Rentenfonds: Gefährlicher als viele denken

Frankfurt 02.05.2011 –– Etliche Anleger unterschätzen das Risiko, das eine Investition in Rentenfonds mit sich bringt. „Bei diesen Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen aus Deutschland investieren, kann es zu erheblichen Kursverlusten kommen, wenn die langfristigen Zinsen steigen", sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung. Wer Wert auf sichere Erträge durch Zins-Investments legt, ist nach seinen Worten daher mit einem Sparbrief aktuell besser beraten.

Anleger können über Rentenfonds in unterschiedliche festverzinsliche Wertpapiere investieren. So gibt es Fonds, die in Staatspapiere aus Europa oder aus Schwellenländern wie Brasilien anlegen, aber auch Produkte, die Anleihen von Unternehmen aus aller Welt mit hoher oder niedriger Bonität kaufen. In allen Fällen soll durch den Kauf mehrerer Papiere das Verlustrisiko durch den Ausfall einzelner Schuldner sinken.

Der Begriff führt viele in die Irre

„Manche Anleger kaufen Rentenfonds in der Annahme, dass es sich um ein sicheres Produkt handelt. Das ist aber eine Fehleinschätzung", sagt Max Herbst. Die Bezeichnung rührt vielmehr daher, dass früher Zinszahlungen solcher Fonds zuweilen als regelmäßige Einkommensquelle im Ruhestand dienten. „Mit einer privaten oder der gesetzlichen Rentenversicherung haben diese Fonds jedoch nichts gemein", erklärt der FMH-Inhaber.

Ausfall- und Zinsrisiko beachten!

Neben dem erwähnten Ausfallrisiko der Schuldner bergen Rentenfonds ein zum Teil erhebliches Zinsrisiko. „Dieses Risiko entsteht quasi durch das Bau-Prinzip festverzinslicher Wertpapiere", sagt Herbst. Konkret: Da die Verzinsung der Anleihen in der Regel fest ist, sinkt der Wert (Kurs) einer Anleihe, wenn die Marktzinsen steigen. Schließlich bekommen die Anleger bei neuen Anleihen für Ihr Geld nun höhere Zinsen. Folglich muss der Preis umlaufender Anleihen sinken, damit diese „mithalten" können. Sinken hingegen die Marktzinsen, steigen Wert und Kurs der Anleihe.

Höhere Zinsen = niedrigere Kurse

Die Schwankungen des Anleihekurses bei einer Änderung des Marktzinses sind umso größer, je länger die restliche Laufzeit der Anleihe ist. „Wenn die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen, geht der Kurs für jedes Jahr an Restlaufzeit um etwa ein Prozent zurück", weiß der Zinsexperte. Der Punkt ist nun: Da die Fonds stets Anleihen halten und diese aktuell bewerten müssen, führt ein Anstieg bei den langfristigen Zinsen zwangsläufig zu einem Kursverlust des Fonds. Wer in dieser Situation seine Fondsanteile verkauft, kann dann trotz Zinszahlungen ein Minus verbuchen.

Sparbriefe sind attraktiver

Der Beginn eines Zinserhöhungszyklus durch die Europäische Zentralbank (EZB) könnte nun auch die langfristigen Marktzinsen ansteigen lassen – und damit Druck auf die Anleihekurse ausüben. „Anleger wären schlecht beraten, ausgerechnet jetzt auf Rentenfonds zu setzen", sagt Herbst. Sein Tipp an alle, die an ein längerfristiges Zinsinvestment denken: Sparbriefe. Wer bereit ist, 50.000 Euro für drei Jahre anzulegen, bekommt bei einer Bank, die einem deutschen Einlagensicherungsfonds angeschlossen ist, aktuell bis zu 3,75 Prozent Zinsen. Und Anleger, die fünf Jahre auf ihr Geld verzichten wollen, können gar bis zu 4,6 Prozent einstreichen, wenn sie sich mit der staatlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Bank und Anleger begnügen – „und das ohne jedes Risiko durch Kursverluste", so Herbst.