Tages- und Festgeld: Neue Anbieter nutzen ihre Chance

Frankfurt 12.03.2013 –– Die Tendenz bei den Anlagezinsen weist weiter nach unten. Das ist ein gutes Umfeld für Banken, die sich neu am Markt etablieren wollen: Sie können sich in den Zinsvergleichen weit vorn positionieren, ohne dafür sehr hohe Zinsen zahlen zu müssen. Jüngst haben die Renault Bank Direkt sowie die Deutsche Pfandbriefbank diesen Schritt getan.

Die Renault Bank Direkt bietet Sparern fürs Tagesgeld seit dem 18. Februar 1,85 Prozent. Mit diesem Zins platziert sich die Bank bei Neukunden, die auf Sicht von sechs Monaten planen, zwar nicht ganz an der Spitze, aber doch auf dem dritten Rang. Wüstenrot offeriert 2,0 Prozent, verringert den Zins nach Ablauf von sechs Monaten aber auf 0,75 Prozent, gefolgt von der niederländischen Bank RaboDirect mit 1,85 Prozent, die die Guthabenzinsen dem Konto monatlich gutschreibt.

Kluge Strategie der Banken

Mit der Entscheidung, hohe, aber nicht die höchsten Zinsen zu bieten, dürfte die französische Autobank gut fahren. Denn diese Strategie sichert ihr Aufmerksamkeit in den Zinsvergleichen und damit den Zufluss neuen Geldes. Gleichzeitig muss sie nicht befürchten, derart mit Barem zugeschüttet zu werden, dass sie den Zins schon kurz nach Start des Angebots nicht mehr halten kann und daher deutlich senken muss. Offenbar haben die Banken verstanden, dass ein solches Vorgehen für das Image nicht eben förderlich wäre.

Hypo Real Estate wagt Comeback

Die Deutsche Pfandbriefbank verfolgt eine ähnliche Strategie, auch wenn sie stärker an längerfristigen Anlagen interessiert ist, wie ihre Festgeld-Angebote zeigen. Unter dem Namen pbbdirekt versucht der gesunde Teil der vom Staat geretteten Hypo Real Estate, an den Markt zurückzukehren und die Basis für eine Reprivatisierung zu legen. Dass sich im Vorfeld Konkurrenten wie auch Politiker – ähnlich wie bei der IKB – abfällig über die Pläne geäußert haben, weil die Bank vom Steuerzahler gerettet werden musste, kann Anleger aus mehreren Gründen kalt lassen.

Deutsche Einlagensicherung greift

Zum einen ist die Deutsche Pfandbriefbank Mitglied im Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken. Damit sind weit mehr als 100.000 Euro pro Kunde abgesichert, was die Sorge um die Bonität der Bank in den Hintergrund treten lässt. Wir bei der FMH-Finanzberatung vertreten seit Langem die Meinung, dass es weniger auf die Kreditwürdigkeit der Bank als auf die Stabilität der Einlagensicherung ankommt. Denn im Fall einer Bankenpleite muss ohnehin der Staat bzw. der Sicherungsfonds eingreifen.

Vernünftige Zinsen, keine Kampfangebote

Zum anderen tritt die pbbdirekt keineswegs mit unhaltbaren Kampfzinsen am Markt auf. Vielmehr platziert sie sich bei Festgeld-Laufzeiten von 12, 24 und 36 Monaten jeweils unter den ersten fünf Anbietern mit erweiterter deutscher Einlagensicherung. So liegen die Zinsen für ein Jahr bei 1,5 Prozent, für zwei Jahre bei 1,75 und für drei Jahre bei 2,0 Prozent. Unseres Erachtens sind dies vernünftige Angebote, die wir auch gern von jenen Sparkassen und Volksbanken sähen, die gegen angebliche Kampfzinsen wettern.

Autor: Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung