Inflation: Langfrist-Anlagen machen klar das Rennen

Frankfurt 22.10.2012 –– Ob Bank- oder Staatsrettung – ohne die Europäische Zentralbank (EZB) läuft derzeit nichts. Um den Bestand der Euro-Zone zu sichern, hat die EZB die Zentralbank-Geldmenge drastisch erhöht. Etliche Experten befürchten nun einen Anstieg der Inflation und raten zu Tagesgeld. Ihr Kalkül: So bleiben Anleger flexibel und können sich nach dem erwarteten Zinsanstieg für längere Zeit binden. Ob die Rechnung aufgeht, ist aber mehr als fraglich.

Beim Tagesgeld gibt es ein spezifisches Problem: Da sich die Zinsen täglich ändern können, weiß man erst später, wie erfolgreich die Geldanlage im Vergleich zu anderen Alternativen war. Ob sie sich wirklich rentiert hat, hängt ab von der Entwicklung der Zinsen, aber auch vom Auf und Ab der Inflationsrate. Der tatsächliche Wertzuwachs ist erst ersichtlich,, nachdem die Geldentwertung und die Steuer von den Zinsen abgezogen wurde. In anderen Worten: Erst jetzt stellt sich heraus, ob man sich mit dem Geld mehr leisten kann als vorher.

Ernüchterung beim Tagesgeld

Schaut man unter diesem Blickwinkel auf die Zeit seit 2008, ist die Ausbeute für Tagesgeld-Sparer ernüchternd. Es wurde immer wieder empfohlen, wegen der „kommenden Inflation“ auf Tagesgeld zu setzen. Im Nachhinein betrachtet, war diese Empfehlung falsch. So lag der reale Wertzuwachs (Zinsertrag minus Inflationsrate) vor Steuern für die Tagesgeld-Angebote im FMH-IndeX in der Spanne von 2,2 bis minus 1,2 Prozent.

Mickrige Realrendite von 0,25 Prozent

Tagesgeld-Sparer, die nicht konsequent das beste Angebot nutzen, verlieren seit Herbst 2010 an Kaufkraft. Laut unserem repräsentativen FMH-IndeX verringert sich der reale Wert des Geldes aktuell um 0,85 Prozent – die Sparer werden also sukzessive enteignet. Bezieht man die Tagesgeldzinsen der schlecht zahlenden Genossenschaftsbanken und Sparkassen mit ein, wie dies laut Bundesbankstatistik der Fall ist, dann liegt der reale Wertverlust schon bei 1,32 Prozent. Fazit für alle, die seit Ende September 2008 auf den Tagesgeld-Tipp setzten: Sie haben mit dieser Strategie aus 10.000 Euro im Durchschnitt einen Zugewinn von lediglich 293 Euro erzielt. Real, also nach Abzug der Inflation, entspricht dies einer Kaufkraft von 10.087 Euro und damit einer mickrigen Realrendite von 0,22 Prozent.

Sparbrief brachte drei Prozent Realrendite

Weit besser erging es Sparern, die ihr Geld für längere Zeit festgelegt hatten. So zeigen die Auswertungen: Wer im September 2008 für 10.000 Euro einen laut FMH-IndeX durchschnittlichen vierjährigen Sparbrief mit einem Nominalzins von 4,44 Prozent kaufte, freute sich vor Kurzem über eine tatsächliche Kaufkraft von 11.270 Euro, was einer realen Rendite von 3,03 Prozent entspricht – der Zinsertrag ist also bereits um die Inflation reduziert. Wer damals den Sparbrief-Vergleich der FMH-Finanzberatung nutzte, konnte sogar den Top-Anbieter mit garantierten 5,7 Prozent finden.

Kaufkrafterhalt geht nur mit Top-Banken

Was bedeutet das aktuell für Sparer? Einen Werterhalt erzielt man im Tagesgeld nur noch mit den besten Angeboten. Zur Zeit finden sich in der FMH-Liste noch 13 Tagesgeldangebote mit zwei Prozent Zinsen und mehr. Ende Juni lagen noch 28 Angebote oberhalb der Inflationsrate – aber nur vor Steuern! Die Konsequenz kann daher nur sein: Sparer sollten einen (guten) Teil ihres Geldes für längere Zeit festlegen, um damit höhere Zinsen zu erwirtschaften und ihre Kaufkraft zu sichern. So zahlen die besten Anbieter von Sparbriefen derzeit jährliche Zinsen von 2,55 Prozent für zwei Jahre Laufzeit und von 3,3 Prozent für vierjährige Sparbriefe. Auf diese Weise bringt das investierte Geld immerhin eine Realrendite von 0,55 Prozent und 1,3 Prozent vor Steuern.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung