-Angebot also? Eher nicht, denn die andere Hälfte beim „EM-DoppelPass“ muss in einen Aktien-, Immobilien- oder Garantiefonds von Union Investment fließen. Abgesehen von den Risiken eines Investments, die nicht jedermanns Sache sind, fällt für den Fondskauf in der Regel ein Ausgabeaufschlag an, der im Schnitt vier Prozent beträgt und zu größten Teilen der vermittelnden Bank zugutekommt. Im Klartext: Kunden, die mit der PSD Bank Doppel-Pass spielen, finanzieren die Zinsen, die ihnen zufließen, durch den Ausgabeaufschlag selbst. Werden die Deutschen nicht Europa-Meister, zahlen sie sogar drauf – einträgliche Geschäfte sehen anders aus.

Postbank zahlt Bonus bei Eröffnung eines Girokontos

Mit ähnlichen Kopplungen wie die PSD Bank arbeitet die Postbank. Sie vertreibt unter dem Label „Konto mit Kick“ maximal 10.000 Girokonten für Gehaltsempfänger. Dabei kassieren Neukunden für die Kontoeröffnung auf jeden Fall 50 Euro. Kommt Deutschland ins Halbfinale, werden 100 Euro überwiesen; steht die Elf auf dem Siegerpodest, sind es sogar 200 Euro. Darüber hinaus ist das „exklusive Angebot zur Europameisterschaft“ identisch mit dem aktuellen Girokonto-Angebot der Postbank. So gibt es 2,5 Prozent Zinsen für Beträge bis zu 10.000 Euro, die – in Verbindung mit einem neu eröffneten Girokonto – auf dem Tagesgeldkonto angelegt werden, das online geführt werden muss. Aber: Liegt die Anlagesumme nur einen Cent oberhalb dieser 10.000 Euro, wird der gesamte Betrag mit lediglich 0,75 Prozent verzinst!

Allianz: Drei Prozent für sechs Monate bei Titelgewinn

Ohne Kopplung an andere Produkte kommt das „Geldmeisterkonto“ der Allianz Bank aus. Im Fall des Titelgewinns durch die deutsche Mannschaft verdoppelt sich der für sechs Monate garantierte Zins rückwirkend zur Kontoeröffnung auf drei Prozent – allerdings nur für Beträge bis zu 10.000 Euro. Darüber hinausgehende Beträge werden lediglich mit einem Prozent verzinst. Das Angebot ist bis zum 7. Juni gültig.

Der Markt hat bessere Angebote

Fazit: Die Kombi-Angebote von Postbank und PSD Bank Braunschweig eignen sich für Kunden, die ohnehin ein Girokonto bei der Postbank oder Fonds von Union Investment kaufen wollten. Alle anderen würden mit dem Abschluss ein finanzielles Eigentor schießen. Auch das „Geldmeisterkonto“ der Allianz Bank trifft nicht voll ins Schwarze. Denn wer für sein Tagesgeld für sechs Monate attraktive Zinsen sucht, kommt etwa bei Cortal Consors mit 2,6 Prozent auf seine Kosten – und das garantiert und für Beträge bis zu 50.000 Euro.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung