Geldanlage nach Brexit

Frankfurt 29.06.2016 –– Hilfe, ich habe ein Konto bei einer britischen Bank – was muss ich jetzt tun? Diese Frage stellen sich nach dem Brexit deutsche Anleger, die bei Barclays & Co. Geld liegen haben. Unser Rat: Stay cool – oder: Bleiben Sie gelassen!

Barclays, Bank of Scotland, Close Brothers Limited oder FirstSave €uro: Es gibt etliche britische Banken, die dank attraktiver Zinsen in den vergangenen Jahren Kunden gewonnen haben – auch über die FMH-Finanzberatung. Nach dem Brexit fragen sich nun viele Anleger mit Konten auf den britischen Inseln: Welche Folgen hat das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union für mich und mein Geld?

Unsere Meinung: Trotz der aktuellen Unsicherheit können diese Sparer gelassen bleiben, denn nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Auch nach der Herabstufung durch drei Rating-Agenturen gehört Großbritannien weltweit zu den größten und leistungsfähigsten Volkswirtschaften – und die Briten werden bestrebt sein, der Welt zu zeigen, dass sie ohne die EU gut zurechtkommen. Das Geld der Sparer dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach ebenso sicher angelegt sein wie vor dem Brexit – ein Grund für schlaflose Nächte besteht damit nicht.

Kein Misstrauen: Britische Staatsanleihen legen deutlich zu

Das zeigt sich auch an den Finanzmärkten: Denn in den Tagen nach dem unerwarteten Austritt der Briten schossen nicht nur die Kurse deutscher und amerikanischer Staatsanleihen nach oben. Auch die Schuldenpapiere des britischen Staates, insbesondere jene mit langer Laufzeit, wurden stark nachgefragt. Das bedeutet: Trotz der Herabstufung durch die Agenturen sind viele Teilnehmer am Finanzmarkt bereit, London auch dann dauerhaft Geld zu leihen, wenn sie weniger dafür bekommen als in den Wochen zuvor. Ein Misstrauensvotum gegenüber der Finanzkraft eines Landes sieht anders aus. Natürlich kann sich diese Situation ändern, doch es ist zu erwarten, dass Tages- oder Festgeldkonten in Großbritannien nicht weniger sicher sein werden als in Norwegen, einem weiteren Nicht-EU-Land.

Selbst wenn die Zinsen für britische Staatsanleihen in Zukunft steigen – womöglich dank einer anziehenden Inflation auf der Insel, die manche Ökonomen bereits sehen –, so werden auch die britischen Banken ihre Zinsen erhöhen müssen. Anleger aus Deutschland könnten davon sogar profitieren, sofern der Zuwachs bei den Zinsen nicht durch Währungsverluste aufgefressen wird oder indem sie Euro-Konten nutzen, die kein Wechselkurs-Risiko aufweisen. Wir gehen davon aus, dass sich die britischen Banken mit Niederlassungen in Deutschland bzw. in der EU bald neu aufstellen und ihren Kunden entsprechende Angebote machen werden.

Steuerlich ändert sich erstmal nichts

Auch von steuerlicher Seite ist vorerst nichts zu befürchten. Dieses Thema ist essenziell und wird bei den sicher langwierigen Austrittsverhandlungen ausführlich behandelt werden – von daher werden eventuelle Änderungen länger auf sich warten lassen. Bislang wird in Großbritannien keine Quellensteuer erhoben; auch wird keine Steuer an das deutsche Finanzamt weitergeleitet (Abgeltungssteuer). Anleger sind damit verpflichtet, Zinseinkünfte von britischen Konten in ihrer jährlichen Steuererklärung anzugeben. Wer über weltsparen.de Festgeld angelegt hat, wird über diese rechtlichen Gegebenheiten nach Fälligkeit des Festgeldes informiert.

Jetzt sinken die Zinsen in Deutschland nochmals

Der Brexit betrifft aber nicht nur Anleger mit Konten auf der Insel, sondern auch Sparer in Deutschland. Denn die Kurseinbrüche am Aktienmarkt und die Flucht aus dem Risiko führen zu einer höheren Nachfrage nach sicheren Anlagen wie der zehnjährigen Bundesanleihe, die jetzt eine noch größere Negativrendite aufweist. Das heißt: Anleger bekommen nach dieser Laufzeit weniger zurück, als sie eingezahlt haben! Für die Tages- und Festgeldzinsen in Deutschland wird dies nicht ohne Folgen bleiben – hier sind erneute Tiefstände zu erwarten. Aber das heißt nicht, dass man sich mit Null-Zinsen begnügen muss – es gibt immer noch und immer wieder Angebote mit ansehnlichen Renditen, vor allem wenn man die geringe Inflationsrate berücksichtigt.

Fazit: Für den Endkunden mit Geldanlagen bei britischen Banken wird sich von heute auf morgen nichts verändern – mittel- und längerfristig aber schon. Wer sich auf dem Finanzmarkt umschaut, hat jedoch immer wieder die Möglichkeit zu wechseln. Daher werden wir die britischen Banken in unseren Zinsvergleichen weiterhin listen und Änderungen auf der Info-Seite zur jeweiligen Bank vermerken.