Frankfurt 03.06.2013 –– Glücklich, wer vor Kurzem ein Hypothekendarlehen bei einem guten Anbieter abgeschlossen hat: Für 10 Jahre fest zeigte unser repräsentativer FMH-IndeX einen Durchschnittswert von nur 2,31 Prozent an – und damit den tiefsten Wert seit Bestehen des Hypothekenbarometers. Seither sind die Zinssätze leicht gestiegen, doch von einer Trendwende kann keine Rede sein. Wer in Kürze eine Immobilie kaufen will, sollte sich daher zu keinem Abschluss drängen lassen. Wichtiger ist die Suche nach einem günstigen Anbieter.

Mitte Mai markierte der FMH-IndeX für Hypothekendarlehen, der die Zinsentwicklung von 40 ausgewählten Instituten aus allen Bankengruppen abbildet, ein Allzeittief bei den beliebtesten Laufzeiten: Fünfjährige Darlehen waren für 1,75 Prozent und zehnjährige Kredite für 2,31 Prozent zu haben. 15-jährige Darlehen wurden mit 2,87 Prozent verzinst. Im Zuge der Zypern-Krise war erneut viel Geld in den sicheren Hafen der Bundesanleihen und deutschen Pfandbriefe geflossen, was deren Renditen – und damit den Zins für Hypothekendarlehen – drückte.

Banken nutzen Zinsanstieg als Verkaufsargument

Inzwischen sind die Hypothekenzinsen leicht gestiegen; einzelne Institute haben um 0,1 Prozentpunkte erhöht. Für so manchen Banker ist der moderate Zinsanstieg ein willkommener Anlass, um Interessenten zum Vertragsabschluss zu bewegen – getreu dem Motto: Wer das Darlehen jetzt nicht abschließt, riskiert, dass es in wenigen Wochen noch teurer wird. Ähnlich argumentiert die Branche bei den Forward-Darlehen, mit denen sich Kreditnehmer die Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern können.

Hypothekenzinsen dürften tendenziell niedrig bleiben

Ob es so kommt, ist jedoch fraglich. Zum einen haben die weltweit relevanten Notenbanken nicht nur die kurzfristigen Zinsen auf fast null Prozent gesenkt. Durch den massiven Kauf von Staatsanleihen tun sie auch alles, um die längerfristigen Zinsen möglichst niedrig zu halten. Sollte zudem in der Europäischen Union ein neuer Krisenherd aufflammen – Stichwort Slowenien –, wird voraussichtlich verstärkt Kapital in deutsche Pfandbriefe und Staatsanleihen fließen. Diese Faktoren sollten dafür sorgen, dass Zinsanstiege sehr moderat verlaufen.

Enorme Zinsunterschiede zwischen den Anbietern

Zum anderen stellen die Zinsunterschiede zwischen einzelnen Anbietern den jüngsten Anstieg weit in den Schatten. So beträgt die Zinsdifferenz für ein 15-jähriges Darlehen bei einem Kreditbetrag von 150.000 Euro, 80 Prozent Beleihung und zwei Prozent Tilgung zwischen dem erst- und letztplatzierten Anbieter (Platz 65) in unserem Hypotheken-Vergleich einen Prozentpunkt. In harter Währung entspricht dies einem Unterschied von 122 Euro im Monat. Über 15 Jahre hinweg zahlt der Kunde bei der Bank mit der roten Laterne damit 22.391 Euro mehr als beim Spitzenanbieter, wenn die Zinsersparnis in eine erhöhte Tilgung investiert wird.

Nutzen Sie den Zinsvergleich der FMH-Finanzberatung!

Wer sich unsicher ist, ob er das ihm vorliegende Angebot unterschreiben soll, weil der Banker mit höheren Zinsen „droht“, könnte vorher nochmals den Hypotheken-Vergleich der FMH-Finanzberatung nutzen. Wer dort fündig wird, sollte gleich beim ersten Kontakt mit der neuen Bank klären, zu welchem Zeitpunkt die angebotenen Zinsen gelten werden – bei manchen Häusern ist dies zum Zeitpunkt der Antragstellung der Fall, bei anderen Instituten erst bei verbindlicher Darlehenszusage durch die Bank. Auch ist zu überlegen, ob das eventuell bessere Bankangebot den erneuten Aufwand lohnt, der mit der Beantragung eines Darlehens verbunden ist.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung