Sparbuch

Frankfurt 11.07.2014 –– Unglaublich, aber wahr: Mehrere große Sparkassen zahlen ihren Kunden fürs Sparbuch nur noch 0,05 Prozent an Zinsen. Wer 10.000 Euro anlegt, bekommt im Jahr fünf Euro gutgeschrieben. Zum Glück gibt es Alternativen zu dieser Null-Prozent-Diät.

Wer bislang glaubte, die Zinsen könnten nicht weiter sinken, wird aktuell eines Besseren belehrt. Nach der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank zeigen sich einige große Sparkassen entschlossen, das absolut untere Ende der Fahnenstange auszuloten. So haben die Stadtsparkassen München, Mainz und Osnabrück den Zinssatz fürs Sparbuch auf 0,05 Prozent gesenkt. Noch mehr „Mut“ bewies die Stadtsparkasse Augsburg, die mikroskopische 0,01 Prozent „gutschreibt“. Das entspricht einem Zinsertrag von zehn Cent fürs ganze Jahr, wenn der Anleger 1.000 Euro auf dem Sparbuch belässt! Man fragt sich, wann die Kunden Zinsen fürs Sparbuch zahlen dürfen…

Bei den Dispozinsen halten sich Sparkassen nicht zurück

In auffälligem Kontrast dazu stehen die Zinssätze, die diese öffentlich-rechtlichen Banken etwa bei Dispokrediten kassieren. Hier ist von Zurückhaltung wenig zu spüren: Die Augsburger verlangen 10,5 Prozent. In Osnabrück will man 11,5 Prozent, und in Mainz bittet man die Schuldner sogar mit einem Zinssatz von 12,42 Prozent zur Kasse. Hinzu kommen üppige Vergütungen, zum Beispiel für die Kontoführung oder die Nutzung von Kreditkarten. Auch wer sein Wertpapierdepot bei einer Sparkasse führt, weiß von hohen Kosten ein Lied zu singen.

Sparkassen sanieren sich auf Kosten der Kunden

Die Sparkassen und ihre Verbände tun viel, um den Sparern zu vermitteln, dass allein die EZB für solche mickrigen Sparbuchzinsen verantwortlich sei. Doch das ist nicht wahr. Wie die Beispiele zeigen, liegt die Marge zwischen Sparbuchzinsen und Dispozinsen bei diesen Banken deutlich höher als der Differenzwert nach unserem FMH-IndeX, der aktuell 9,8 Prozentpunkte beträgt. Bei den genannten Sparkassen bewegt sich diese Differenz zwischen 10,5 und 12 Prozentpunkten – die Differenz zum FMH-IndeX ist ihr im Marktvergleich höherer Verdienst. Die obigen Beispiele sind übrigens keine Einzelfälle, viele Sparkassen haben ähnliche Zinssätze. Nicht die EZB ist daher Schuld an den geringen Sparbuchzinsen, sondern die Sparkassen mit ihrem Wunsch nach möglichst hohem Gewinn.

Es gibt deutlich bessere Alternativen

Glücklicherweise muss sich niemand ein solches Gebaren bieten lassen, denn es gibt attraktive Alternativen. Wer Wert auf ein Sparbuch legt, dem wird etwa von der Merkur Bank ein Zinssatz von 1,3 Prozent geboten; die GEFA Bank zahlt 1 Prozent und CosmosDirekt immerhin 0,8 Prozent. Mit den bestverzinsten Tagesgeldkonten erzielen Sparer derzeit 1 bis 1,2 Prozent im Jahr. Und dreimonatige Festgelder – so lange ist die Kündigungsfrist für ein Sparbuch – bringen bis zu 1,3 Prozent. Wer ein Tagesgeldkonto mit einem Drei-Monats-Festgeldkonto kombiniert, kommt bei einer Anlage von 20.000 Euro im Jahr auf 250 Euro Zinsen – statt auf zehn oder nur zwei Euro!

Man muss nicht gleich „mit Sack und Pack“ wechseln

Die aktuellen Tiefststände bei den Sparbuchzinsen kommen nicht von ungefähr. Schon seit einiger Zeit tun sich Sparkassen, aber auch Volks- und Raiffeisenbanken, auf unrühmliche Art mit sehr niedrigen Zinsen von 0,15 bis 0,4 Prozent hervor. Umso unverständlicher ist, wie wenige Kunden den Anbieter wechseln. Vielleicht liegt die Zurückhaltung daran, dass die meisten glauben, sie müssten gleich alle Geldgeschäfte über die neu gewählte Bank erledigen – also auch das Girokonto wechseln, was ja einen gewissen Aufwand darstellt. Das ist jedoch nicht der Fall.

200 Euro für eine Stunde Arbeit – wo gibt‘s das sonst?

Vielmehr reicht es aus, zunächst bei einer anderen Bank ein Tages- oder Festgeldkonto zu eröffnen. Für den Antrag und die Identifizierung bei der nächsten Postfiliale benötigt man etwa eine Stunde, was bei jährlichen Mehrerträgen von 100 oder 200 Euro einen guten Stundensatz ergibt, den wohl nur die wenigsten Bürger in ihrem Beruf erreichen. Eine gute Hilfestellung bei der Auswahl der geeigneten Bank bieten unsere Tagesgeld- und Sparbuchvergleiche, bei denen Sie auch danach unterscheiden können, ob das Konto online geführt wird oder nicht.