Sparbriefe und Festgeld

Frankfurt 29.06.2014 –– Im Windschatten der EZB-Entscheidung haben viele Banken ihre Zinsen gesenkt. Doch wer jetzt erwartet, dass ausschließlich die Tagesgeldzinsen zurückgehen, irrt. Vor allem längerfristige Anlagen sind betroffen – ein Erklärungsversuch.

27 Zinssenkungen, eine Erhöhung: So sieht die Bilanz bei den Sparbriefen seit der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 0,1 Prozentpunkte aus. Offenbar haben etliche Geldinstitute den Rückenwind durch die Notenbank genutzt, um ihre Zinsen um bis zu 0,4 Prozentpunkte nach unten anzupassen. So zahlt die Targobank für den vierjährigen Sparbrief fortan nur noch 1,1 statt 1,5 Prozent. Aus der Reihe tanzt indes die estnische Bigbank, die für den dreijährigen Sparbrief jetzt 2,2 statt 2 Prozent überweist.

Bigbank tanzt gehörig aus der Reihe

Beim einjährigen Festgeld bietet sich ein ähnliches Bild: 24 Banken haben ihre Zinsen um bis zu 0,35 Prozentpunkte gesenkt. So überweist etwa pbbdirekt Sparern nach einem Jahr 1,0 statt bislang 1,35 Prozent; sogar 1822direkt hat ihre 0,2 Prozent für 12 Monate Festgeld auf homöopathische 0,1 Prozent gesenkt und trägt damit die rote Laterne. Einen Kontrapunkt setzt erneut die Bigbank, die ihren Zinssatz sehr deutlich von 1 auf 1,45 Prozent anhebt.

Tagesgeld sinkt um bis zu 0,7 Prozentpunkte

Beim Tagesgeld haben 23 Banken die Zinsen um bis zu 0,7 Prozentpunkte reduziert, aber keine hat sie erhöht. CosmosDirekt zahlt für 50.000 Euro Tagesgeld statt 1,2 nur noch 0,5 Prozent. Diese Veränderungen sind wohl auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass Platzhirsch ING-DiBa Bestandskunden den Zinshahn ein Stück weit zudreht – statt bisher ein Prozent erhalten diese fortan 0,8 Prozent Zinsen. Da dürfte es etwa der Akbank leicht gefallen sein, die Tagesgeldzinsen von 1,1 auf 1,0 Prozent zu verringern.

Banken kommen ultragünstig und langfristig an Geld

Durch die Zinssenkungen hat sich der FMH-Index für Tagesgeld um 0,02 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent reduziert, jener für Festgeld für 12 Monate um 0,03 Punkte auf 0,7 Prozent, und der FMH-Index für fünfjährige Sparbriefe um 0,06 Punkte auf 1,42 Prozent. Dass vor allem die langfristigen Anlagezinsen unter Druck kommen, hat vermutlich mehrere Gründe. Zum einen hat die EZB neben der Zinssenkung eine Reihe weiterer Maßnahmen beschlossen – unter anderem können sich Banken, wenn sie einen Teil des Geldes als Kredit ausreichen, zu ultragünstigen Konditionen langfristig Geld von der Notenbank leihen. Durch diese erneute, diesmal zum Teil zweckgebundene Finanzierung, sind sie weniger auf Einlagen von Kunden angewiesen.

Deflations-Debatte: Langfrist-Anlagen sind gefragt

Zum anderen ist bei den Sparern angesichts der Diskussion um eine drohende Deflation vermutlich der Eindruck entstanden, dass eine Geldentwertung derzeit nicht die größte Gefahr darstellt. Wenn aber eher sinkende als steigende Zinsen bevorstehen, ist es vernünftig, sich die aktuellen Konditionen für längere Zeit zu sichern. Diese höhere Nachfrage nach Sparbriefen und Festgeld würde ebenfalls erklären, warum die Banken vorrangig die langfristigen Zinsen senken.

Leitzinssenkung ist nicht der Hauptgrund

Fazit: Etliche Banken haben die jüngste Zinssenkung der EZB genutzt, um insbesondere ihre langfristigen Zinsen zu verringern. Auch wenn die Banken vielleicht gerne den Eindruck erwecken würden, dass diese Senkungen dem niedrigeren Leitzins geschuldet sind, spricht doch einiges für dafür, dass eher die üppige Liquiditätsversorgung und die steigende Nachfrage der Sparer hinter der jüngsten Zinssenkungswelle stehen.