Hypothekenzinsen nach der US-Wahl

Frankfurt 18.11.2016 –– Nach der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten sind in den USA die langfristigen Zinsen gestiegen. Doch nicht nur dort! Auch in Deutschland haben die Anleiherenditen zugelegt – und mit ihnen die Hypothekenzinsen. Wie geht es nun weiter?

Der überraschende Wahlsieg Donald Trumps zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten hat nicht nur viele Medien und Politikexperten auf dem falschen Fuß erwischt. Die Finanzmärkte mussten sich ebenfalls auf neue Fakten einstellen, was diesmal noch schneller ging als beim Brexit am 23. Juni: Nach dem Ausverkauf bei Aktien und dem Ansturm auf Staatsanleihen und Gold am Morgen notierten die Aktienmärkte bereits am Abend desselben Tages deutlich höher, während die Anleger Anleihen und Edelmetalle aus den Depots warfen. Für Staatsanleihen stiegen damit die Renditen deutlich – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland.

Hypothekenzinsen hängen an den Anleihen

Bauherren sollten auf diese Entwicklung achten, denn: Die Hypothekenzinsen richten sich nach den Renditen für Pfandbriefe – und diese wiederum nach den Renditen für Bundesanleihen. In der Tat sind die Hypothekenzinsen, wie wir sie in unserem repräsentativen FMH-IndeX erfassen, nach der US-Wahl ordentlich gestiegen: Am 1. November lag der Indexzins über 10 Jahre fest bei 1,09 % – am 15. November indes waren es schon 1,18 %. Das entspricht einem Anstieg von fast einem Zehntel. Nicht ganz so prägnant, aber im Abstand identisch, stieg der Indexwert für Baugeld über 20 Jahre fest von 1,74 auf 1,83 %.

Viele Banken erhöhen Zinsen für Baugeld

Hinter dem Indexanstieg steht eine breite Bewegung. Am 15. November hatten fast 20 Banken die Zinsen über die komplette Palette der von uns untersuchten Laufzeiten – 5, 10 und 15 Jahre – erhöht. Kurz darauf hob Allianz Leben die Darlehenszinsen in allen Laufzeiten um 0,25 Prozentpunkte an. Auch der Platzhirsch ING-DiBa setzte die Zinsen durch die Bank um 0,2 % herauf. Sechs weitere Kredithäuser erhöhten die Zinsen in einzelnen Laufzeiten. Nach unseren Informationen werden sich alle weiteren Banken und Versicherungen anschließen, sodass der FMH-IndeX für Hypothekenzinsen in den kommenden Tagen weiter steigen sollte.

Wer kühl kalkuliert, finanziert am besten

Stellt sich die Frage: Sollten Bauherren und alle, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, jetzt möglichst schnell ihr (Forward-)Darlehen unter Dach und Fach bringen, um der befürchteten Zinswende zuvorzukommen? Aus unserer Sicht sprechen drei gute Gründe gegen zu viel Eile. Erstens ist nicht ausgemacht, dass wir jetzt die oft erwartete Zinswende erleben. Genauso plausibel ist die Annahme, dass wir wie im Frühjahr 2015 einen temporären Zinsanstieg erleben, der später in sich zusammenbricht. Zweitens erhöhen viele Banken die Hypothekenzinsen nicht in dem Maße, wie sich die Anleihen der entsprechenden Laufzeit verteuern. Dies ist möglich, weil die Institute die Kredite über mehrere, auch kürzere Laufzeiten hinweg refinanzieren.

So halbieren Sie die Hypothekenzinsen

Drittens aber sind die Zinsspannen so groß, dass es sinnvoller ist, nach den günstigsten Darlehen zu forschen als zu versuchen, die Zinswende zu „timen“. Unser Hypotheken-IndeX Stand 17.11.2016 zeigt: Über 5 Jahre fest kostet das günstigste im FMH-IndeX erfasste Darlehen 0,59 %, das teuerste 1,53 %; über 10 Jahre reicht die Zinsspanne von 0,80 bis 1,84 %. Bei einer Zinsbindung von 15 Jahren können Häuslebauer 2,26 % oder nur 1,34 % im Jahr zahlen; bei 20 Jahren reicht die Spannbreite von 1,54 % bis 2,56 %. Unterm Strich kann man sagen: Zwischen günstigen und teuren Darlehen liegt ein ganzer Prozentpunkt. Unser Fazit: Wer sich um eine günstige Finanzierung bemüht, muss sich um eine Zinswende fast keine Gedanken machen.