Die Folgen der Zinswende

Frankfurt 21.06.2015 –– Die Hypothekenzinsen steigen wieder. Wer noch eine billige Baufinanzierung will, muss schnell sein – und sollte seinen Bankberatern mit Skepsis begegnen. Die nämlich verdienen hervorragend an übereilt geschlossenen Verträgen.

Jahrelang kannten die Hypothekenzinsen nur einen Trend. Abwärts. Finanzierungskunden warteten mit ihrer Unterschrift unter den Darlehensvertrag regelmäßig bis zum letztmöglichen Termin, um von weiteren Zinssenkungen profitieren zu können.

Nun wendet sich das Blatt.

Seit Anfang Mai stiegen die Bundesanleihen von 0,05 auf ein Prozent, die Pfandbriefrenditen folgten in fast identischem Abstand. Gleichzeitig verteuerten sich die Hypothekenzinsen. Wer seine Finanzierungskonditionen auf zehn Jahre festschreiben will, zahlt nun statt 1,23 Prozent Zinsen durchschnittlich 1,73 Prozent. Diese Entwicklung macht Kunden nervös. Sie wissen: Wenn sie die Angebotsfrist versäumen, müssen sie beim nächsten Termin mit höheren Zinsen rechnen. Entsprechend hoch ist die Bereitschaft, ohne Umschweife fast jedes Angebot zu unterzeichnen. Das kann fatale Folgen haben.

Unseriöse Methoden

Die Angst der Kunden bleibt auch Banken und Vermittlern nicht verborgen. Und sie verleitet nicht wenige Vertreter dazu, Bauherren zweifelhafte und überteuerte Angebote zu unterbreiten.

Hoch im Kurs stehen vor allem Bankangebote, die mit einem Bausparvertrag getilgt werden. Die Idee: Im Bausparvertrag von heute wird bereits der Zinssatz für das Baudarlehen von morgen fixiert. Das lohnt sich, beteuern Berater gerne. Wenn ein Hypothekenzins von effektiv 2,37 Prozent und ein später garantierter Bausparzins von effektiv 2,62 Prozent über eine Finanzierungszeit von 25 Jahre kein Spitzenangebot ist – was denn dann?

Tatsächlich sind die Zahlen, die die Berater nennen, relativ ansprechend. Ihr einziger Schönheitsfehler ist: Sie sind im Ergebnis falsch, obwohl die einzelnen Werte korrekt sind.

Täuschen, tricksen, tarnen

Würde man sich den korrekten Effektivzins des besagten Angebots über die gesamte Laufzeit ausrechnen, käme man nämlich auf 2,88 Prozent – nach aktuellem Stand alles andere als ein Schnäppchen: Der Durchschnittszins beträgt momentan gerade einmal 2,52 Prozent.

Banken und Bausparkassen nennen diesen Gesamteffektivzins deshalb gar nicht erst. Wozu auch? Der Gesetzgeber zwingt sie nur in Verbindung mit Riester-Bausparverträgen dazu, den Gesamteffektivzins auszuweisen. Bei klassischen Bausparverträgen hingegen ist Schweigen erlaubt.
Wenn man dann noch weiß, dass viele Bausparkassen ihren Vermittlern für solche Modelle 1,5 Prozent Provision plus ein Prozent Abschlussgebühr bezahlen, ist es nicht verwunderlich, dass ein wahres Heer von Vertretern unterwegs ist, das dieses Kombimodell favorisiert.

Wie das System zulasten der Kunden funktioniert, belegt eine aktuelle Offerte der Signal Iduna. Sie gewährt ihren Vermittlern für Annuitätendarlehen 1,5 Prozent und für KfW-Darlehen 0,75 Prozent Provision. Ein Durchschnittswert. Richtig rentabel wird es für den Vermittler / Vertreter erst mit dem Zusatzgeschäft Bausparvertrag . Der bringt nochmal ein Prozent extra.

Bei einer Darlehenssumme von 400 000 Euro verdient der Vermittler so – fast ohne Mühe –satte 10 000 Euro. Anders ausgedrückt: Die Branche bereichert sich derzeit auf Kosten ihrer Baufinanzierungskunden, weil diese schnell unterschreiben wollen, bevor die Zinsen weiter steigen.

Eile mit Weile

Unser Tipp: Lassen Sie sich von geschäftstüchtigen Beratern nicht verunsichern und nehmen sie sich ein paar Minuten Zeit, um die Zinsvergleiche der FMH-Finanzberatung zu nutzen. Hier ist in die jeweiligen Konditionen ein Prozent Provision eingearbeitet- damit sollten seriöse Anbieter zufrieden sein. Provisionsmaximierende – und damit unvorteilhafte – Modelle tauchen im Vergleich unter den Top-Anbietern hingegen meist nicht auf.

Wichtig: Sie können davon ausgehen, dass unsere ausgewiesenen Zinsen auch umgesetzt werden, denn die Banken nennen uns alle relevanten Auf- und Abschläge. Sollten Ihnen eine Bank dennoch einmal ein anderes Angebot unterbreiten, als unser Vergleich ausweist, würden wir das Institut sofort auffordern, unsere Datenbank dementsprechend zu aktualisieren. Wir legen größten Wert darauf, dass Sie sich auf unserer Berechnungsergebnisse verlassen können.