Girokosten

Frankfurt 21.08.2015 –– Laufende Konten, die nichts kosten und alle Funktionen fürs tägliche Geschäftsleben erfüllen, gibt es immer seltener. Gutverdiener mit regelmäßigem Einkommen muss das nicht grämen. Weniger begüterten Kunden hingegen bleibt nur die Hoffnung auf neue Gesetze.

Die Nachricht dürfte nicht allen in der Finanzbranche gefallen haben: Weil die Banken nicht freiwillig bereit waren, weniger finanzstarken Kunden wie Obdachlosen, Asylbewerbern oder Hartz-IV-Empfängern ein kostenloses Basiskonto zur Verfügung zu stellen, will der Staat sie nun zu diesem Entgegenkommen zwingen.

Man darf gespannt sein, was die Geldhäuser sich ausdenken werden, um selbst die Ärmsten dafür zur Kassen zu bitten. Denn eigentlich ist das kostenlose Girokonto eine aussterbende Spezies.

Die FMH-Finanzberatung hat festgestellt, dass immer weniger Banken bereit sind, Gratis-Girokonten ohne Zusatzbedingungen anzubieten. Vielfach verschärfen sie die bereits geltenden Grundvoraussetzungen sogar. Hieß es vor einiger Zeit bei etlichen Anbietern noch, ein „regelmäßiger Geldeingang“ sei Bedingungen für den Verzicht auf Gebühren, fordern die meisten Institute nun einen „regelmäßigen Gehaltseingang“. Wer den nicht nachweisen kann, darf kein derartiges Konto eröffnen oder er muss ein monatliches Entgelt von sechs bis zehn Euro bezahlen.

Sich regen bringt Segen

Der Grund, warum die Banken vor allem Gehaltskonten privilegieren: Kunden mit regelmäßigen Eingängen geben auch regelmäßig Geld aus – und bescheren den Instituten damit bessere Geschäfte. Verbraucher hingegen, bei denen das Konto statisch bleibt, die wenig oder gar nicht mit der EC-Karte bezahlen und auch die angebotene Kreditkarte zu wenig einsetzen, sind ein Verlustgeschäft.

Zwar verursachen auch Kunden, die regelmäßige Gehaltseingänge zu verzeichnen haben, erst einmal Kosten für die Bank. Die aber holen sich die Institute meist ohne Probleme zurück. Zum Beispiel durch Gebühren für beleghafte Überweisungen, für das Angebot einer Kreditkarte, für das Geldabhebungen von Fremdkunden am Automaten oder Auslandsbuchungen.

Das eigentliche Geschäft für die Geldhäuser ist jedoch deren Beteiligung der Banken an den Einkäufen der Kunden. Denn sie verdienen an jedem einzelnen Einkauf mit der EC-Karte. Das läppert sich, auch wenn es jeweils nur um Cent-Beträge geht. Gleichzeitig hat man als Bank Einblick in alle finanziellen Transaktionen seines Kunden.

Gesetzgeber erzwingt neue Modelle

Auch neue, verbraucherfreundliche Gesetze sorgen dafür, dass die Banken genauer hinschauen, wem sie ein Konto geben – und zu welchen Konditionen. Berlin will durchsetzen, dass Geldhäuser Kunden, die dauerhaft im Minus hängen, nach einiger Zeit ein alternatives Kreditangebot anbieten müssen. Das macht das Geschäft mit den immer noch zu hohen Dispozinsen kaputt und nährt den Wunsch nach neuen Einnahmequellen – wie etwa den folgenden.

  • Lockmittel für Neukunden. Hier legen Banken ein paar Kleinbeträge als Köder aus – und machen am Ende doch wieder ihren Schnitt: Denn die 25 oder 50 Euro Bonus für die Kontoeröffnung erhalten natürlich nur Kunden mit entsprechend hohem Gehaltseingang.
  • Gebühren auf EC-Karten. Noch immer gibt es Banken, die für die EC-Karte jährlich fünf bis zehn Euro verlangen. Aufgefallen sind uns hier die Mainzer Volksbank und die PSD Bank Koblenz.
  • Kostspieliges Plastikgeld. Immer häufiger fordern Institute auch für die Kreditkarte jährliche Gebühren. Diese liegen zwischen 20 und 35 Euro. Unser Spitzenreiter unter den 60 untersuchten Banken ist die Commerzbank mit 34,90 Euro bei ihrem sogenannten Null-Euro-Konto. Viele Banken gehen auch folgendermaßen vor: Sie verlangen zunächst 20 oder 25 Euro und erstatten dann den bereits abgebuchten Betrag wieder, wenn entsprechend hohe Kreditkartenumsätze getätigt wurden.

Löbliche Ausnahmen

Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel die DKB Deutsche KreditbankDKB Deutsche Kreditbank und die ING-DiBaING-DiBa. Sie bieten weiterhin echte Gratiskonten an. Das heißt, es gibt keine Vorgabe für die Kontoführung und keine Kontoentgelte, Gebühren für beleghafte Überweisungen sowie Extra-Kosten für Kredit- oder EC-Karten fallen nicht an.

Einziger Wermutstropfen: Den Neukundenbonus von 75 Euro erhält bei der ING-DiBa auch nur, wer einen regelmäßigen Gehaltseingang von mindestens 1.000 Euro nachweisen kann. Und weil bei der DKB mit Kontoeröffnung auch ein Dispo und eine Kreditkarte verbunden sind, werden natürlich die Bonität und auch das Gehalt überprüft. Eine gewisse Selektion bei der Kontoeröffnung findet also trotzdem statt.

Erwähnenswert ist auch noch das etwas andere Konto der Santander Bank: Auch hier muss der Kunde keine Gebühren fürchten – außer bei beleghaften Überweisungen. Sie kosten 95 Cent pro Stück. Dafür arbeitet die Bank mit monatlichen Boni. Wer einen höheren Geldeingang als 600 Euro hat, bekommt monatlich einen Euro gutgeschrieben. Wer mehr als drei Lastschriften pro Monat vorweisen kann, bekommt zwei Euro auf das dazu gehörige Tagesgeldkonto überwiesen. Auch hier zeigt sich, Aktivitäten werden belohnt. Man will den aktiven Kontonutzer haben, ohne den anderen mit Entgelten und Gebühren zu bestrafen.

Fazit: Wenn sie wollen, verdienen die Banken immer – ob an der Kreditkartengebühr oder am Umsatz oder am Wissen über die Kontobewegungen. Bei einer Million Konten (große Banken haben zehn Millionen Konten und mehr) summiert sich allein die Kreditkartengebühr als feste Einnahme von etwa 20 Millionen im Jahr. Bei kräftigem Kreditkarteneinsatz steigen die Summen noch deutlich an.

Zum Glück gibt es vereinzelt noch Anbieter, die Gratiskonten ohne Vorgabe zum Gehaltseingang und ohne Kosten für Kontoführung, EC-und Kreditkarte bieten. (Die extrem seltenen Überweisungen per Papier haben wir bei unserer Erhebung nicht berücksichtigt.) Unter den 60 Banken, die die FMH diesbezüglich untersucht hat, sind das die comdirect bank, Consorsbank, DAB BankDAB Bank, DKB, Deutsche Skatbank, ING-DiBa, norisbank, Santander Bank und die Santander Consumer Bank.