EZB: Anlagezinsen bröckeln

Frankfurt 11.11.2013 –– Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins unerwartet frühzeitig von 0,5 auf 0,25 Prozent gesenkt. Nun dürften auch die Anlagezinsen weiter abbröckeln. Lesen Sie, wo und wie sich Sparer jetzt noch Top-Zinsen sichern können.

Die Ökonomenzunft ist von der Zinssenkung auf dem falschen Fuß erwischt worden: Lediglich drei von 70 befragten Experten hatten laut F.A.Z. schon im November mit einem geringeren Leitzins gerechnet – obgleich die offizielle Teuerungsrate im Euro-Raum mit 0,7 Prozent auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren gefallen war. Damit liegt die Inflationsrate deutlich unter dem von der Notenbank angestrebten Ziel von zwei Prozent.

Zweite Zinssenkung in diesem Jahr

Mit der insgesamt zweiten Senkung in diesem Jahr hat die Europäische Zentralbank den Leitzins von 0,75 Prozent auf 0,25 Prozent heruntergeschleust. Damit kommen die Banken im Euro-Raum noch günstiger an Geld der Notenbank, was den Anreiz für sie senken dürfte, es für deutlich höhere Zinsen bei den Kunden einzuwerben. Folge: Die Sparzinsen – vom Tagesgeld bis zum längerfristigen Sparbrief – dürften weiter abbröckeln.

Deutsche Sparer schauen am tiefsten in die Röhre

Für Sparer zwischen Kiel und Garmisch-Partenkirchen ist dies ärgerlicher als für Bürger in anderen Ländern der Eurozone. Denn in Deutschland bewegte sich die Inflationsrate im Oktober mit 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat nicht nur auf einem höheren Niveau als in der Währungsunion. Auch die Sparzinsen, die Banken hierzulande zahlen, sind im Schnitt geringer als etwa in Spanien oder Italien. Umso dringlicher stellt sich die Frage: Wie und wo kann ich mir jetzt auf Dauer attraktive Zinsen sichern?

Bröckelnde Zinsen sind wahrscheinlich

Wer Geld übrig hat, das er nicht als Notgroschen benötigt, ist gut beraten, bei Festgeld eine Laufzeit von zwei oder drei Jahren zu wählen. Die Spitzensätze bewegen sich zwischen 1,8 und 2,1 Prozent, sodass damit auch nach Steuern ein Inflationsausgleich möglich ist. Der Notgroschen, der als Tagesgeld gehalten werden sollte, bringt derzeit maximal 1,5 Prozent. Wer also 10.000 Euro hälftig auf Tages- und Festgeld verteilt, bekommt damit höchstens einen Durchschnittszins von 1,8 Prozent. Die Crux dabei: Die Zinsen fürs Tagesgeld können jederzeit sinken – und mit der Zinssenkung der EZB ist genau das wahrscheinlicher geworden.

NIBC Direct punktet mit hohen Zinsen und viel Flexibilität

Um diesem Problem zu entgehen, können Sparer sogenannte Kombiangebote nutzen, mit denen etwa die niederländische NIBC Direct oder die in Österreich lizenzierte VTB Direktbank werben. Das „Kombigeld“ der Niederländer wird bei einer Laufzeit von drei Jahren mit 1,85 Prozent verzinst, wobei der Kontobesitzer jederzeit auf bis zur Hälfte des Geldes zurückgreifen kann. Faktisch hat der Sparer ein Fest- sowie ein Tagesgeldkonto, die jeweils 1,85 Prozent bringen – und das garantiert für die Dauer von drei Jahren. Einen solch hohen Durchschnittszins bekommen Sparer bei dieser Geldverteilung auf Tages- und Festgeld derzeit nirgends. Allerdings können einmal entnommene Beträge nicht erneut zu gleichen Bedingungen angelegt werden.

VTB Direktbank: Spitzenreiter bei drei Jahren Laufzeit

Nicht ganz so beweglich, aber durchaus interessant ist das sogenannte VTB Duo. Bei einer Laufzeit von drei Jahren zahlt die Bank dafür einen Zins von 2,0 Prozent, wobei der Sparer jederzeit bis zu 20 Prozent abheben kann. Damit schneidet das VTB Duo besser ab als alle vergleichbaren Kombinationen mit 80 Prozent Festgeld und 20 Prozent Tagesgeld. Das Angebot eignet sich angesichts dieser Verteilung vor allem, wenn man größere Beträge anlegt oder in den nächsten Jahren voraussichtlich nur ein kleinerer Teil des Geldes benötigt wird.