Hypothekenzinsen: Wird es demnächst noch günstiger?

Frankfurt 03.01.2012 –– Der Jubel an den Börsen war groß, als die EU ihren neuen Rettungsschirm EFSF über Griechenland aufspannte. Doch nur wenige Tage danach endete die Euphorie abrupt: Vielen Anlegern dämmerte wohl, dass die Schuldenkrise auf dem Alten Kontinent keineswegs vom Tisch ist – zumal die Griechen nun darüber abstimmen werden, wie sehr sie sparen wollen. Größter Profiteur der Verunsicherung sind erneut Schuldtitel des deutschen Staates und Pfandbriefe. Für Immobilienkäufer ist dies ein gutes Zeichen, denn die Bauzinsen könnten jetzt ein neues Allzeittief erreichen.

In der seit mehreren Jahren andauernden Finanzkrise konnte man sich bisher auf eines verlassen: Ist die Verunsicherung der Anleger groß, gehen die Zinsen und Renditen für deutsche Bundesanleihen und Pfandbriefe auf Tauchstation. Auch jetzt gelten Staatspapiere aus Berlin trotz der immer größer werdenden Haftungsrisiken für EU-Partnerländer wieder als erste Wahl. Was sonst sollten Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen in Europa auch kaufen, wenn sie gezwungenermaßen Wert auf hohe Sicherheit legen (müssen)?

Erst sinkt die Umlaufrendite, dann folgen die Bauzinsen

Die hohe Nachfrage nach Bundesanleihen und Pfandbriefen drückt naturgemäß die Zinsen bzw. Renditen, die Anleger mit diesen Papieren einstreichen können. Doch was die einen ärgert, freut die anderen, denn die niedrigere Verzinsung der Anleihen und Pfandbriefe führt in aller Regel auch zu niedrigeren Hypothekenzinsen.

Wer die Entwicklung von Umlaufrendite und Bauzinsen in Schaubildern vergleicht, dürfte große Mühe haben, die sehr ähnlich verlaufenden Kurven zu identifizieren, sofern diese ohne die Angabe der Zinshöhe abgebildet werden. So erreichte die Umlaufrendite im Juni 2008 mit 4,8 Prozent ein Hoch, dem wenige Tage darauf ein Hoch bei den Bauzinsen folgte, wie aus dem repräsentativ ermittelten FMH-IndeX hervorgeht. Ende August 2010 markierte die Umlaufrendite bei 1,8 Prozent einen Tiefpunkt – und wenige Tage später erreichten die Hypothekenzinsen ihr bisheriges Tief.

Bauzinsen dürften wohl bald nachziehen

Und nun? Ende September fiel die Umlaufrendite im Zuge der Griechenland-Tragödie auf ein neues Allzeittief bei 1,5 Prozent, auch die Zinsen für Hypothekendarlehen haben ihr Tief aus dem Jahr 2010 laut FMH-IndeX für ein paar Tage ganz knapp unterboten. Folgen die Bauzinsen dem etablierten Muster, sollten sie in Kürze ebenfalls neue Allzeittiefs erreichen. Das bedeutet: Die 15-jährigen Darlehenszinsen dürften unter das Niveau von 3,55 Prozent fallen, die zehnjährigen Darlehen für weniger als 3,18 Prozent zu haben sein.

Unterstützung für eine solche Entwicklung dürfte auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) kommen. Die Notenbank wird auf Grund der Sorgen um eine Rezession und wegen des nachlassenden Inflationsdrucks wohl kaum eine Zinserhöhung beschließen. Eher könnte die EZB unter ihrem neuen Präsidenten Draghi bald die Zinsen senken. Auf jeden Fall besteht wenig Anreiz, das in Anleihen investierte Geld in kurzfristige Anlagen umzutauschen, wenn die Zinsen gleichbleiben oder gar sinken – in beiden Fällen dürften die Anleiherenditen beziehungsweise Bauzinsen niedrig bleiben.

In Ruhe prüfen und dann entscheiden

Fazit: Immobilienkäufer in spe sowie Bauherren, die eine Anschlussfinanzierung benötigen, könnten schon in Kürze noch günstigere Finanzierungskonditionen vorfinden als bisher. Der Abschluss eines Forward-Darlehens unter Zeitdruck ist daher ebenso wenig geboten wie die übereilte Prolongation eines laufenden Kredits. Wer ein Darlehen aufnehmen oder verlängern will, sollte vielmehr jetzt in aller Ruhe nach guten Anbietern suchen und sich so für einen vorteilhaften Abschluss rüsten.
Um die oft unterschiedlichen Konditionen von Banken und Vermittlern objektiv miteinander zu vergleichen, können Sie den FMH-Rechner „Angebotsvergleich“ nutzen.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung