Frankfurt 20.07.2013 –– Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht – diese bissige Redewendung kommt einem in den Sinn, wenn Verbraucherschützer klammen Schuldnern empfehlen, einen teuren Dispokredit in einen günstigeren Ratenkredit umzuwandeln. Denn dieser Schritt führt diejenigen, denen geholfen werden soll, geradewegs in noch höhere Verschuldung. Einerseits tröstlich, andererseits erschreckend: Die Ratgeber sind sich dieser Tatsache offenbar nicht bewusst.

September 2011: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) meldet, dass viele Banken nicht bereit seien, überschuldeten Bankkunden anzubieten, den teuren Dispokredit in einen günstigeren Ratenkredit umzuwandeln. 70 Prozent der Wechselwünsche würden abgelehnt – in den Augen der Verbraucherschützer ein Skandal. „Banken halten Schuldner in der Dispo-Falle“, betitelt der vzbv denn auch seine Pressemeldung. Die Botschaft ist klar: Die meisten Banken kümmert das Schicksal ihrer Kunden nicht. Die Anbieter von Ratenkreditvergleichen freut diese Aussage.

Die Logik der Verbraucherschützer hinkt

Nun mögen die Fakten stimmen, die die Verbraucherschützer bei den Schuldnerberatern erhoben haben, doch die Logik ihres Arguments hinkt gewaltig. Der Grund: Ein notorischer Schuldner wäre noch weniger in der Lage, einen Ratenkredit zu bedienen als einen Dispokredit. Schließlich fallen bei einem Ratenkredit nicht nur Zinsen an, es muss auch das Darlehen selbst getilgt werden – und das kostet zwangsläufig richtig Geld. In aller Regel werden im Vergleich zum Dispokredit doppelt oder dreifach so hohe Monatsraten fällig – das zeigt ein Blick auf unsere Vergleichsrechner sowie auf den FMH-IndeX.

Monatsrate für Ratenkredit ist deutlich höher

Nehmen wir an, dass der Bankkunde mit einem Nettoeinkommen von 2.000 Euro sein Limit von 5.000 Euro chronisch ausreizt. Dafür zahlt er bei einer Bank, die – wie die BBBank – den durchschnittlichen Dispozins von aktuell 10,5 Prozent verlangt, im Jahr 525 Euro an Zinsen. Das entspricht einer monatlichen Rate von 43,75 Euro. Wenn er die Summe von 5.000 Euro nun bei derselben Bank auf einen Ratenkredit umschulden will, der innerhalb von fünf Jahren getilgt werden soll, werden Effektivzinsen in Höhe von 8,6 Prozent fällig. Das klingt für viele zwar nach einem guten Geschäft, ist es aber nicht. Denn die monatliche Rate, die an die BBBank überwiesen werden muss, liegt wegen der Tilgung des Kreditbetrages bei 102 Euro – das ist das 2,3-Fache der Belastung durch den Dispokredit.

Klamme Kunden scheitern mit Ratenkrediten zwangsläufig

Selbst wenn der Kunde bei der günstigsten Bank den Ratenkredit über 60 Monate abschließt, würde die Rate bei einem Effektivzins von 4,95 Prozent nur auf 94 Euro sinken. Würde er sehr optimistisch sein und die Entschuldung innerhalb von 36 Monaten planen, stiege die monatliche Rate beim günstigsten Anbieter auf 150 Euro an. Es liegt auf der Hand, dass ein Schuldner, der den Dispozins kaum stemmen kann, eine solche Summe nicht für lange Zeit aufbringen kann und für die Begleichung der Raten wieder einen Dispokredit beantragen wird. Dies ist der Beginn einer typischen Schuldenspirale.

Fünf Schritte zu mehr finanzieller Freiheit

Weitaus zielführender für klamme Dispokunden, die ihre missliche Lage beenden möchten, ist Folgendes: Sie sollten erstens prüfen, ob alle Haushaltsausgaben nötig sind und sich zweitens nach Anbietern umsehen, bei denen sie die notwendigen Produkte und Dienstleistungen günstiger bekommen – auf diese Weise können sie womöglich ihren finanziellen Bedarf und damit ihre Abhängigkeit von der Bank verringern. Im dritten Schritt schauen sie sich nach einem Kreditinstitut um, das günstigere Giro- und Dispokonditionen bietet als das bisherige . Dann ist noch zu klären, ob die Wunsch-Bank den Dispokredit sofort weiter gewähren würde. Ist dies der Fall, steht einem Bankwechsel nichts mehr im Weg.