Giro-Wanderung zu den Direktbanken

Frankfurt 10.06.2016 –– Immer mehr Filialbanken kassieren für die Nutzung der Girokonten. Das ist gut für viele Direktbanken, zumal der Kontowechsel für Onlinekunden fast mühelos abläuft. Es zwingt aber auch ING-DiBa, DKB & Co., über ihre Angebote nachzudenken.

Der Trend ist klar: Die Filialbanken, ob bundesweit oder regional tätig, wollen die Kunden für die Nutzung von Girokonten verstärkt zur Kasse zu bitten. So hat Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon schon vor wenigen Wochen das angebliche Ende des kostenlosen Girokontos ausgerufen. Diese Aussicht auf höhere Gebühren dürfte Musik in den Ohren der Direktbanker sein, die nur warten müssen, bis bei den Filialkunden die Schmerzgrenze erreicht ist und diese sich zum Wechsel entschließen. Sicher haben schon etliche Kunden diesen Entschluss getroffen, aber noch nicht umgesetzt – der Grund: Sie sind überzeugt, dass es extrem aufwändig ist, alle Vertragspartner über die neue Kontonummer zu unterrichten.

FinTech sorgt für mehr Konkurrenz

Doch so viel Aufwand ist heutzutage gar nicht nötig. In vielen Fällen macht der Wechsel des Girokontos inzwischen nicht mehr Mühe als die Eröffnung eines Tagesgeldkontos bei einer anderen Bank. Für diese Erleichterung sorgen Firmen aus dem Bereich der Financial Technology (FinTech), die bequeme Lösungen für Banken und Online-Kunden entwickelt haben. So lockt etwa der Platzhirsch ING-DiBa neue Kunden mit dem Versprechen, dass man seine Girokonto-Verbindung selbst und bequem innerhalb weniger Minuten am Tablet oder einem anderen mobilen Gerät wechseln kann.

Kontowechsel macht kaum noch Arbeit

Möglich macht dies die Kooperation der ING-DiBa mit dem FinTech-Unternehmen kontowechsel24.de. Auch comdirect bank und die Commerzbank nutzen die neuen Möglichkeiten mit anderen Anbietern. Wechselwillige, die bei einer dieser Banken bereits die Unterlagen für ein Girokonto angefordert haben, können aus den elektronischen Kontoauszügen ihrer bisherigen Bank automatisch jene Zahlungspartner auslesen lassen, die über die neue Kontoverbindung informiert werden müssen – etwa Energieversorger, Versicherungen und Mobilfunkanbieter. Diese Zahlungspartner werden dann ebenfalls automatisch über den Kontowechsel informiert – damit haben Online-Kunden kaum noch Arbeit mit dem Kontowechsel. Insgesamt bieten inzwischen 15 von unseren 55 Banken in unserer Datenbank diesen optimierten Kontowechsel an. Partner der Banken sind primär: FINREACH und fino.

FinTech setzt auch Direktbanken unter Druck

Wer jetzt glaubt, dass die Direktbanken nach einem massiven Wechsel der Filialkunden ebenfalls die Preise anheben werden, dürfte sich irren. Denn: Kunden, die wissen, wie einfach und bequem sie ihr Konto wechseln können, werden dies mit Sicherheit wieder tun, falls sie merken, dass die neue Bank sie nur ködern wollte, um anschließend die Preise zu erhöhen. Daher sollten sich jene Banken, die jetzt mit dem Wechselservice um neue Kunden werben, genau überlegen, wie sie mit den künftigen Girokunden Geld verdienen können. Dies ist prinzipiell entweder möglich mit exzellentem Service, den sich manche Kunden noch immer gerne etwas kosten lassen – oder mit einem richtig kostengünstigen oder sogar kostenfreien Girokonto.

Banken sollten Kartenmodelle überdenken

Kaum Verständnis verdienen in diesem Zusammenhang die weit verbreiteten Modelle von Banken, ihre Kreditkarten im ersten Jahr aus Werbezwecken kostenfrei anzubieten und danach jährlich 20 Euro und mehr zu kassieren, ohne dass ihnen ein weiterer Aufwand entsteht. Wenn überhaupt, dann dürften es die Kunden noch verstehen, wenn sie im ersten Jahr für ihre Karte zahlen müssen – da die Ausgabe einer Giro- oder Kreditkarte ja Kosten verursacht –, danach aber nicht mehr. Ohnehin stellt sich die Frage, warum Kunden für eine Giro- oder Kreditkarte jährliche Entgelte zahlen sollen, wenn die Bank damit doch Provisionseinnahmen erzielen will und dies auch kräftig tut.