Tagesgeld ist besser als sein Ruf

Frankfurt 20.12.2015 –– Sie haben es getan: Nach der Entscheidung der EZB, den Strafzins für Bankeinlagen auf 0,3 Prozent zu erhöhen, senken einige Häuser die Zinsen für Tagesgeld. Platzhirsch ING-DiBa geht voran, andere werden folgen. Doch es gibt Alternativen.

Im jüngsten Beitrag hatten wir darüber spekuliert, dass der höhere Strafzins der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht ohne Konsequenzen für Sparer bleiben dürfte. Vor allem das Mittelfeld der Banken mit Zinssätzen zwischen 0,3 und 0,8 Prozent fürs Tagesgeld schien uns „senkungsgefährdet“. Nun hat der Marktführer ING-DiBa die Tagesgeldzinsen für Bestandskunden von 0,6 auf 0,5 Prozent reduziert, lockt aber Neukunden weiterhin mit 1,0 Prozent. Die Akbank wird ihre Tagesgeldzinsen zum 23. Dezember um 0,1 auf 0,55 Prozent reduzieren.

Weitere Anbieter werden senken

Wir erwarten, dass andere Anbieter aus dem Mittelfeld sich in den nächsten Wochen anschließen werden. Der Grund: Jeden Euro an Kundeneinlagen, den sie nicht verleihen können, müssen die Banken über Nacht bei der EZB parken – und das kostet inzwischen 0,3 Prozent im Jahr. Damit schlagen ein Guthabenzins für Kunden von zum Beispiel 0,6 Prozent und der Strafzins zusammen mit 0,9 Prozent für die Bank zu Buche. Bei einer hypothetischen Summe von 250 Millionen Euro, bringt eine Zinssenkung um 0,1 Prozent der Bank immerhin 250.000 Euro.

Top-Banken loten Potenzial aus

Zudem glauben wir, dass Häuser, die derzeit Top-Zinsen zahlen, abwarten werden, ob sie durch die Zinssenkungen der Konkurrenz Neukunden gewinnen können. Sie dürften die Zinsen daher zunächst auf dem derzeitigen Niveau belassen, in der Hoffnung, ihren Kundenstamm zu erweitern. Nach einigen Wochen bzw. Monaten dürfte aber auch der eine oder andere Top-Anbieter die Zinsen senken, um nicht mehr zu zahlen als nötig.

Wer sich nicht bewegt, verliert

Wie sollten Haushalte mit ihrem Notgroschen – ratsam ist eine Summe von drei bis sechs Monatsgehältern, die stets liquide sein soll – nun umgehen? Zuallererst: Sparer bei schlecht zahlenden Banken (bis 0,25 Prozent) sollten sich den Wechsel zu einem deutlich besseren Anbieter überlegen. Zum einen ist es sehr wahrscheinlich, dass gut zahlende Banken auch in Zukunft im oberen Drittel der Anbieter zu finden sein werden. Zum anderen bedeutet ein Zins von gut einem Prozent bei einer Inflationsrate von aktuell null Prozent eben auch einen genau so hohen Realzins, ohne dass man ein höheres Risiko eingehen muss als bei schlecht zahlenden Anbietern.

Nehmen Sie ein Angebot mit Zinsgarantie!

Wer sich für den Wechsel entscheidet und unsere Einschätzung beherzigt, sollte sich einen Anbieter suchen, der die Tagesgeldzinsen für längere Zeit garantiert. Das ist bei allen acht Banken der Fall, die derzeit mindestens 1,0 Prozent pro Jahr zahlen; fünf dieser Banken gehören übrigens der deutschen Einlagensicherung an. Am längsten garantiert die ConsorsbankConsorsbank ihren Zins (1 Jahr, 1,0 Prozent); es folgen HKB Bank (6 Monate, 1,02 Prozent), VW BankVolkswagen Bank und Audi BankAudi Bank (4 Monate, 1,25 Prozent), Wüstenrot Bank (4 Monate, 1,11 Prozent), ING-DiBaING-DiBa (4 Monate, 1,0 Prozent), 1822direkt1822direkt (bis 1.4.2016, 1,0 Prozent) sowie Renault Bank direktRenault Bank direkt (3 Monate, 1,1 Prozent).

NIBC garantiert 1,3 Prozent für zwei Jahre

Das Spitzenangebot mit dem höchsten Zins und der längsten Zinsgarantie kommt aus den Niederlanden: NIBC DirectNIBC Direct überweist für das „Kombigeld“ über die Dauer von zwei Jahren 1,3 Prozent p.a. Dabei können Sparer jederzeit über maximal die Hälfte des Anlagebetrags verfügen; die andere Hälfte ist als Festgeld angelegt. Wer 50.000 Euro anlegt, kommt in zwei Jahren für den Tagesgeld- und den Festgeldteil jeweils auf bis zu 654 Euro an Zinsen – und das bei niederländischer Einlagensicherung. Wird der Tagesgeldteil nicht benötigt, ist dieses Angebot derzeit unschlagbar.

Eine mögliche Alternative dazu ist das Angebot der VTB Direktbank, die der österreichischen Einlagensicherung angehört. Die Bank zahlt für das über zwei Jahre laufende „VTB Duo“ 1,1 Prozent an Zinsen, wobei man maximal über 20 Prozent des Anlagebetrags täglich verfügen kann. Wichtiger Unterschied zur NIBC: Dieser Tagesgeld-Anteil kann während der Laufzeit immer wieder auf die ursprüngliche Summe aufgefüllt werden.