Erspartes mit Festgeld über die Zinsflaute retten

Frankfurt 02.10.2015 –– Sichere Geldanlagen mit hoher Flexibilität erwirtschaften inzwischen nicht mal mehr einen Inflationsausgleich. Wie Anleger jetzt gegensteuern – und was sie dabei beachten sollten.

Das Grauen geht weiter. Anders als von Sparern erhofft, zögert die US-amerikanische Notenbank (FED) weiterhin, die Leitzinsen auch nur minimal anzuheben. Aus der alten Welt kommen ebenfalls keine positiven Signale. Im Gegenteil. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat gerade erst verlauten lassen, dass sie den Ankauf von Staatsanleihen weiter ausweiten könnte, wenn es ihr notwendig erscheint. Damit ist klar: Die ersehnte Zinswende lässt weiter auf sich warten.

Sicherheitsbewussten Sparern bereitet das zunehmend Kummer. Die Erträge aufs Tagesgeld sind in den vergangenen vier Jahren fast kontinuierlich gesunken – von ohnehin schon mageren 1,83 Prozent auf derzeit 0,38 Prozent. Der Trend dürfte sich fortsetzen. Minuszinsen aufs Tagesgeld müssen Anleger zwar nicht befürchten. Noch mehr Anbieter werden aber wohl schon bald die Marke von 0,1Prozent unterschreiten.

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Besser sah es in den vergangenen vier Jahren beim Festgeld aus. Im September 2011 erzielten Sparer, die ihr Geld fest anlegten, im Durchschnitt 2,4 Prozent. Sie freuen sich heute über ihre Entscheidung: Selbst wer damals nur 10 000 Euro statt aufs Tages- aufs Festgeldkonto geschoben hat, erwirtschaftete in diesem Zeitraum statt 377 immerhin 995 Euro Zinsen.

Sicherheit und Rendite

Auch heute sind Festgeldkonten für Sicherheitsbewusste eine gute Option, allerdings mit etwas kürzeren Laufzeiten. Die ideale Anlagedauer sehen wir aktuell bei zwei bis drei Jahren. Momentan erhalten Sparer, die ihr Geld für drei Jahre festlegen 1,5 Prozent mit deutscher Einlagensicherung – wer nur 10.000 Euro übrig hat, bekommt sogar 1,75 Prozent.

Mit einer solchen Anlage lassen sich weitere Niedrigzinsphasen vergleichsweise unbeschadet überstehen. Abwarten und weiter auf steigende Zinsen zu hoffen, macht hingegen wenig Sinn.

Bleibt der Zinssatz beim Tagesgeld nur noch ein Jahr lang auf dem aktuellen Niveau, müssten die durchschnittlichen Renditen von 0,38 Prozent auf satte 2,10 Prozent für die restlichen zwei Jahre steigen, um die 1,50 Prozent Zinsen für eine dreijährige Festgeld-Anlage zu überbieten. Nur in dem – unwahrscheinlichen – Fall, dass man in einem Jahr für die restliche Anlagezeit von zwei Jahren 2,07 Prozent und mehr bekäme, wären flexiblere Anlageformen hier die bessere Wahl. Solche Zinssteigerungen sind momentan aber nicht zu erwarten.

Safety first

Wir haben in unseren Rechenbeispielen nur die Angebote mit deutscher Einlagensicherung betrachtet. Wer noch etwas Vertrauen in den Fortbestand und in den Zusammenhalt Europas hat, kann sein Geld jedoch auch über Vermittler bei europäischen Banken außerhalb Deutschlands anlegen. Bei einer tschechischen Bank lassen sich über den Vermittler Weltsparen für drei Jahre fest zwei Prozent Zinsen erwirtschaften. Abgewickelt wird alles in Euro, obwohl die Bank nicht im Euro-Verbund vertreten ist. Die Alternative – das Tagesgeldkonto – wird im Vergleich mit dieser Art der Geldanlage noch unattraktiver: Um nach drei Jahren die gleiche Rendite zu erwirtschaften, müssten die Zinsen binnen zwölf Monaten auf 2,83 Prozent steigen – ein mehr als unrealistisches Szenario.

Wer sein Geld lieber direkt in Deutschland anlegt, dabei aber auf ein russisches Kreditinstitut mit österreichischer Banklizenz setzt, bekommt bei der Sberbank immerhin 1,90 Prozent. Bedenken im Hinblick auf die Einlagensicherung sind unbegründet: Anders als oft befürchtet richtet sich diese nämlich nicht nach dem Heimatland der Bank, sondern folgt dem Recht jenes Landes, das die Banklizenz erteilt hat. Bei der Sberbank, Denizbank und auch bei der VTB Direktbank ist dies die österreichische Einlagensicherung.

Fazit: Sparen ist nach wie vor eine recht frustrierende Angelegenheit. Wer die Angebote verschiedener Banken vergleicht und einen gewissen Aufwand nicht scheut, muss sich aber nicht mit Minizinsen von 0,01 bis 0,1 Prozent zufrieden geben. Festgeldkonten sind dafür ein gutes Mittel. Allerdings sollten Sparer wegen der fehlenden Flexibilität dieser Anlageform nie ihr gesamtes Erspartes fest anlegen, sondern darauf achten, einen gewissen Betrag kurzfristig verfügbar zu haben.