Anlagesicherheit über Alles?

Frankfurt 17.04.2015 –– Schließen sich Sicherheit und Rendite in der Geldanlage zwangs­läufig aus? Die Antwort lautet: Jein. Wirklich attraktive Erträge gibt es derzeit zwar nicht ohne Risiko. Negativzinsen müssen aber auch konservative Anleger nicht hinnehmen.

Selten war die deutsche Bundesanleihe so begehrt wie heute. Anleger aus aller Welt schätzen ihre Sicherheit – und lassen sich das einiges kosten. Die Rendite bis zu einer Laufzeit von acht Jahren ist momentan negativ; für eine zehnjährige Bundesanleihe mussten sich Anleger Mitte April mit etwa 0,15 Prozent begnügen.

Warum sie sich das antun?

Die einen wollen Anlagesicherheit. Andere, zum Beispiel Versicherungen und Pensionsfonds, sind sogar verpflichtet, überwiegend in absolut sichere Anlageformen zu investieren – und davon gibt es weltweit nicht mehr besonders viele.
Befördert wird die Bereitschaft, Negativzinsen in Kauf zu nehmen zudem durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie flutet die Märkte geradezu mit Geld und drückt das Zinsniveau in der Euro-Zone zusätzlich.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Das Zynische an dieser Entwicklung: Je mehr darüber berichtet wird, dass Anlagesicherheit und Rendite sich nicht vereinbaren lassen, desto leichter haben es die Banken, wenn sie die Zinsen noch weiter senken wollen. Dennoch betonen selbst Verbraucherschützer immer wieder: Wem sein Geld lieb ist, der muss in Angebote mit erweiterter deutscher Anlagesicherheit investieren – und die bringen derzeit nun einmal nicht mehr als 0,01 bis ein Prozent.

Diese Herangehensweise wirkt einerseits sehr angstgetrieben. Andererseits lassen sich die Bedenken der Mahner nicht vollständig von der Hand weisen. So hat zum Beispiel der österreichische Staat gerade angekündigt, er wolle für seine Banken künftig keine Garantien mehr abgeben. Das erstaunt manchen, ist aber in Deutschland eigentlich schon immer der Fall: Die EU schreibt nur vor, dass die Mitgliedsstaaten dafür sorgen müssen, dass Anlagebeträge bis 100.000 Euro abgesichert sind. Und zwar von den Banken, nicht vom Staat.

Die EU-Länder haben daher eine mehr oder weniger staatliche beziehungsweise private Vorsorgeeinrichtung vorgesehen. Was die am Ende tatsächlich wert ist, mussten sie allerdings noch nie ernsthaft unter Beweis stellen. Zum Glück. Das Ergebnis wäre wohl fatal.

Schlechter als ihr Ruf

Kaum ein Marktbeobachter glaubt, dass die Sparkassen einen größeren Konkurs einer Sparkasse oder Landesbank überstehen würden. Eine Blaupause dürfte insofern der Fall der West-LB sein: Auch hier zahlten am Ende die Steuerzahler die Zeche und nicht die Sparkassen als Eigentümer der Landesbanken.

Ähnlich prekär ist die Lage beim Sicherungsfonds der privaten deutschen Banken. Dass er einen größeren Crash bedienen könnte, darf bezweifelt werden. Nur stört sich daran niemand. Man weiß ja, dass der deutsche Staat das Geld notfalls zu- bzw. vorschießen würde.

Versöhnlicher Kompromiss

Bleibt die Frage nach Alternativen. Höhere Risiken – aber auch bessere Renditen – als konservative Geldanlagen bieten oft Aktien und Aktienfonds. Wie lange die Rallye an den Börsen noch weitergeht weiß allerdings niemand. Die Gefahr immenser Verluste ist real. Wir von der FMH vermeiden bewusst Aussagen zu Aktienfonds oder dergleichen, weil wir uns ausschließlich auf Zinsinformationen konzentrieren. Mit Tages- oder Festgeld lassen sich zwar derzeit keine Traumrenditen erwirtschaften. Auf dem europäischen Markt gibt es aber selbst in der momentanen Lage vertrauenswürdige Angebote bei denen die Zinsen mehr als ein Prozent betragen.

Tipp: Ziel der Anlage sollte es stets sein, Inflationsrate plus Abgeltungssteuer von der Rendite zu decken. Eine Risikoanlage ist dafür nicht erforderlich – abgesehen davon, dass es eine solche gar nicht in unsere Zinsvergleichen schaffen würde. Wir lehnen auch jede Geldanlage in Fremdwährung ab. Bei den ausländischen Banken in unserem Vergleich ist deshalb auf der Infoseite auch vermerkt, wenn die Rückzahlung im Insolvenzfall in der Landeswährung erfolgen würde.