Mehr Flexibilität – weniger Steuern

Frankfurt 09.01.2015 –– Sparbriefe gelten als risikoarme und vergleichsweise lukrative Geldanlage. Das passende Produkt ist aber nicht einfach zu finden. Welche Punkte Anleger bei ihrer Entscheidung auf jedem Fall berücksichtigen sollten

Sicherheit bei ordentlichen Zinsen – mit Sparbriefen lassen sich diese Ziele auch in schwierigen Zeiten verwirklichen. Dafür allerdings müssen Anleger ihr Geld für einen bestimmten Zeitpunkt fest anlegen. Und wer es schafft, eine Rendite zu erzielen, die jenseits der Freibeträge von 801 Euro für Singles (1602 Euro für Eheleute) liegt, reicht einen Teil der Zinsen auch noch ans Finanzamt durch: Zu zahlen sind dann 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag plus eventuell Kirchensteuer von acht bis neun Prozent – je nach Bundesland.

Sparer, die den Fiskus kleinhalten und halbwegs flexibel bleiben wollen, sollten bei der Wahl des passenden Sparbriefs daher sehr genau hinschauen.

Viel Verwirrung und wenig Spielraum

Unklar ist oft schon, welche Produkte überhaupt als „Sparbrief“ gelten. Viele Banken verwenden den Begriff für alle Anlageformen mit Laufzeiten von sechs Monaten oder mehr. Andere Anbieter bezeichnen ihre länger laufenden Geldanlagen als „Festgeld“. Wir sprechen in unserem Zinsvergleich daher von “langfristigen Geldanlagen”, um keine Gestaltungsform auszuschließen.

Je länger die Anlagezeit, desto höher sind in der Regel die Zinserträge. Angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase scheuen sich die meisten Sparer jedoch, ihr Geld für fünf oder gar zehn Jahre festzulegen. Der Grund: Wenn in den kommenden Jahren die Zinsen wieder steigen, wäre es misslich, sich weiterhin mit den aktuellen Erträgen bescheiden zu müssen.

Eine gewisse Zurückhaltung ist überdies geboten, weil die Produkte eher unflexibel sind. Kunden dürfen vor Laufzeitende den Vertrag nicht kündigen. Wer vorzeitig an sein Geld muss, kann den Sparbrief zwar beleihen – die Zinsen hierfür sind in der Regel aber höher als die, die dem Sparbrief gutgeschrieben werden. Die Beleihung empfiehlt sich daher nur in ausgesprochenen Notfällen.

Chancen und Risiken von Auslandsanlagen

Portugal, Bulgarien und einige andere osteuropäische Banken bieten in Deutschland zurzeit attraktive langfristige Zinsen. Doch ist das Geld dort wirklich sicher?

Wer der europäischen Einlagensicherung von 100.000 Euro vertraut, kann derzeit mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Gemeinschaft einem Land mit weniger Kapitalkraft unter die Arme greifen würde, wenn dieses für einen Bankkonkurs gerade stehen müsste. Ob die EU aber auch in fünf oder gar zehn Jahren noch im aktuellen Rahmen besteht, weiß niemand mit Gewissheit. Eine gewisse Skepsis bei ausländischen Anlagen ist also durchaus angebracht.

Vielfältige Möglichkeiten

Wer sich unserem Sparbriefrechner im Bereich “langfristige Anlagezinsen” ansieht, stellt fest, dass die Ergebnisse nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Um sich die Arbeit zu erleichtern, können Sie in der Detail-Analyse wählen, nach welcher Anlageform Sie die Ergebnisse sortieren wollen.

Folgende Möglichkeiten gibt es:

  • Variante eins: Jährliche Zinsauszahlung = ausschüttende Sparbriefe
    Die häufigste Gestaltung. Die Zinsen werden jährlich ausgezahlt, die Höhe der Geldanlage bleibt unverändert. Der Vorteil: Da Kapitalerträge bis 801 (1602) Euro steuerfrei bleiben, müssen bei einem Zinssatz von zwei Prozent mehr als 40.000 Euro angelegt werden, um ein paar Euro Steuern abführen zu müssen. Hinweis: Wir unterstellen jedoch in unserem Sparbrief-Vergleich, dass der Freibetrag schon anderweitig ausgeschöpft wurde.
  • Variante zwei: Thesaurierende Anlage = thesaurierende Sparbriefe
    In dieser Konstellation werden die Zinsen nicht jährlich ausgezahlt, sondern dem Sparbrief gutgeschrieben und im Folgejahr wieder mitverzinst. Das Anlagekapital wächst somit im Lauf der Zeit leicht an. Optisch ist das sehr schön und auch ideal für alle, die sich nicht so gern mit Geldanlagen beschäftigen. Der Nachteil ist die zu zahlende Steuer. Wer 40.000 Euro für fünf Jahre zu zwei Prozent angelegt hat, bekommt am Ende 4.163 Euro Zinsen ausgezahlt. Nach Abzug der Abgeltungssteuer ohne Kirchensteuer bleiben jedoch nur 3.033 Euro. Den Rest bekommt das Finanzamt
  • Variante drei: abgezinste Sparbriefe
    In dieser Variante geben Sie der Bank vor, welche Summe Sie am Ende der Laufzeit zur Verfügung haben wollen. Sollen nach fünf Jahren zum Beispiel 40.000 Euro auf der Uhr stehen, müssen Sie bei einem Zinssatz von 1,60 Prozent nur 37.725 Euro einzahlen, wenn die Abgeltungssteuer gleich abgezogen wird.
  • Neue Varianten ausländischer Anbieter
    Seit einigen Jahren kommen auch Sparbriefangebote von europäischen Ländern auf den deutschen Zinsmarkt. Bei ihnen werden die Zinsen weder jährlich ausgezahlt noch jährlich dem Konto gutgeschrieben, sondern erst am Ende der Laufzeit dem Guthaben aufgeschlagen. Bei einem Anlagebetrag von 40.000 Euro und zwei Prozent Zinssatz bringen es Kunden nach fünf Jahren so auf 4.000 Euro – das sind 163 Euro weniger als bei einer jährlichen Zinsgutschrift.

Fazit: Sparbriefe können in der aktuellen Niedrigzinsphase ein sinnvolles Produkt sein. Kunden sollten aber auf die Anlagebedingungen achten und die Steuerpflicht nicht vergessen. Unser Vergleichsrechner kann alle diese Besonderheiten in Zahlen ausdrücken und somit die Entscheidung erleichtern.