EZB-Entscheidung

Frankfurt 21.06.2014 –– Die EZB hat die Leitzinsen gesenkt – da werden Baudarlehen noch günstiger: So stellen sich viele Laien das Geschehen am Zinsmarkt vor. Doch die Hypothekenzinsen hängen vor allem davon ab, ob die Anleger höhere Inflation erwarten oder nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Anfang Juni eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, mit denen sie die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln will. Dazu gehören neben der Leitzinssenkung auf 0,15 Prozent auch längerfristige und extrem günstige Darlehen an Banken vor allem in Südeuropa, wenn diese wiederum Kredite an Unternehmen vergeben. Erklärtes Ziel der Notenbanker: Sie wollen die Inflationsrate in Richtung ihrer Zwei-Prozent-Zielmarke anheben, um eine Deflation zu verhindern. Der Hintergedanke dürfte sein, dass ein solches Absinken des allgemeinen Preisniveaus den notwendigen Schuldenabbau in den Staaten der Euro-Peripherie erschwert, wenn nicht gar verhindert.

Inflationsrate bestimmt den Zins

Sollte die Inflationsrate tatsächlich steigen, werden die Kapitalanleger in Deutschland sich nicht mehr mit Renditen von derzeit 1,3 Prozent für die zehnjährige Bundesanleihe oder mit 1,6 Prozent für Pfandbriefe mit ebenso langer Laufzeit begnügen, sondern eine höhere Verzinsung fordern. Und der Marktmechanismus wird dafür sorgen, dass sie sie bekommen. Denn sofern der Geldbedarf des Staates höher ist als die Kauflust der Marktteilnehmer, werden die Zinsen klettern, bis sich Angebot und Nachfrage auspendeln. Wann genau dieses Gleichgewicht erreicht wird, kann natürlich niemand sagen. Sicher ist jedoch, dass in diesem Fall die langfristigen Zinsen und mit ihnen die Hypothekenzinsen steigen werden.

Gleiche Fristen sorgen für Sicherheit

Dieser Zusammenhang zwischen langfristigen Anlage- und Hypothekenzinsen ist durch die Refinanzierung der Baudarlehen in Deutschland bedingt. Die Banken nehmen einen Gutteil dieses längerfristigen Kreditvolumens am Kapitalmarkt auf und müssen daher die Zinsen für Bauherren erhöhen, wenn ihre eigenen Kapitalkosten steigen. Nur diese Art der Finanzierung – im Fachjargon „Fristenkongruenz“ genannt – ermöglicht es den Banken, Darlehen mit zehn- oder gar 20-jähriger Zinsbindung zu vergeben, ohne selbst allzu große Risiken einzugehen. Die Alternative dazu wären Darlehen mit variablen Zinsen, die etwa in angelsächsischen Ländern weit verbreitet sind.

Irak- und Ukraine-Krisen drücken noch die Zinsen

Auch ein Nachlassen der Spannungen im Irak und in der Ukraine könnte die Zinsen steigen lassen: Derzeit streben die Kapitalanleger wegen der dortigen Krisen verstärkt nach Sicherheit, die sie etwa in deutschen oder US-Staatsanleihen finden, und nehmen dafür geringere Zinsen in Kauf. Sollte sich die Lage in diesen Regionen zum Besseren wenden, dürfte auch die Nachfrage nach diesen Staatsanleihen zurückgehen. Kommt es dann nicht zu einem Ausgleich etwa durch Banken, die mit frischem Geld der Zentralbank erneut Staatsanleihen kaufen, könnte auch dies für leichten Aufwärtsdruck bei den Zinsen sorgen.

Glaubt der Markt an den Erfolg der EZB, steigen die Zinsen

Fazit: Entgegen der landläufigen Meinung entscheiden nicht die Leitzinsen darüber, ob die Hypothekenzinsen sinken oder steigen, sondern die Inflationserwartungen der Kapitalanleger. Gehen diese von einer zunehmenden Geldentwertung aus, werden sie dafür eine Entschädigung in Form höherer Zinsen verlangen. Da die EZB ausdrücklich eine im Vergleich zur Gegenwart höhere Inflationsrate von zwei Prozent anstrebt, könnte dies die Hypothekenzinsen leicht steigen lassen, wenn der Markt an den Erfolg der Notenbank glaubt.