Hausfinanzierung: Renditen von Fonds und Police oft höher als Zins

Frankfurt 15.04.2013 –– Soll man bei der Hausfinanzierung den Eigenanteil auf Biegen und Brechen erhöhen, um die Darlehenssumme so niedrig wie möglich zu halten? Diese Frage würden viele Immobilienkäufer, aber wohl auch einige Experten mit Ja beantworten. Unser jüngster Beitrag zeigte, dass ein solches Vorgehen im Falle von Ersparnissen auf dem Bankkonto zwar Vorteile hat, aber auch Nachteile aufweist. Letzteres gilt erst recht für Überlegungen, Anteile von Investmentfonds oder die Lebensversicherung zu verkaufen.

Die meisten Anleger sind enttäuscht darüber, dass Investmentfonds in den vergangenen Jahren nicht so abgeschnitten haben wie erhofft. Und auch Lebensversicherungen sind als Altersvorsorge spätestens dann ins Gerede gekommen, als der Garantiezins auf den Sparanteil auf 1,75 Prozent gesenkt wurde.

Verschenken Sie keine steuerfreien Erträge!

Gleichwohl sprechen etliche Argumente gegen die vorzeitige Vertragsauflösung – vor allem dann, wenn die Fonds vor Start der Abgeltungssteuer (1. Januar 2009) oder die Police vor dem Beginn der Ertragsbesteuerung von Lebensversicherungen (1. Januar 2005) erworben wurden. Denn in beiden Fällen sind die Erträge, die diese Sparanlagen in den kommenden Jahren noch erwirtschaften werden, zu 100 Prozent steuerfrei. Wer jetzt kündigt und später erneut anspart, muss diese Erträge versteuern.

Sechs Prozent im Jahr sind durchaus möglich

Zudem fährt derjenige, der das Fondsportfolio hält, auf lange Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit weit besser als derjenige, der alles in die Immobilie steckt. Greifen wir dazu auf das Rechenbeispiel aus dem vorhergehenden Beitrag zurück. Demnach steht unser Kreditnehmer vor der Wahl, 70.000 oder 50.000 Euro als Eigenmittel zu verwenden und 20.000 Euro im Fondsportfolio zu lassen. In den vergangenen Jahrzehnten brachte ein gut gestreutes Portfolio mit günstigen Indexfonds eine annualisierte Rendite von sechs Prozent, wie die unabhängige Fondsratingagentur Morningstar ermittelt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in Zukunft solche Renditen erzielt werden können, ist groß aber nicht garantiert.

Barwert beim Fondssparer ist um 18.000 Euro höher

Bei sechs Prozent Rendite würde die Fondsanlage von 20.000 Euro innerhalb von 20 Jahren auf gut 64.000 Euro ansteigen. Zinst man diesen Betrag mit einem Kalkulationszins von drei Prozent auf die Gegenwart ab, ergibt sich ein Barwert von 35.500 Euro. Zum Vergleich: Der Kreditnehmer im vorigen Beitrag erreichte mit seinen monatlichen 110 Euro lediglich 17.325 Euro. Der Fondssparer ist also mit über 18.000 Euro im Vorteil!

Policen mit 3,5 % bringen mehr als Eigenmittel-Aufstockung

Bei Lebensversicherungen gibt es für Altverträge einen Garantiezins auf die Kapitalanlage von immerhin noch 3,5 oder vier Prozent. Wer eine Police mit 3,5 Prozent abgeschlossen, erwirtschaftet in den nächsten 20 Jahren garantiert einen Barwert von 22.000 und liegt damit immerhin fast 5.000 Euro vor dem Banksparplan, sodass ein Verkauf auch in diesem Fall nicht sinnvoll erscheint.

Fazit: Wenn Sie Barmittel haben, die Sie bequem als Eigenanteil einsetzen können, sollten Sie das unbedingt tun. In einer Phase der Niedrigzinsen ergibt es jedoch wenig Sinn, sich dieses Geld vom Munde abzusparen oder deswegen gar langfristig rentable und eventuell steuerfreie Sparverträge zu beenden oder zu plündern.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung