Baufinanzierung: Wenn Tests zum Trauerspiel werden

Frankfurt 12.12.2012 –– Die Baufinanzierung ist für Immobilienkäufer ein komplexes Thema. Doch auch Redaktionen, die ihren Lesern eigentlich eine Entscheidungshilfe bieten wollen, fällt es schwer, sich den Durchblick zu verschaffen. Das zeigen zwei Auswertungen der Wochenmagazine BÖRSE ONLINE und WirtschaftsWoche rund um die Baufinanzierung sehr deutlich.

BÖRSE ONLINE hat für die angeblich umfangreichste Finanzierungsauswertung Anfang Oktober über 50 überregional tätige Anbieter ausfindig gemacht. So mancher Bauherr wird sich fragen, wie sich die Vielfalt zusammensetzt. Die FMH-Finanzberatung, die die Branche seit Jahrzehnten beobachtet und ihre Angebote auswertet, stellt sich die Frage ebenfalls, denn einschließlich aller Versicherungen, Kirchenbanken und Versorgungskassen haben wir nicht mehr als 35 Anbieter ausfindig gemacht. Bei der Auswertung von BÖRSE ONLINE wurde auch übersehen, dass Banken wie HypoVereinsbank und 1822direkt keine eigenen Darlehen vergeben. Diese Banken sind nur Vermittler. So bedient sich HypoVereinsbank der Plattform PlanetHome und 1822direkt wickelt fast alles über die Interhyp ab.

Direktbank ING-Diba kassiert als „Kreditvermittler Diba“ ein „Mangelhaft“

Noch irreführender für Bauherren ist die Auswertung der WirtschaftsWoche (Heft 49/2012). Das Unternehmen „Deutsches Kundeninstitut“, das sich laut WirtschaftsWoche auf Marktforschung spezialisiert hat und nach eigenen Angaben Analysen „höchster Qualität“ liefert, bewertet darin die besten Anbieter von Baufinanzierungen. Dabei kam heraus, dass die Diba, wie sie genannt wird, ein schlechter Vermittler sei. Den Marktforschern und offenbar auch der WirtschaftsWoche ist wohl entgangen, dass die ING-DiBa, wie sie korrekt heißt, einer der größten Hypothekenanbieter aus eigenen Geldern in Deutschland ist – aber keineswegs ein Vermittler. Das gilt auch für die SKG Bank, die ebenfalls als mangelhafter Vermittler tituliert wird. Leider fehlt im Online-Beitrag die Auswertung dazu.

Baufi24 verkauft nur Kundendaten – und landet auf dem 2. Platz

Auf der anderen Seite weist die WirtschaftsWoche den Vermittler Baufi24 als zweitbesten Vermittler aus, obwohl in der Branche durchaus bekannt ist, dass dieses Unternehmen vom Verkauf der Kundenanfragen an andere Vermittler lebt und keine eigenen Berater an Bord hat. Wer seine Kundendaten hinterlässt und ein Angebot wünscht, dessen Daten werden an andere Vermittler verkauft. Dem Verkauf stimmt der Interessent zu, indem er die Datenschutzerklärung akzeptiert. Dass HypoVereinsbank, Targobank oder Santander Bank als gute bis sehr gute Filialbanken eingestuft wurden, obwohl sie alle drei nur vermittelnd tätig sind, war ja fast schon zu erwarten. Man hätte jedoch darauf hinweisen können, dass man dort keine günstigeren Zinsen erhält als beim ältesten Vermittler HypothekenDiscount, einer Tochter von PlanetHome. Schließlich nutzen alle drei Filialbanken die Plattform von PlanetHome mit etwa 30 Hypothekenanbietern.

Gaben die regionalen Banken Kundendaten weiter?

Der informierte Leser stellt sich die Frage: Wusste es die Redaktion nicht besser oder wäre die Liste der Filialbanken schlicht zu klein geworden? Zudem hat das Institut die Beratungsqualität der regionalen Banken angeblich in einer Online-Umfrage unter deren Kunden ermittelt. Wenn dies so war, müsste man diese Institute eigentlich wegen der Weitergabe von Kundendaten verklagen.

Die WirtschaftsWoche hat ihren Vergleich auf Anfrage der FMH-Finanzberatung mit dem Hinweis verteidigt, die Marktforscher hätten sauber gearbeitet. Übrigens sind die Geschäftsführer des Deutschen Kundeninstituts zum Teil ehemalige (Chef-)Redakteure, unter anderem der Verlagsgruppe Handelsblatt, in der die WirtschaftsWoche erscheint – ein Schelm, wer dabei Böses denkt.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung