Bei Hypotheken ist noch kein Trendwechsel in Sicht

Frankfurt 03.01.2012 –– Wohin werden sich in den nächsten Monaten die Zinsen für Hypothekendarlehen bewegen? Diese Frage stellen sich derzeit wohl alle, die mit dem Kauf oder Bau einer Immobilie liebäugeln. Und das sind nicht gerade wenige. Schließlich sorgt die Angst vor einem Zerfall der Währungsunion dafür, dass Immobilien als schützender Sachwert begehrt sind. Dass dürfte auch so bleiben, denn: Die Schuldenkrise der Europäischen Union und die schwächelnde Konjunktur werden die Zinsen für Baudarlehen in den kommenden Monaten vermutlich stagnieren oder sogar noch etwas sinken lassen.

Die bisherigen beiden Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen deutlich: Die Notenbank fürchtet eine Rezession im Euro-Raum derzeit mehr als einen Anstieg der Inflation. In der Tat weisen einige verlässliche Frühindikatoren darauf hin, dass sich das Wachstum beim bisherigen Konjunktur-Zugpferd Deutschland abschwächen wird. So rechnet etwa die OECD nach dem steilen Anstieg der Industrieproduktion in den beiden vergangenen Jahren nun mit einen Rückgang um bis zu fünf Prozent hierzulande. Andere Länder, vor allem aus der EU-Peripherie, befinden sich bereits in der Rezession oder stehen kurz davor. Gut möglich daher, dass die EZB 2012 die Leitzinsen noch weiter senken wird.

Konjunktur erlahmt, Schuldenkrise drückt

Nun haben die Leitzinsen keinen (unmittelbaren) Einfluss auf die langfristigen Anlagezinsen. Gleichwohl signalisieren die Zinssenkungen: Die Notenbanker halten den Inflationsdruck für gering. Daher werden sich Kapitalanleger mit geringeren Zinsen zufriedengeben, als wenn die Inflationserwartung höher wäre. Auch die Schuldenkrise der EU dürfte die Zinsen weiter unter Druck setzen: Solange die Europäer keine dauerhafte und effektive Lösung dafür finden, werden deutsche Staatsanleihen insbesondere bei Großanlegern weiter hoch im Kurs stehen – mit dem Ergebnis, dass die Renditen wegen der hohen Nachfrage auf niedrigem Niveau verbleiben oder gar noch etwas sinken.

Noch tiefere Zinsen für Hypothekendarlehen sind möglich

Das wird nicht nur den Bundesfinanzminister freuen, sondern auch so manchen angehenden Bauherren beziehungsweise alle, die bald eine Anschlussfinanzierung benötigen. Denn der Druck auf die langfristigen Anlagezinsen dürfte auch dazu führen, dass die Hypothekenzinsen noch eine Weile niedrig bleiben. Derzeit bewegen sich die Zinsen für 10- und 15-jährige Baudarlehen, wie wir sie in unserem repräsentativen FMH-IndeX abbilden, mit 3,19 und 3,68 Prozent fast auf ihrem Tiefstand seit Beginn unserer Datenerhebungen im Jahr 1980. Daran wird sich meines Erachtens substanziell erst etwas ändern, wenn zum einen die Konjunktur anzieht und zum anderen sich die Situation in Europa stabilisiert.

Ratenkredite: Konkurrenz sorgt für niedrige Zinsen

Von den Zinsmanövern der EZB werden die Verbraucherkredite kaum tangiert, denn die meisten Banken refinanzieren sich über Kundengelder. Die seit Jahren anhaltende Tendenz zu weiter sinkenden Zinsen dürfte sich jedoch auch bei den Ratenkrediten fortsetzen. Ursache dafür ist die wachsende Konkurrenz, die sich aus der einfacheren Beantragung und Abwicklung dieser Kredite ergibt. Derzeit bewegt sich der über den FMH-IndeX ermittelte Zins für dreijährige Ratenkredite bei 7,03 Prozent. Bei Verbraucherkrediten über fünf Jahre verlangen die im Index erfassten 33 Banken im Schnitt einen Zins von 7,27 Prozent – auch das sind Tiefstwerte seit Beginn unserer Ratenkredit-Erhebung im Jahr 1995. Damals lagen die Zinsen für Verbraucherkredite bei etwa 13 Prozent im Jahr.

Wer sichergehen will, dass er nicht mit einem schlechten Angebot „über den Tisch gezogen wird“, kann die Zinsvergleiche der FMH-Finanzberatung nutzen. Hier finden sich nur Anbieter, die ihre Konditionen selbst für wettbewerbsfähig genug halten, um sich dem offenen Vergleich zu stellen – beim Baugeld wie auch bei den Ratenkrediten.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung