Inflation: Niedriger als gedacht

Frankfurt 09.12.2013 –– Wenn Notenbanken massiv Geld in die Banken pumpen, führt das zwangsläufig zu starker Geldentwertung – so liest man es oft. Doch selbst Abermilliarden Dollar und Euro haben die Preise kaum verteuert. Zuletzt sank die Inflationsrate sogar.

Güter und Dienstleistungen in der Europäischen Union haben sich im Oktober 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat um lediglich 0,7 Prozent verteuert (Inflationsrate). Setzt sich dieser Trend nach unten bei der Inflationsrate fort, dürften die EZB-Ökonomen ihre Inflationsprognose für 2014 von derzeit 1,3 Prozent senken. Eine niedrigere Prognose wiederum kann eine erneute Lockerung der Geldpolitik rechtfertigen.

Geschäftsbanken produzieren das meiste Geld

Die geringe Inflation ist kein europäisches Phänomen. Auch in den Vereinigten Staaten lag die Inflationsrate im Oktober mit einem knappen Prozent sehr niedrig – obwohl die Notenbank der größten Volkswirtschaft seit 2008 durch Anleihekäufe rund 3.000 Milliarden US-Dollar (!) in die Wirtschaft gepumpt hat. Der Grund, warum sich die Geldflut zu keiner spürbar höheren Geldentwertung führt: Nicht die Notenbanken übernehmen den allergrößten Teil der Geldproduktion – auch Geldschöpfung genannt –, sondern die Geschäftsbanken. Sie tun dies, indem sie Kredite vergeben. Auf diesem Weg wird, vereinfacht gesprochen, die Geldmenge der Notenbanken vervielfacht und zur umlaufenden Geldmenge M3.

Kreditvergabe geht zurück – Banken horten Cash

Der Punkt ist nun: Die Kreditvergabe nimmt seit Anfang 2012, ausgehend von einem bereits schwachen jährlichen Wachstum, immer weniger zu. Seit Anfang 2012 schrumpft sie sogar absolut – inzwischen um jährlich rund zwei Prozent. Die Banken verleihen das Geld der Notenbanken also nicht, sondern nutzen es etwa zum Kauf von Staatsanleihen oder zur Stärkung ihres Eigenkapitals, um den neuen gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Das Geld gelangt damit nicht in die Realwirtschaft. In der Folge wächst die umlaufende Geldmenge M3 immer langsamer; derzeit liegt ihr Wachstum bei nicht einmal zwei Prozent jährlich.

Inflation dürfte mittelfristig niedrig bleiben

Nach unserer Meinung dürfte sich angesichts der schwierigen Situation vieler Banken in der EU an der Kreditvergabe so schnell nichts ändern. Damit wird auch die Geldmenge M3 nur zögerlich wachsen, falls sie nicht, wie im Sommer 2010, zeitweise sogar schrumpft.

Was heißt das für die Geldanlage in Deutschland? Anleger, die ein gewisses Risiko tragen können, sind mit einem Teilinvestment am Aktienmarkt – etwa über Indexfonds – sicher nicht schlecht beraten. Denn solange sich die Notenbanken spendabel zeigen, die Banken aber kaum Kredit vergeben, fließt ein Teil des Geldes an die Märkte und stützt bzw. treibt dort die Aktienkurse. Allerdings ist zeitweilig und auch in nächster Zeit mit spürbaren Kursrückgängen zu rechnen.

Festgeld: Staffeln Sie die Laufzeiten oder kombinieren Sie clever!

Geld, das keinem Kursrisiko ausgesetzt werden soll und das in den kommenden Monaten auch nicht benötigt wird, kann durchaus für die Dauer von zwei und drei Jahren fest angelegt werden. Mit einer solchen Laufzeitenstaffelung kommt man bei den Top-Banken derzeit auf einen durchschnittlichen Zins von rund zwei Prozent . Damit schlägt man bequem die aktuelle Inflationsrate , die zwischen Kiel und Konstanz derzeit 1,2 Prozent beträgt.

Wer sich nicht die Mühe machen möchte, bei mehreren Banken ein Konto zu eröffnen, kann sich das „Kombigeld“-Angebot von NIBC Direct anschauen. Die niederländische Bank zahlt für die Kombination aus zweijährigem Festgeld mit vorzeitiger Verfügbarkeit in Höhe von 50 Prozent des Anlagevolumens aktuell einen Zins von 1,85 Prozent. Die Vorteile: Solange man den Tagesgeld-Anteil nicht braucht, kassiert man für die komplette Einlage attraktive Zinsen. Gleichzeitig kann man jederzeit auf seinen Notgroschen zugreifen oder bei später höherem Zinssatz attraktivere Anlageformen nutzen. Und einen Kaufkraftverlust muss man auch nicht befürchten.