Anlagestrategie

Frankfurt 22.09.2014 –– Nach der jüngsten Leitzins-Senkung der europäischen Zentralbank ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Banken die Anlagezinsen ebenfalls nach unten korrigieren. Sicherheitsbewusste Sparer müssen jetzt reagieren – sonst droht ein Minusgeschäft. Was beim Wechsel von Bank und Anlageform zu beachten ist.

Eigentlich sind deutsche Sparer an Kummer gewöhnt: Die Zinsen sind seit Jahren im Keller, im Schnitt gibt es auf Tages- und Festgeldkonten nur noch etwas mehr als ein halbes Prozent pro Jahr. Doch schlimmer geht immer. Gerade hat die Europäische Zentralbank den Leitzins ein weiteres Mal herabgesetzt. Er liegt nun bei historisch niedrigen 0,05 Prozent: eine regelrechte Einladung an die Banken, die Anlagezinsen für die Kunden ebenfalls noch einmal zu drücken.

Viele Kreditinstitute werden diese Einladung gerne annehmen – auch jene, deren Renditen ohnehin schon im unteren Teil der Niedrig-Skala angesiedelt sind. In der FMH-Liste sind dies überwiegend Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Sie sitzen auf historisch hohen Anlagebeständen, brauchen also kein neues Geld von ihren Kunden. Und weil diese erfahrungsgemäß auch noch sehr treu sind, geht der Anreiz, attraktive Renditen zu bieten, gen Null. „Unsere Kunden wechseln ohnehin nicht“, heißt es bei vielen Instituten hinter vorgehaltener Hand. „Warum also sollten wir uns das Geschäft verderben, und mehr Zinsen zahlen, als notwendig?“

Jenseits der Grenzen gibt’s noch Zinsen

Aus Sicht der Banken ist diese Einstellung durchaus nachvollziehbar. Sparer sollten ihnen aber schon im eigenen Interesse einen Strich durch die Rechnung machen und aktiv gegensteuern. Denn obwohl die Inflationsrate im Jahr 2014 mit 1,04 Prozent bislang vergleichsweise niedrig ist, verlieren Anleger, die sich mit den aktuellen Mini-Zinsen bescheiden, Monat für Monat an Vermögen.

Um die Inflationsrate mit risikolosen Geldanlagen zu schlagen, müssen Anleger jedoch bereit sein, zumindest einen Teil des Ersparten für längere Zeit anzulegen – und sie müssen zu einer Bank wechseln, die im aktuellen Marktumfeld vergleichsweise attraktive Konditionen vorhält.

Der Spitzenreiter, die bulgarische Fibank, bietet derzeit bis zu 2,5 Prozent Zinsen pro Jahr. Allerdings müssen dafür mindestens 10.000 Euro ein Jahr lang fest angelegt werden. Wer für den gleichen Zeitraum wenigstens 5000 Euro auf einem Festgeldkonto parkt, fährt mit der russischen Denizbank (Einlagensicherung in Österreich) am besten. Sie bietet für diesen Zeitraum 1,5 Prozent (Stand: jeweils 15. 09.)

Sicherheit hat Vorrang

Grundsätzlich sollten Sparer bei Anlagen im Ausland maximal 100.000 Euro anlegen – inklusive der Zinsgutschriften. Nur dieser Wert ist innerhalb der EU gesetzlich abgesichert. Doch kann man sich auf das EU-System wirklich verlassen? Oder fühlt man sich in Deutschland mit der bekannten und vertrauten Einlagensicherung wohler? Dieses Wohlfühlen kann mehr wert sein als der höhere Zins Vergleiche können helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Einen Überblick zur Einlagensicherung finden Sie hier: www.fmh.de/sicherheit

Wer sein gesamtes Erspartes auf einem Festgeldkonto anlegt, geht aber noch aus einem anderen Grund ein Risiko ein. Ohne einen jederzeit verfügbaren Notgroschen besteht die Gefahr, unerwartete Ausgaben nicht mehr stemmen zu können. Wer dann sein Konto überziehen muss, konterkariert seine Sparbemühungen. Denn im Gegensatz zu den Anlage- sind die Dispozinsen der Banken noch immer happig. Sie können laut Finanztest immer noch bis zu 14 Prozent erreichen. Tipp: Eine gewisse mobile Geldreserve sollte also auch weiterhin auf dem Tagesgeld- oder Girokonto bleiben – auch wenn die Erträge dort kaum noch messbar sind.