Hypothekenzinsen 2012: Abwärts dank Euro-Krise

Frankfurt 24.12.2012 –– Wer vor einem Jahr glaubte, die Hypothekenzinsen würden nicht mehr weiter sinken, musste sich 2012 eines Besseren belehren lassen: Baugeld verbilligte sich vor allem in den ersten Monaten des Jahres deutlich. Maßgeblicher Motor hinter dem Zinsverfall war die Krise in der Peripherie der Euro-Zone. In der Folge wurde viel Kapital in deutschen Anleihen und Pfandbriefen angelegt, was die Hypothekenzinsen weiter sinken ließ. Mit der Ankündigung der Europäischen Zentralbank, gegebenenfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, ging das Tempo des Abwärtstrends zurück.

Der Blick auf den FMH-IndeX zeigt, dass die Hypothekenzinsen zwischen März und Juni besonders unter Druck gerieten. So rutschten die Zinsen für 15-jährige Baudarlehen in dieser Zeit von 3,5 auf 3,0 Prozent ab. Die Hypothekenzinsen für die am stärksten nachgefragten zehnjährigen Baudarlehen sanken von 3,0 auf 2,6 Prozent, und die fünfjährige Zinsbindung kostete im Sommer 2,2 statt bislang 2,5 Prozent.

Hypothekenzinsen 2012: Abwärts dank Euro-Krise

Der Zinssturz insbesondere bei den längeren Laufzeiten endete erst, als Spanien im Juni die Euro-Zone um finanzielle Hilfe bat (24. Juni) und EZB-Präsident Mario Draghi ankündigte, alles zu tun, „um den Euro zu retten“ (2. August). Dazu gehört auch der unbegrenzte Aufkauf von ein- bis dreijährigen Staatsanleihen der Krisenländer, wenn diese sich unter einen der Rettungsschirme begeben, die die Euro-Zone für ihre Mitglieder aufgespannt hat. In der Folge kam es im Sommer und Herbst zu einer Beruhigung der Kapitalmärkte; schließlich konnten Investoren nun davon ausgehen, dass im Notfall die EZB eingreifen würde. Nur bei der fünfjährigen Zinsbindung setzte sich der Abwärtstrend in abgeschwächtem Maße fort – vermutlich auch deswegen, weil Anleger über diesen Zeithorizont noch nicht mit einem Anstieg der Inflationsrate rechnen.

Lebensversicherer mischen den Markt auf

Immobilienkäufer, die angesichts der niedrigen Zinsen auf sehr lange Laufzeiten setzen wollten, konnten 2012 aus einer zunehmenden Zahl von Angeboten wählen. Vor allem Lebensversicherer haben den Markt mit Zinsbindungen über 20 und 30 Jahre zunehmend aufgemischt, was die FMH-Finanzberatung zum Anlass nahm, den Hypothekenvergleich um die 30-jährige Zinsbindung zu erweitern. Besonders hervor stachen dabei Hannoversche, Signal Iduna, Allianz und Generali.
Vom Engagement der Assekuranz profitieren Bauherren und Versicherer: Für Immobilienkäufer erledigt sich bei solchen Laufzeiten das Problem der Anschlussfinanzierung aller Voraussicht nach komplett. Schließlich erlauben die niedrigen Zinsen eine höhere Tilgung von zwei oder drei Prozent, was eine Finanzierungsdauer von 20 bis 30 Jahren ergibt. Und die Gesellschaften verdienen bei einer Verzinsung ihres Kapitals in Höhe von 3,3 bis 3,5 Prozent genug, um trotz der Zinsflaute am Kapitalmarkt Verpflichtungen aus den Lebensversicherungen bedienen zu können.

FMH | ZinsReport mit Prognose für 2013

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Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung