Frankfurt 15.09.2011 –– Langfristige Anlagezinsen – Sparbriefe Vor kurzem wies der Trend bei den Sparbrief-Zinsen klar nach oben, nun kam es zu einem markanten Rücksetzer: Für eine fünfjährige Anlage zahlen die im FMH-IndeX erfassten Banken im Schnitt gut 2,8 Prozent im Jahr – nach knapp drei Prozent vor zwei Wochen. Aber findige Anleger können sich noch immer Zinsen von vier Prozent, etwa für dreijährige Sparbriefe, sichern. Alternativ oder ergänzend bieten sich Fest- und Tagesgeld an: In diesem Segment sind die Zinsen noch im Höhenflug.

Der repräsentative FMH-IndeX, der die Zinsdaten von 35 Häusern aller Bankengruppen bündelt und damit aufmerksamkeitsheischende Marketing-Aktionen ausblendet, zeigt es klar: Nach einem deutlichen Anstieg der Zinsen für fünfjährige Anlagen von 2,2 Prozent im Jahr auf drei Prozent im Juli kommt es nun zu einem spürbaren Knick in Richtung auf 2,8 Prozent. Ähnlich das Bild bei den zweijährigen Sparbriefen, wo die Verzinsung erst von 1,6 auf 2,2 Prozent stieg und sich nun knapp oberhalb der Zwei-Prozent-Marke bewegt.

Einbruch am Aktienmarkt: Das Kapital sucht Sicherheit und drückt die Zinsen

Der aktuelle Rückgang dürfte maßgeblich mit den Verwerfungen an den Finanzmärkten zu tun haben. Durch den Einbruch an den Aktienmärkten und aufgrund der Angst vor einer (weltweiten) Rezession floss viel Kapital in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Das drückt deren Renditen und bringt so die Zinsen unter Druck.

Doch wer glaubt, dass es angesichts beinahe homöopathischer Zinsen für Bundesanleihen und Schatzbriefe kaum Alternativen gibt, der irrt. Noch immer gibt es Häuser, die für einen dreijährigen Sparbrief bei einer Einlage von 10.000 Euro bis zu vier Prozent Zinsen zahlen. Zinsen in dieser Höhe gibt es etwa bei der Santander Consumer Bank sowie der Santander Direkt Bank, die beide dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken in Deutschland angeschlossen sind.

Bis zu 4,15 Prozent bei dreijähriger Anlage

Die abcbank, ein Haus aus der Kölner Region und ebenfalls Mitglied dieses Sicherungsfonds, zahlt 3,6 Prozent; bei der ebenso gesicherten Mercedes-Benz Bank kommen Anleger auf einen Jahreszins von 3,3 Prozent. Sparer, die mit der gesetzlichen Einlagensicherung der Europäischen Union in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger und Bank zufrieden sind, erhalten bei der BIGBANK mit Sitz in Estland sogar 4,15 Prozent.

Wer sich nicht über solch „lange“ Zeiträume festlegen kann beziehungsweise will oder eine Streuung der Laufzeiten anstrebt, findet beim Fest- wie auch beim Tagesgeld attraktive Angebote. So bewegt sich der FMH-Index für die Anlage von 5.000 Euro in einjährigem Festgeld derzeit bei gut 1,8 Prozent mit noch stabiler Tendenz nach oben. Auf dem Spitzenplatz finden sich mit drei Prozent gleich fünf Banken, sofern die EU-weite Einlagensicherung genügt.

Unsicherheit treibt den Tagesgeldzins hoch

Die neu aufflammende Unsicherheit am Kapitalmarkt beschert auch allen, die ein gutes Tagesgeld-Angebot suchen, interessante Optionen. Hintergrund dürfte sein, dass das Vertrauen der Banken untereinander im Zuge der EU-Schuldenkrise abnimmt, wie jüngst Jürgen Stark, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) im „Handelsblatt“ bestätigte. Die Banken lagern zunehmend Geld über Nacht bei der EZB ein, obwohl sie bei der Leihe an andere Häuser höhere Zinsen bekommen würden. Das veranlasst die Geldinstitute zunehmend, mit attraktiven Angeboten um das Geld der Sparer zu werben.

Festgeld-Effekt trotz hoher Flexibilität

Aktuell bewegt sich der Durchschnittszins der im FMH-IndeX erfassten repräsentativen Banken bei 1,59 Prozent und damit auf dem höchsten Niveau seit einem Jahr. Einzelne Anbieter, die insbesondere beim Tagesgeld gerne mit Marketingaktionen neue Kunden locken, zahlen Zinsen in Höhe von 2,6 Prozent, wenn 5.000 Euro angelegt werden. Besonders interessant: das Angebot von CortalConsors. Die Tochter der französischen BNP Paribas garantiert diesen Zins für die Dauer von zwölf Monaten. Sparer haben damit einjähriges Festgeld, bleiben aber flexibel, um von heute auf morgen die Bank zu wechseln.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung