Attraktive Tagesgeldzinsen

Frankfurt 31.07.2015 –– „Da kann ich das Geld auch unter die Matratze legen“: Solche Sprüche hört man wegen der Niedrigzinsen immer öfter, doch wahr werden sie deshalb nicht. Denn bei Top-Banken lassen sich jährlich ein paar hundert Euro an Zinsen verdienen.

Rund 5,2 Billionen Euro haben die Bundesbürger nach der neuesten Erhebung der Deutschen Bundesbank auf die hohe Kante gepackt. Der Großteil dieses Geldes liegt auf Sparbüchern sowie auf Giro- und Tagesgeldkonten oder steckt in Lebens- bzw. Rentenversicherungen. Nur einen geringen Teil haben die notorisch risikoscheuen Deutschen in Wertpapieren angelegt. Rein statistisch betrachtet verfügt damit jeder Bundesbürger über ein Geldvermögen von 64.000 Euro, Sachvermögen wie Immobilien nicht eingerechnet.

Auf den Realzins kommt es an

Wer diese hypothetischen 64.000 Euro unter die Matratze packen will, dürfte sich nicht nur wegen der Dicke der Euro-Banknoten schwer tun. Der Sparer riskiert auch, dass ihm das Geld bei einem eventuellen Wohnungseinbruch abhanden kommt. Und er verzichtet komplett auf Zinsen, die beim obigen Betrag selbst im aktuellen Marktumfeld leicht 300 bis 600 Euro im Jahr ausmachen können. Denn: Trotz vieler Hausbanken, für die selbst 0,1 Prozent Zinsen schon fast eine untragbare Belastung darstellen, und Instituten, die freiweg verkünden, sie bräuchten gar keine Kundengelder mehr, finden sich noch immer Häuser, die fürs Tagesgeld rund ein Prozent im Jahr zahlen. Angesichts einer Inflationsrate im Juni von 0,3 Prozent in Deutschland bedeutet das: Der Realzins ist bei diesen Anbietern noch immer positiv.

Ausländische Häuser tun sich hervor

Zu diesen Banken im Tagesgeldvergleich der FMH gehören etwa die französische Renault BankRenault Bank direkt direkt oder MoneyouMoneYou, ein Ableger der niederländischen ABN Amro. Deren Zinssätze für Tagesgeld liegen bei 1,1 bzw. 1,05 Prozent, wobei die Franzosen den Zins für drei Monate garantieren und die anschließende Absenkung auf 1,0 Prozent sehr moderat gestalten. Die ING-DiBaING-DiBa als Platzhirsch beim Tagesgeld überweist Sparern, die als Neukunden 1,0 Prozent erhalten, nach vier Monaten 0,6 Prozent – ein Zeitlimit, das Kunden der NIBC DirectNIBC Direct bei einem Zinssatz von 0,9 Prozent erspart bleibt. Angebote mit zeitlicher Garantie haben jedoch den Vorteil, dass man bei einem Bankwechsel keine Angst haben muss, bereits drei Wochen später weniger Zinsen zu erhalten und deswegen schon wieder wechseln müsste. Auf der anderen Seite senken die Top-Anbieter sehr selten so radikal die Zinsen, dass man das Gefühl bekäme, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.

Ein Prozent und mehr ist durchaus drin

Wer einen Betrag unter 25.000 Euro anlegen möchte, könnte mit der ConsorsbankConsorsbank gut beraten sein, denn die Franzosen garantieren den Zinssatz von 1,0 Prozent für ein Jahr, senken danach aber kräftig auf 0,4 Prozent. Das ist deutlich länger als die vier Monate, die Wüstenrot seinen Neukunden den Zinssatz von 1,11 Prozent zusichert, der danach sogar auf nur 0,2 Prozent abschmilzt und zudem auf eine Einzahlung von maximal 20.000 Euro begrenzt ist.

Wieder im FMH-Tagesgeldvergleich vertreten ist nach einigen Jahren der Abstinenz die HKB Bank. Sie garantiert für sechs Monate einen Tagesgeldzins von 1,22 Prozent, begrenzt den maximalen Anlagebetrag jedoch auf maximal 10.000 Euro. Nach Ablauf dieser Frist soll der Zins bei 0,7 Prozent liegen. Wer gegenüber der kleinen und relativ unbekannten Bank kritisch eingestellt sein sollte, sei daran erinnert: Im schlimmsten Fall entschädigt die deutsche Einlagensicherung Anleger mit bis zu 100.000 Euro pro Kopf.

Wer jetzt Kunden wirbt, hat sie, wenn das Geschäft anzieht

Stellt sich die Frage: Warum werben einige Banken noch immer Neukunden mit Top-Zinsen an, wenn andere Banken sogar schon bei Minizinsen stöhnen, dass sie nicht mehr rentabel arbeiten könnten? Wir bei der FMH-Finanzberatung vermuten, dass einige Banken (verstärkt) Kredite mit Kundengeldern finanzieren wollen, um ihre Bilanzen nicht zu belasten. Zudem bauen sie so eine Bindung zu ihren Kunden auf, die sie dann nutzen könnten, wenn der Kreditbedarf steigt: In einer solchen Phase sind die Institute im Vorteil, die die Zinsen für bestehende Anleger erhöhen können, anstatt erst teuer und aufwendig Neukunden zu werben. In den nächsten Wochen dürften weitere Banken mit attraktiven Angeboten für Neukunden in den FMH-Zinsvergleichen auftauchen.