Gebührenerhöhung beim Girokonto

Frankfurt 04.03.2016 –– Sinkende Margen federn viele Banken mit dezenten, aber wirkungsvollen Gebührenerhöhungen beim Girokonto ab. Kunden, die das nicht mitmachen wollen, sollten nach Alternativen suchen. Etliche Geldhäuser bieten auch weiterhin kostenlose Girokonten an.

Sparbuch. Tagesgeldkonto. Alles gut und schön. Zugang zu neuen Kunden bekommen Banken aber allein übers Girokonto. Kein Wunder: Jeder braucht eine solche Bankverbindung. Inzwischen verpflichtet der Staat Geldhäuser sogar, Wohnsitzlosen und Hartz-IV-Empfängern ein Girokonto auf Guthabenbasis anzubieten. Die Banken dürfen dafür allerdings Gebühren verlangen – und können somit steuern, wie viele Geringverdiener als Neukunden bei ihnen anheuern.

Die Finanzkraft eines Kunden allein entscheidet allerdings nicht unbedingt, welche Summen er für die Kontoführung aufwenden muss. Wir haben unsere Girokonto-Auswertungen vom 02.03.2015 mit denen vom 29.02.2016 verglichen und nachgesehen, ob und wie sehr die Banken im vergangenen Jahr an der Gebührenschraube gedreht haben. Zumindest einige Anbieter konnten uns positiv überraschen.

Direktbanken bleiben ihrer Linie treu

Bei den Direktbanken hat sich in Sachen Kosten kaum etwas getan. Nur zwei von 13 Anbietern erhöhten die Kosten für beleghafte Buchungen. Solche Transaktionen, die noch ganz klassisch per papiernem Überweisungsträger in Auftrag gegeben werden, dürften bei Online-Girokonten aber eher selten vorkommen. Die praktische Relevanz dieser Erhöhung ist also eher gering.

Zudem haben die Direktbanken im vergangenen Jahr ihre Dispozinsen leicht gesenkt – von durchschnittlich 8,44 auf 8,34 Prozent im Mittel. Ebenfalls erfreulich aus Sicht der Kunden: Von 13 zahlen immerhin acht einen Bonus für den Neukunden, die bei ihnen ein Girokonto eröffnen.

Politik der kleinen Schritte

Anders sieht es bei den Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken aus. Immerhin zehn von 50 Filialbanken haben die Gebühren für beleghafte Buchungen angehoben, drei die monatliche Kontoführungsgebühr. Auffallend viele setzten die Kosten für die EC-Karte (Girokarte etc.) und die Kreditkarten Jahresgebühren herauf. Über die Gründe dafür kann man nur spekulieren. Doch einige Motive liegen nahe: Eine EC-Karte braucht nun einmal jeder. Da lohnt sich ein solcher Schritt. Zudem fällt diese Jahresgebühr fällt nicht besonders auf. Mit lauten Unmutsbekundungen oder negativer PR ist kaum zu rechnen.

Ähnlich liegen die Dinge bei den Gebühren für Kreditkarten. 16-mal wurden hier Kosten erhöht – meist um zehn Euro pro Jahr. Das ist für den einzelnen Kunden durchaus zu verkraften, beschert den Banken in der Masse aber signifikante Mehreinnahmen.

Doch es gibt auch Erfreuliches zu vermelden: Die Geschäfts- und Regionalbanken haben ihre Dispozinsen ebenfalls gesenkt. Und das, obwohl die EZB die Leitzinsen in diesem Zeitraum nicht verändert hat. Und auch der durchschnittliche Dispozins dieser Angebotsgruppe sank. Von 10,03 auf 9,80 Prozent.

Ebenfalls positiv: Bonuszahlungen für die Kontoeröffnung sind auch bei Filialbanken relativ beliebt. Immerhin zehn zahlen zwischen 50 und 100 Euro – allerdings gilt vielfach die Einschränkung, dass es das Begrüßungsgeld nur bei Eröffnung eines Online-Kontos fließt. Wer hingegen ein neues Filialbankkonto wünscht, geht leer aus.

Blick in die Glaskugel

Bleibt die Frage: Wie ist es um die Zukunft der Girokonten bestellt, die ohne Kontoführungsgebühr auskommen, bei denen beleglosen Buchungen umsonst sind und keine Jahresgebühren für EC-und Kreditkarte anfallen?

Unserer Meinung nach wird es solche kostenlosen Angebote auch weiterhin geben. Und zwar bei den Direktbanken. Die Filialbanken hingegen werden verstärkt auf kostengünstige, aber eben nicht kostenfreie Online-Konten setzen und vor allem bei den Filialkonten die Gebühren anheben.

Grundsätzlich wäre das auch nicht zu beanstanden: Schalterpersonal kostet schließlich Geld. Die Kunden für mehr Service zahlen zu lassen, ist daher erst einmal nachvollziehbar. Das Problem ist nur, dass der „Service“ in den Filialen diesen Namen nicht immer verdient. Wer am Schalter nur auf überforderte Auszubildende trifft, der wird sich überlegen, ob er bereit ist, dafür Geld auszugeben. Oder ob er nicht doch lieber das Girokonto wechselt – und damit jährlich bis zu 150 Euro spart.