Auszahlpläne in der Niedrigzins-Ära

Frankfurt 14.08.2015 –– Wer sich mit einer Zusatzrente den Ruhestand versüßen will, kann mit einem Auszahlplan einer Bank gut beraten sein. Doch angesichts der Minizinsen sollte man mit dem Abschluss noch warten. Welche Alternativen sich zur Überbrückung eignen.

Fast regelmäßige Nachfragen bei der FMH-Finanzberatung zeigen, dass sich etliche Sparer für Auszahlpläne interessieren. Wer einen solchen Plan abschließt, überweist einen meist fünf- oder sechsstelligen Betrag an eine Bank oder auch Bausparkasse, die diesen verzinst und über mehrere Jahre hinweg Monat für Monat einen gewisse Summe an den Sparer auszahlt. Üblicherweise wird die Auszahlrate so gewählt, dass der Kontostand am Ende des Zeitraums null erreicht. In selteneren Fällen kann das Kapital des Anlegers bewahrt werden, indem die Bank nur die Zinsen auszahlt – in diesem Fall könnte ein ausschüttender Sparbrief oder Festgeld eine Alternative zum Auswahlplan sein. Wichtig: Die einmal vereinbarten Zinsen sind für die Dauer der gesamten Laufzeit fix.

Sinnvoll fürs Studium oder im Ruhestand

Auszahlpläne mit langen Laufzeiten eignen sich etwa für Sparer, bei denen eine Kapitallebensversicherung fällig wird und die sich nicht erneut um die Anlage des Geldes kümmern wollen. Auch für Eltern oder Großeltern, die ihre Kinder bzw. Enkel bei der Finanzierung des Studiums unterstützen wollen, kann ein solches Modell das Mittel der Wahl sein. Ihre Dauer reicht von minimal 5 bis maximal 30 Jahre, wobei sich viele Banken auf 5 und 10 Jahre Laufzeit beschränken, wie wir in einer Umfrage ermittelt haben.

0,35 Prozent – oder: Die Bank spart sich die Rendite

Die Crux bei diesen Plänen: Wer aktuell anlegt, tut dies für lange Zeit in einer absoluten Niedrigzinsphase, was nicht im Sinne der Sparer sein kann. Einen nicht gerade glücklichen Namen hat die Stadtsparkasse Düsseldorf für ihr Angebot über 10 Jahre mit Kapitalverzehr gewählt: Diesen Auszahlplan mit mikroskopischen 0,35 Prozent im Jahr „Rendite-Sparen“ zu nennen, erschließt sich wohl nur über Ironie – im Sinne von: „Hier spart die Bank sich die Rendite“. Schließlich bietet selbst die Bundesrepublik Deutschland als sicherster Schuldner im Lande für diese Laufzeit aktuell gut 0,6 Prozent Rendite.

Schon Zinsen über ein Prozent stechen hervor

Gleichwohl stehen die Düsseldorfer nicht als Einzige auf der Zinsbremse: Vor allem Sparda-Banken, aber auch einige PSD-Banken wetteifern um die vorderen Plätze bei der Kür der knauserigsten Bank. Kein Wunder, dass bereits Zinsen oberhalb von ein Prozent bei der Kombination „Laufzeit von zehn Jahren und Kapitalverzehr“ positiv hervorstechen. Damit können etwa die IKB Deutsche Industriebank (1,65 Prozent für „Auszahlplan“), Santander Bank (1,322 Prozent für „Auszahlplan“) oder die Degussa Bank (1,2 Prozent für „Rentenplan“) aufwarten. Spitzenreiter in diesem Fall ist die VTB Direktbank, die der österreichischen Einlagensicherung angehört: Sie bietet mit ihrem „VTB Auszahlplan“ 1,9 Prozent im Jahr – doch selbst dies verdient bei einem solchen Anlagezeitraum keine uneingeschränkte Empfehlung.

Lösung: Festgeld und Tagesgeld kombinieren

Unser Rat ist es, einen anderen Weg einzuschlagen: Je nach individuellem Bedarf sollten Sparer den Großteil des Geldes – vielleicht 90 Prozent – passend verteilt für ein, zwei und drei Jahre festlegen und den Rest für den Bedarf im ersten Jahr auf einem Tagesgeldkonto parken. Für das Festgeld gibt es bei Banken, die der deutschen Einlagensicherung angehören, je nach Laufzeit 1,1 und 1,3 sowie 1,5 Prozent im Jahr. Beim Tagesgeld garantiert die französische ConsorsbankConsorsbank 1,0 Prozent für ein Jahr, sofern maximal 25.000 Euro angelegt werden.

Fazit: Wer als Sparer Fest- und Tagesgeld kombiniert, fährt nicht nur besser als mit den allermeisten Auszahlplänen. Er bewahrt sich auch die Chance, dann einen längerfristigen Auswahlplan abzuschließen, wenn die Zinsen (spürbar) höher sind als derzeit. Dass dies nicht mehr zehn Jahre und noch länger dauert, zeigt die amerikanische Notenbank: Sie wird demnächst den Leitzins erhöhen, die EZB dürfte höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren folgen.