Sparbuch trotzt Niedrigzinsen?

Frankfurt 02.01.2015 –– „Es gibt kaum Zinsen auf dem Sparbuch. Da kann ich das Sparen auch sein lassen“: Solche Argumente hört man immer öfter. Doch das ist falsch. Denn: Wer nicht spart, hat zum einen gar nichts. Zum anderen haben kleine Zinsunterschiede langfristig große Wirkung.

Man glaubt es kaum: Trotz der extrem niedrigen Verzinsung von durchschnittlich nur 0,11 Prozent liegen 511,8 Milliarden Euro auf deutschen Sparbüchern, wie die Deutsche Bundesbank ermittelt hat. Dabei ist das Sparbuch nicht nur der Favorit der Generation 55plus. Auch viele junge Menschen nutzen weiterhin das Sparbuch, das ihnen Eltern bzw. Großeltern angelegt haben. Eventuell wurde der Nachwuchs von der örtlichen Sparkasse bzw. Bank zu Geburt, Kommunion oder Konfirmation mit einem Sparbuch beglückt, um frühzeitig Kunden zu binden.

Sparbuch: Lassen Sie Ihr Geld nicht vergammeln!

Dass diese Marketingstrategie funktioniert, zeigt sich darin, dass viele junge Menschen weiter regelmäßig Geld von ihrem Girokonto aufs kaum verzinste Sparbuch überweisen. Sie glauben, dass es bei kleinen Sparbeiträgen kaum einen Unterschied macht, wie hoch die Zinsen sind. Wichtig würden Zinsunterschiede erst, wenn sie einen größeren Geldbetrag anzulegen hätten – erst dann lohnt es sich nach ihrem Dafürhalten, sich um ein besser verzinste Geldanlage zu kümmern. Doch mit dieser Annahme liegen sie daneben, wie die Zinseszins-Rechnung zeigt.

Mühelos einige hundert Euro mehr

Dazu ein Beispiel: Wer monatlich 50 Euro auf seinem Sparbuch mit einer Verzinsung von 0,25 Prozent anspart und dies 16 Jahre lang durchhält, hat am Ende ein Guthaben von 9.795 Euro und Zinsen von nur 195 Euro kassiert. Hätte sich dieser Sparer um ein Sparbuch oder ein Tagesgeldkonto mit einer Verzinsung von einem Prozent bemüht, hätte er immerhin 10.410 Euro auf dem Konto – und damit zusätzliche Zinsen von 615 Euro eingestrichen. Schon diese Rechnung mit kleineren Sparbeträgen und einem recht geringen Zinsunterschied von 0,75 Prozentpunkten zeigt: Es lohnt sich in jedem Fall, eine möglichst gute Verzinsung bei vergleichbarer Sicherheit der Geldanlage anzustreben. Schließlich haben gerade Kleinsparer wenig zu verschenken.

Indexfonds: Auf Dauer ist das richtig lukrativ

Noch viel deutlicher werden die Unterschiede bei den Erträgen, wenn unser junger Zeitgenosse bereit ist, einen Indexfonds (ETF) auf Aktien bzw. auf Aktien und Anleihen zu besparen. In diesem Fall kann er auf lange Sicht mit einer durchschnittlichen Verzinsung seiner Einzahlungen von fünf Prozent jährlich rechnen. Zwar gibt es keine Garantie, dass diese Verzinsung erreicht wird; auch ist während der Sparphase mit (starken) Schwankungen zu rechnen. Doch es bestehen sehr gute Chancen, dass unser junger ETF-Sparer mit identischer Sparquote ein weitaus höheres Guthaben als der Sparbuch-Besitzer haben wird: Beträgt der durchschnittliche Jahresertrag fünf Prozent netto (also nach Kosten), dann werden ihm nach 16 Jahren 14.579 Euro ausgezahlt – und damit 4.784 Euro mehr als der „Sparbüchler“ bekommt!

Vorzeitige Kündigung: Strafzins lässt sich verschmerzen

Fazit: Die höheren Erträge sind es wert, selbst bei kleinen Sparbeträgen nach der höchsten Verzinsung zu suchen, die sich mit dem persönlichen Risikoprofil noch erreichen lässt. Das bedeutet auch, bereit zu sein, dass geschenkte Sparbuch zu kündigen und wo anders rentabler weiter zu sparen. Bei Beträgen über 2.000 Euro greift zwar eine Kündigungszeit von drei Monaten, doch der Strafzins bei sofortiger Kündigung ist so gering, dass sich diese paar Euro angesichts der künftigen besseren Verzinsung verschmerzen lassen. Inzwischen wird dank Amazon & Co. ja alles Mögliche online gekauft. Warum sollten Sie nicht ein besser verzinstes Sparbuch, ein lukrativeres Tagesgeldkonto oder einen chancenreichen ETF online bei einer Direktbank aussuchen und ebenso beantragen? Einen objektiven Überblick über den Markt bieten Ihnen unsere Vergleichsrechner.