Die Bauzinsen sind bald so niedrig wie noch nie!

Frankfurt 03.01.2012 –– Noch im September 2011 könnten die Zinsen für Baugeld auf ein neues Allzeittief sinken. Aktuell bewegen sich diese Hypothekenzinsen im Schnitt bei 3,20 Prozent im Jahr – und damit nur einen hundertstel Prozentpunkt über dem Wert ihres bisherigen historischen Tiefpunktes. Die Zinsen für 15-jähriges Baudarlehen gehen ebenfalls deutlich zurück. Einige Versicherungen haben bereits weitere Zinssenkungen angekündigt.

Rückblick: Im September 2010 erreichten die zehnjährigen Hypothekenzinsen, wie sie im FMH-IndeX ermittelt werden, mit 3,19 Prozent ihr bisher niedrigstes Niveau; 15-jährige Baudarlehen kosteten damals nur 3,54 Prozent. Danach kam es bis in den frühen Sommer 2011 hinein zu einem Zinsanstieg auf knapp vier Prozent für zehnjährige Darlehen. Viele Marktbeobachter rechneten in jenen Monaten mit einer Fortsetzung dieses Trends und rieten zum schnellen Abschluss eines Baudarlehens oder eines Forward-Darlehens, um sich die „einmalig günstigen Zinsen“ auf Dauer zu sichern – nicht so die FMH-Finanzberatung, wie Sie ab dem 15. Juli hier lesen konnten.

FMH prognostizierte – anders als andere Experten – niedrigere Baugeldzinsen

In dem Artikel „ Die Bauzinsen dürften noch weiter fallen “ hieß es: „Gleichwohl gehen einige Marktbeobachter (bislang) davon aus, dass die Hypothekenzinsen dauerhaft den Weg nach oben angetreten haben – eine Ansicht, die wir von der FMH-Finanzberatung derzeit nicht teilen.“ Und weiter: Wir glauben, „dass die Probleme im Euro-Raum (gemeint war die Staatsschulden-Krise) immer wieder aufflammen werden und (…) sich dabei verschärfen können. Solange Deutschland (…) als Hort der Sicherheit gesehen wird (…), können die Baugeldzinsen nicht substanziell steigen. Im Gegenteil, die FMH-Finanzberatung schließt für die kommenden Monate leicht sinkende Hypothekenzinsen nicht aus.“

Dynamik des Zinsverfalls stärker als erwartet

Damit sollten wir letztlich Recht behalten – ebenso wie mit unserer Empfehlung, dass sich angehende Bauherren und Immobilienkäufer Zeit lassen könnten mit dem Abschluss eines Bau- oder eines Forward-Darlehens. Wer sich daran gehalten hat, kann sich nun ein deutlich günstigeres Angebot aussuchen und über die Jahre hinweg auf diese Weise mehrere tausend Euro sparen.
Allerdings sei auch gesagt: Die Dynamik der Krise und der daraus resultierenden Unsicherheit, die zum Ansturm vor allem auf deutsche Staatsanleihen, aber auch auf Pfandbriefe führte und die Langfristzinsen enorm drückte, haben wir etwas unterschätzt. So hielten wir es für „eher unwahrscheinlich, dass dabei die Tiefstände aus dem Jahr 2010 noch einmal erreicht oder gar unterschritten werden“. Doch nun sind die Bauzinsen im Begriff, eben diese bisherigen Tiefpunkte zu unterschreiten.

Umlaufrendite auf neuem Tief – folgen jetzt die Hypothekenzinsen?

Wie wird es voraussichtlich weitergehen – und wie sollten sich Bauherren und Immobilienkäufer verhalten? Ein Blick auf die Umlaufrendite kann bei der Antwort vielleicht helfen. Dieser Maßstab, der die Rendite umlaufender öffentlicher Anleihen spiegelt, hat jüngst (23. September) mit 1,49 Prozent ein klares neues Allzeittief erreicht – das bisherige Allzeittief vom September 2010 lag mit 1,87 Prozent weitaus höher. Diese deutlich geringere Rendite zeigt an, dass die Anleger sich mit wahrhaften Mini-Renditen begnügen, wenn sie ihr Geld dafür nur „sicher“ anlegen können. Setzt sich dieser Trend bei den Bauzinsen durch, könnte sich Baugeld noch einmal spürbar verbilligen.

3,6 Prozent für 15 Jahre sind ein Schnäppchen

Ob man mit seinem eigenen Geld auf einen weiteren Zinsverfall wetten sollte, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich sind 3,6 Prozent an jährlichen Zinsen für ein 15-jähriges Baudarlehen ein ausgezeichnetes Angebot. Wer sich mit dem Gedanken trägt, sehr, sehr bald eine Immobilie zu finanzieren, kann daher jetzt guten Gewissens zuschlagen. Hauskäufer in Wartestellung indes sollten den Markt in Ruhe beobachten. Der Abschluss eines Forward-Darlehens, zu dem Banken gerne raten, empfiehlt sich derzeit noch nicht, denn eine substanzielle Umkehr des Abwärtstrends bei den Bauzinsen steht meines Erachtens in den nächsten Wochen, vielleicht auch Monaten, nicht an.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung