Frankfurt 11.07.2013 –– Jetzt hat es auch die Europäische Zentralbank getan: Die EZB hat Anfang Juli zum ersten Mal dargelegt, wie sich die Leitzinsen über längere Zeit entwickeln werden. Der Ausblick verheißt für Sparer nichts Gutes, denn die Notenbank will den Leitzins auf Sicht von mindestens einem Jahr auf dem Niveau von 0,5 Prozent belassen oder sogar noch weiter senken. Kommt es zu einer erneuten Zinssenkung von 0,25 Prozent, müssen Anleger in Deutschland mit Mindereinnahmen in Milliardenhöhe rechnen.

Mit der Entscheidung, den Märkten eine längerfristige Orientierung in Sachen Leitzinsen zu geben, betritt nun auch die Notenbank der Euro-Zone Neuland. Zuvor haben schon die amerikanische Federal Reserve wie auch die Bank of Japan den Märkten signalisiert, auf welchem Niveau sich die Leitzinsen in ihren Ländern auf mittelfristige Sicht bewegen werden. EZB-Präsident Mario Draghi koppelte die Festlegung auf weiterhin niedrige Zinsen an drei Faktoren: gedämpfte Inflation, schwache Realwirtschaft und zurückhaltende Kreditvergabe der Banken. Alle drei Bedingungen sind derzeit gegeben und Anzeichen für eine Änderung nicht zu erkennen.

1,491 Billionen Euro sind bei Banken angelegt

Für Sparer in Deutschland verbinden sich mit diesem Ausblick schlechte Nachrichten. Laut dem Monatsbericht der Deutschen Bundesbank von Juni 2013 sind bei Geldinstituten mit deutscher Banklizenz derzeit 1,491 Billionen Euro angelegt. Der Löwenanteil in Höhe von 1,398 Billionen Euro liegt auf Tagesgeldkonten sowie auf Sparbüchern, bei denen eine Änderung des Leitzinses in aller Regel sehr schnell auf die Zinshöhe durchschlägt. Eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte, die im Bankensystem komplett weitergegeben wird, würde für die Sparer zu Mindereinnahmen von insgesamt 3,729 Milliarden Euro im Jahr führen – pro Monat wären dies rund 311 Millionen Euro.

Weit weniger Entlastung bei variablen Krediten

Weit weniger Entlastung wäre in diesem Fall auf der Kreditseite zu erwarten. Laut Bundesbank beträgt das Volumen der vergebenen Kredite mit variablen Zinsen knapp 78,2 Milliarden Euro. Eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte, falls diese von den Banken vollständig weitergereicht würde, bedeutete für die Kreditnehmer, dass sie im Jahr knapp 195,5 Millionen Euro weniger zahlen müssten. Bereits ausgegebene Hypothekendarlehen mit fester Zinsbindung wären von einer Zinssenkung der EZB nicht betroffen.

Kombi-Strategie setzt auf Fest- und Tagesgeld

Sparer reagieren am besten mit zwei Strategien auf diese trüben Aussichten. Zum einen können sie Geld, das auf Sicht von ein bis drei Jahren nicht benötigt wird, als Festgeld bei einer oder mehreren der Top-Banken anlegen und sich so attraktive Konditionen sichern . Zum anderen sollten sie beim Tagesgeld auf Banken setzen, die im oberen Drittel oder Viertel unseres Tagesgeld-Vergleichs rangieren . Wer beide Strategien kombiniert, hat gute Chancen, dass er selbst bei einer weiteren Zinssenkung der EZB die Inflationsrate schlägt.

Autor: FMH-Finanzberatung