Bargeldversorgung am Geldautomaten

Frankfurt 01.03.2018 –– Vor allem in den ländlichen Regionen schließen immer mehr Filialen der Sparkassen und Volksbanken. Geldautomaten sollen sie ersetzen. Doch was passiert, wenn auch die verschwinden, weil Fremd- und teils sogar die eigenen Kunden immer höhere Gebühren fürs Geldabheben zahlen müssen?

Man könnte fast Mitleid haben. Denn die Niedrigzinspolitik sowie auch immer neue bürokratische Anforderungen der EZB machen den Banken vor Ort das Leben schwer. Andererseits: Solange die Führungsriege gut bezahlt in ihren Prachtbauten sitzt, ist das Leid wohl überschaubar.

Dennoch scheint das Management bei einigen Volksbanken und Sparkassen den Druck zu fühlen. Anders ist es nicht zu erklären, dass immer mehr Filialen schließen – und regionale Banken am kreativsten sind, wenn es darum geht, eigenen und fremden Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zum Beispiel am Geldautomaten. Deren Unterhalt kostet zwar auch – aber die Einnahmen scheinen den Aufwand nach wie vor zu rechtfertigen.

Fremdkunden als Melkkühe

Besonders beliebt bei Sparkassen und Volksbanken ist es, das Geldabheben für Fremdkunden möglichst teuer machen. Der Direktbankkunde soll so schlecht (oder so teuer) wie möglich an Bargeld kommen.

Die Banken veröffentlichen leider keine Zahlen, wie viele Fremdkunden ihre Automaten benutzen. Angesichts von Gebühren zwischen 6,45 Euro (Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld), sechs Euro (Kreissparkasse Gotha) oder 4,80 Euro (Kreissparkasse Garmisch) sollte die Zahl der Fremdabhebungen eigentlich überschaubar sein. Noch aber scheint sich das Modell zu rentieren, sonst würden die Regionalbanken ihre Automaten abbauen.

Immerhin: Wer Bargeld braucht, aber keine Lust auf horrende Strafgebühren hat, hat durchaus Alternativen. Bestes Beispiel: die ING-DiBa. Mit 1200 Geldautomaten bietet sie ihren Kunden ein Netz, das in Deutschland seinesgleichen sucht – doch auch Fremdkunden profitieren vom Service der Direktbank. Statt der oben beschriebenen Mondpreise zahlen sie fürs Geldziehen bei der DiBa vergleichsweise schlanke 1,95 Euro. Zum Vergleich: Der Durchschnittspreis der aktuellen FMH-Erhebung von 150 Geldautomaten Anbietern liegt bei 4,29 Euro.

Ungewisse Zukunft

Auf lange Sicht allerdings wird die Zahl der Geldautomaten in Deutschland ebenso sinken, wie die, der Bankfilialen. Der Abbau hat bereits begonnen: 2016 gab es deutschlandweit „nur“ noch 58.340 – das sind rund 500 weniger als 2015. Wir bei der FMH gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch 2017 fortgesetzt hat.

Dass die Banken die Zahl zurückfahren, hat auch damit zu tun, dass sich das Zahlverhalten der Menschen ändert: Gerade die jüngeren Verbraucher zahlen selbst kleine Beträge gerne mit Karte oder per Handy. Andere heben einfach im Supermarkt Geld ab: Allein dank der REWE-Gruppe und Aldi-Süd gibt es inzwischen 75.000 Ladenkassen, die Kunden mit frischen Scheinen versorgen.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird der Geldautomat für Banken bald zu einem entbehrlichen Kostenfaktor – so, wie es derzeit die Filialen sind. Schon heute verlangen einige Anbieter selbst von den eigenen Kunden Geld für Abhebungen. Wie lange Kunden das akzeptieren, bleibt abzuwarten.